Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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31 C. leber den Anterricht im deutſchen Styl.

(III. Cl. 1. Abth. 2 St., 2. Abth. 2 St. II. Cl. 1. Abth. 2 St., 2. Abth. 2 St. I. Cl. 1. Abth. 1 St., 2. Abth. 1 St.)

Von Seminarlehrer Marx.

Meine Aufgabe iſt, eine möglichſt getreue Darſtellung von der Art und Weiſe zu geben, wie im Seminar der Unterricht im deutſchen Styl ertheilt wird.

Vorſchriftsmäßig werden wöchentlich zwei Stunden auf dieſen Unterrichtsgegenſtand verwendet, in der Oberelaſſe wöchentlich eine Stunde, alle vierzehn Tage ſoll eine ſchriftliche Arbeit geliefert werden. Ich halte es deshalb für überflüſſig, auf die Frage nach dem Nutzen der ſchriftlichen deutſchen Arbeiten im allgemeinen hier einzugehen; ich ſtelle mich von vornherein auf den Boden gegebener Verhältniſſe; daß deutſche Aufſätze von den Seminariſten geliefert werden müſſen, wenn unſere Anſtalt ihrer Aufgabe gerecht werden ſoll, ſteht mir feſt. Es iſt gewiß auch für den mit den Verhältniſſen des Seminars nur von fernher Bekannten eine leicht begreifliche Sache, daß junge Leute, die ihren Bildungsgang der theoretiſchen Seite nach hier zu einem gewiſſen Abſchluſſe zu bringen haben, die nach ihrem Weggange von hier ſofort im Schulamte thätig ſein ſollen, der Uebung in der ſchriftlichen Darſtellung nicht entrathen künnen. Das Schulamt verlangt von dem Lehrer vor allen Dingen Sicherheit und Gewandtheit in dem Gebrauch der hochdeutſchen Sprache, ſowohl in mündlicher wie in ſchriftlicher Form.

Wer nun den Lectionsplan unſerer Anſtalt zur Hand nimmt und daraus erſieht, ein wie reiches Material im Laufe von drei Jahren die geiſtige Nahrung der Seminariſten bildet, der wird in Verſuchung kommen, recht große Erwartungen zu hegen von den ſchriftlichen Leiſtungen der in ſo vielen Fächern Unterrichteten. Er wird denken: wo ſo viele Bildungselememe dargereicht werden, da müſſen die Geiſter an Kraft und Beweglichkeit, da muß die Sprache an Reichthum und Flüſſigkeit von Jahr zu Jahr zunehmen, und ſomit muß bei dem reiferen Alter auf dem Gebiete des deutſchen Styls ein hohes Ziel erreicht werden. Gewiß, es ſchlummern unendlich viele Hebelkräfte in der reichen Auswahl der Unterrichtsgegenſtände, die eine ſehr werthvolle Geiſtes⸗ gymnaſtik zu Stande zu bringen vermögen. Aber wir befinden uns ſolchen Erwartungen gegen⸗ über auf dem Boden gegebener Verhältniſſe, und dieſe ziehen uns überall Schranken. Man kann das Vorhandenſein dieſer Schranken beklagen, aber man darf ſie nicht überſehen und unbeachtet laſſen, wenn man ſein Werk nicht in die Luft, ſondern auf feſten Boden gründen will.

Indem ich auf dieſe gegebenen Verhältniſſe näher eingehe, habe ich zunächſt den durch⸗ ſchnittlichen Befund der Fähigkeit und Fertigkeit zu ſkizziren, wie er bei den Neuaufgenommenen auf unſerem Gebiete ſich zeigt. Die erſte ſchriftliche Arbeit, welche von den Aufzunehmenden geliefert wird, iſt die Wiedergabe einer kleinen Erzählung, Anecdote oder dergl. Nachdem der Stoff durch freie Erzählung gegeben worden iſt, bringen ſie die ſchriftliche Darſtellung im Laufe von 11 ½ Stunden, die meiſten in einer Reinſchrift, zu Stande. Dieſe Arbeiten beweiſen durchſchnittlich große Unſicherheit, ſowohl in Bezug auf Orthographie, Interpunktion und gramma⸗ tiſche Correctheit, wie in der Handhabung der Sprache, wie endlich in der verſtandesmäßigen Auffaſſung des Stoffes. Von der rein formellen Incorrectheit des weiteren zu reden, erſcheint hier überflüſſig, da ich mich in dieſer Beziehung auf die voranſiehende Arbeit über den Unterricht in der deutſchen Grammatik berufen kann. Was die Handhabung der Sprache anlangt, ſo will ich nur auf eins hinweiſen. Unſere Schüler gehen zum bei weitem größten Theile aus Volks⸗ ſchulen hervor; das Sprachgebiet, guf welchem ſie dort in den ſchriftlichen Arbeiten ſich zu bewegen Gelegenheit hatten, iſt ein ſehr beſchränktes, die Satzformen, über welche ſie mit Sicherheit gebieten, ſind natürlich die einfachſten. Kein Wunder, daß die Reinheit der Sprache Schaden nimmt, ſobald der gegebene Stoff die Grenzen jenes Gebietes zu überſchreiten nöthigt, daß die Mundart ihre Rechte geltend macht und Verſtöße gegen das Hochdeutſche verurſacht. Ebenſo erſcheint die Klarheit des Ausdrucks infolge dieſer Wortarmuth getrübt, ſobald es auf treffende Bezeichnung, auf die richtige Auswahl unter ſinnverwandten Wörtern ankommt. Die Wortarmuth hat einen