Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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53 fluſſung aller Lehrer in allen Stunden; darum eben drückt ſeine Beſchaffenheit auch die Stellung des jugendlichen Geiſtes zu allen geiſtigen Elementen aus, die ihm im Unterrichte begegnen, und zu der Art, wie ihm dieſelben entgegenbracht werden. Wenn auch in der Bezeichnung des höheren Zieles der Begriff der geiſtigen Selbſtſtändigkeit nur in relativem Sinne gemeint ſein kann, ſo erſcheint die Feſthaltung dieſes Zieles doch vor allen Dingen darum nothwendig, weil dasſelbe zugleich den während der drei Unterrichtsjahre einzuſchlagenden Weg oder das Formalprinzip für die Methode unſeres Unterrichtsgegenſtandes bedingt.

Ich weiſe nun zunächſt noch zwei andere falſche Ziele ab, die möglicherweiſe auch an unſerer Anſtalt könnten ins Auge gefaßt werden. Es ließe ſich ja auch wohl der Fall denken, daß man eben jenes niedere Ziel einer gewiſſen Schreibfertigkeit allein ins Auge faßte und auf eine ganz äußerliche Abrichtung hinaus arbeitete. Wenn es gälte, zukünftige Actuariatsgehülfen oder Commis zu bilden, ſo würden die zu ergreifenden Mittel ebenſo einfache ſein wie die mit denſelben einzuhaltende Methode. Es käme eben nur darauf an, innerhalb der Grenzen von ſo und ſovielen Formen der Correſpondenz, der Buchführung ꝛc. die nöthige Routine zu geben. Man denke nun aber an den zukünftigen Beruf der Seminariſten, oder man denke nur an die geiſtige Nahrung, die während ihres hieſigen Aufenthaltes ihnen geboten wird, und es ſpringt in die Augen, welch' heilloſer Schaden gerade bei uns durch eine geiſtloſe Dreſſur müßte angerichtet werden.

Es würde aber auch noch eine dritte Möglichkeit übrig bleiben. Es gibt ja auch eine ſchein⸗ bare Selbſtſtändigkeit, die über alles Abhandlungen zu ſchreiben vermag und den rhetoriſchen Auf⸗ putz dazu von allen Hecken zuſammenlieſt. Ohne Zweifel würde es möglich ſein, auch im Seminare derartige Productionen zu erzielen, wenn von vornherein auf eine künſtliche Frühreife des Urtheils und auf die Fertigkeit im Compilieren hinaus gearbeitet würde. Nur würde das Reſultat ſolcher Scheinbildung die abſolute Zerſtörung des Wahrheitsſinnes, die oberflächlichſte Ungründlichkeit aller geiſtigen Arbeit ſein. Das Bewußtſein von der eigenen Unſelbſtſtändigkeit iſt nicht ein Hinderniß, ſondern eine nothwendige Vorausſetzung für die Ueberwindung derſelben, und je lebhafter dieſer Mangel nicht nur vor dem Forum des Ehrgefühls, ſondern vor dem eines gewiſſenhaften Strebens empfunden und je offener er eingeſtanden wird, deſto leichter gelingt es, demſelben abzuhelfen.

Es bleibt alſo für uns dabei, daß wir uns ein höheres Ziel ſtecken und doch mit einem, nach dem äußeren Erfolge gemeſſen, beſcheidneren Reſultat uns zufrieden geben, um den ſittlichen Gefahren aus dem Wege zu gehen, welche auf den Wegen nach den beiden anderen angegebenen Zielen unvermeidlich ſcheinen.

Wir kommen nun zu der zweiten Frage: wie ſoll das bezeichnete Ziel erreicht werden?

Zuerſt ſoll hier von den im Unterricht zu verwerthenden Stoffen die Rede ſein. Bei dem Unterricht im deutſchen Styl handelt es ſich, wie wir geſehen haben, in erſter Linie darum, Gewandt⸗ heit in der ſchriftlichen Darſtellung zu erlangen.Die zur Bearbeitung gewählten Stoffe müſſen alſo vor allem der Form nach angemeſſen ſein, d. h. die Schüler müſſen im Stande ſein, mit dem ihnen bereits eignenden Vorrath an Wörtern und Satzformen den gegebenen Stoff zu verſtehen. Nur unter dieſer Vorausſetzung wird der Unterricht wirklich an das Vorhandene angeſchloſſen. Der Unterricht hat aber, von dem Vorhandenen ausgehend, weiter zu fördern in der ſprachlichen Sicher⸗ heit ndewundtheß Ich verweiſe hierfür auf den von der Behandlung des Stoffes handeln⸗ den Theil. 1 . Mit dieſem erſten Grundſatz hängt ein zweiter zuſammen, der die Auswahl des Stoffes quantitativ zu beſtimmen hat.Zum Gegenſtande eines Aufſatzes kann nur gewählt werden, was innerhalb des Geſichtskreiſes aller gelegen iſt. Damit ſoll geſagt ſein, daß die Wahl des Aufaatz⸗ ſtoffes nicht eine eigentliche Erweiterung des Wiſſens bezwecken darf. Denn die Erweiterung des Wiſſens iſt eine dem Stylunterricht durchaus fern liegende Aufgabe. Würde dieſelbe auch noch in den Kreis unſeres Unterrichtsgegenſtandes hereingezogen, ſo müßte ſich die Schwierigkeit desſelben um ein Bedeutendes ſteigern. Mit Recht wird hervorgehoben: je leichter die Uebungen gemacht werden, deſto beſſer gerathen ſie; denn je weniger materielle Schwierigkeiten zu überwinden ſind, deſto größere Anforderungen können an die Darſtellung gemacht werden. Von hier aus iſt leicht zu erſehen, wie ſchwierig der Unterricht im deutſchen Styl iſt, wie nothwendig es für den Lehrer wird, ſich über die Größe des Geſichtskreiſes ſeiner Schüler zu orientieren. Ueber dieſen