Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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erfüllt, von ſelbſt dazu bringt, daß ſie die entſcheidenden Worte richtig betonen, d. h. durch Ver⸗ ſtärkung der Stimme und höheren Stimmton auszeichnen, dieſe Wahrnehmung zeigt uns den Weg an, auf dem wir unſere Schüler zur richtigen Betonung beim Leſen führen können. Das Nächſt⸗ liegende und Hauptſächlichſte iſt immer dieß, daß der Schüler den Gedanken, den er ausſprechen ſoll, richtig erfaßt, vollkommen in ſich aufnimmt. Hat er das gethan, dann leitet ihn auch das Sprachgefühl, das ihn richtig betonen läßt, wenn er etwas, was aus ſeiner vollen Seele kommt, ausſpricht, dahin, daß er das Fremde, das er in ſich aufgenommen und ſich angeeignet hat, mit richtiger Betonung wiedergibt. An dieſes Sprachgefühl hat man immer zu appellieren. Ihm hat man aber auch zu Hilfe zu kommen, wo das nöthig erſcheint. Dieſes Zuhilfekommen geſchieht aber auf ſehr einfache Weiſe. Gewöhnlich genügt ſchon eine einfache Frage. Der Schüler liest z. B.der Kirſchbaum blüht. Die Betonung iſt falſch. Dann tritt die Frage des Lehrers ein:Soll hier wirklich geſagt werden, daß es der Kirſchbaum iſt, der blüht, nicht aber ein anderer Baum? Es wird hier allerdings von einer Regel Gebrauch gemacht, ſtreng genommen der einzigen Regel, welche die Schüler zu wiſſen nöthig haben. Es iſt dieß die Regel:man betont dasjenige Wort, auf welches es am meiſten ankommt. Ob es aber nun wirklich auf das betreffende Wort am meiſten ankommt, darauf kann man leicht die Probe machen. Jede Betonung eines beſtimmten Wortes ſchließt den Begriff, welcher dem durch dieſes Wort bezeichneten Begriff entgegengeſetzt iſt, aus. Man braucht alſo nur zu probieren, ob der entgegengeſetzte Begriff wirklich ausgeſchloſſen werden ſoll. Dieſe Probe iſt bei dem oben angeführten Beiſpiel gemacht worden durch die einfache Frage:Soll geſagt werden, daß es der Kirſchbaum iſt, der blüht, nicht aber ein anderer Baum? Allzu lange Zeit dürfen indeſſen derartige Hilfeleiſtungen von Seiten des Lehrers nicht in Anſpruch nehmen.

Aus der zuletzt ſtehenden Bemerkung erhellt ſchon, was nach unſerer Meinung von lang anhaltenden, oft wiederkehrenden, oder gar perpetuirlichen Betonungsübungen zu halten iſt. Man kann ſolche Uebungen in der Weiſe betreiben, daß man die Schüler den Ton eines Satzes bewußter Weiſe aufſuchen läßt, zuerſt den Hauptton, dann den Nebenton, dann die Vertheilung des Tones über den ganzen Satz. Iſt dann die Betonung des Satzes feſtgeſtellt, ſo kann man durch öfteres Leſenlaſſen die Sache vollkommen einprägen. Dann kann man zu einem neuen Satz über⸗ gehen, an dieſem die nämliche Operation vornehmen laſſen und ſo fort, bis das ganze Leſeſtück auf dieſe Weiſe durchgegangen iſt. Dann iſt dieſes Stück zum recht betonten Leſen vollkommen fertig geſtellt, womöglich mit Zuhilfenahme des Bleiſtifts, gerade ſo, wie man ein Muſikſtück mit allen möglichen muſikaliſchen Bezeichnungen verſieht, damit es richtig geſpielt werden kann. Das iſt nun wohl vollkommen außer Zweifel, daß ſich viele Leſeſtücke zu einer derartigen Behandlung gar nicht eignen. Man denke ſich einmal in dieſer Weiſe durchgegangen das Göthe'ſche Lied: Der du von dem Himmel biſt. Wenn man mit der Operation fertig iſt, ſo hat man ziemlich dasſelbe gethan wie der Mann, der eine ſchöne Blume zwiſchen die Finger nimmt, Blatt für Blatt abreißt, betrachtet und wo möglich in den Mund ſteckt. Man hat auch von der Schöͤnheit des Liedes ziemlich ebenſo viel gemerkt, wie jener Mann von der Schönheit der Blume. Wahr⸗ ſcheinlich hat man es aber auch dahin gebracht, daß das Lied den Schülern gründlich verleidet worden iſt. Aber auch abgeſehen davon, daß viele Leſeſtücke eine ſolche Behandlung nicht aus⸗ halten, ſo dürfen ſolche Uebungen überhaupt nicht zur Regel oder gar zur ausſchließlichen Behandlungsweiſe werden. Dieß ſchon nicht aus dem ſehr einfachen Grund, weil man da⸗ durch die Schüler auf unverantwortliche Weiſe langweilen würde. Außerdem aber ſollen die Schuͤler überhaupt nicht irre gemacht werden im Betonen, wenigſtens nicht ohne Noth; darum nicht, weil es das Sprachgefühl iſt, das ſie leiten ſoll. Wenn ſie von dieſem Gefühl richtig geleitet werden, ſo hat der Lehrer gar nichts hinzuzuſetzen. Erſt wenn ſie im Betonen irren, wenn alſo das Verſtändniß falſch oder das Sprachgefühl nicht genug angeregt und lebendig iſt, erſt dann muß ihnen der Lehrer in der oben geſchilderten Weiſe mit Fragen zu Hilfe kommen. Uebrigens ſollen ſelbſt eigentliche Experimente im Betonen nicht ganz und gar und unter allen Umſtänden verworfen werden. Man kann ſie einmal gelegentlich zu einem beſtimmten Zwecke machen laſſen. Sie kommen im Seminarunterricht mitunter einmal vor, wenn gezeigt werden ſoll, wie ſich die Betonung ſtreng nach dem Sinn richtet und wie eine andere Betonung jedesmal einen anderen Sinn zu Wege bringt. Soll das exemplificirt werden, ſo werden zum Experimenten⸗