Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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den Schülern durch die dargeſtellte Art der Behandlung weit mehr geboten. Das, was auf ſolche Weiſe gelernt iſt, iſt ſicher begründet. Denn das Wiſſen ruht auf Anſchauung. Was gelernt worden iſt, wurde erworben durch eignes Beobachten, Vergleichen, Schließen. Die Schüler ſind alſo zum Ziel gelangt auf dem Wege der Selbſtthätigkeit. Vielleicht aber haben ſolche, welche auf dem Gebiete, das unſere Darſtellung in ihrem letzten Theil betreten hat, gründlich zu Hauſe ſind, ein anderes erhebliches Bedenken. Sie ſagen vielleicht:Gegen das Unterrichtsver⸗ fahren haben wir nichts einzuwenden, um ſo viel mehr aber gegen den Unterrichtsſtoff. Wer dieſen Unterrichtsſtoff bewältigen ſoll, wer von all dem Lernen einen ſoliden geiſtigen Gewinn haben ſoll, der muß zu dem Unterricht einen ziemlich hohen Grad geiſtiger Reife herzubringen. Dieſes Wahrnehmen, Beobachten, Begreifen poetiſcher Formen, ja ſchon allein das Intereſſe für die Form an ſich, welches alles dieſer Unterricht vorausſetzt, findet ſich nur anf dem Standpunkt geiſtiger Reife. Haben die Zöglinge des Seminars dieſe Stufe geiſtiger Gereiftheit wirklich ſchon erſtiegen? Solchen Bedenken gegenüber iſt unumwunden einzugeſtehen, daß die Sache für die jungen Leute, welche das Seminar beſuchen, recht ſchwer iſt, insbeſondere für die weniger talent⸗ vollen unter ihnen. Indeſſen hängt hier doch ſehr viel davon ab, ob die Behandlung des Stoffes eine elementare und populäre iſt. Bei wirklich populärer Behandlung wird trotz aller Schwierig⸗ keit ein Verſtändniß dennoch erzielt, und die Frucht, welche dieſer Unterrichtszweig beim Erzielen des rechten Verſtändniſſes bringen muß, bleibt nicht aus. ig duan IlAinaun. Nach dem Lehrplan des Seminars ſollen endlich in den Lehrſtunden literarhiſioriſche Lebens⸗ bilder vorgeführt werden. Der Nutzen, welchen Biographieen haben, iſt allgemein anerkannt, und es braucht deßhalb hier darüber kein Wort geſagt zu werden. Die Darſtellung von dem Lebens⸗ geſchicke und der Lebensentwickelung eines Dichters bietet aber doch wieder etwas ganz Eigenthüm⸗ liches, etwas, was die Biographie eines Königs, eines Staatsmannes, eines Feldherrn nicht bieten kann. Dazu kommt aber als Hauptſache, daß die Schüler über den Dichter nicht bloß erzählen hören, wie ſie über Friedrich den Großen, Stein, Blücher erzählen hören, ſondern daß ſie des Dichters Wort bereits vor ſich, ja in ſich haben. Dieß iſt ein überaus günſtiger Um⸗ unn und dieſen Umſtand muß man in ausgiebigſter Weiſe benutzen. Die biographiſche Dar⸗ ſtellung muß ſich alſo genau anſchließen an die Lectüre der dichteriſchen Erzeugniſſe. Denken wir an die Biographie Schillers. Ein großer Theil der Gedichte Schillers iſt geleſen worden, des⸗ gleichen die Tragödie Maria Stuart. Wird nun die Biographie Schillers durchgenommen, ſo ſchließt ſich an dieſe den Schülern bekannte Werke des Dichters die Darſtellung ſeiner den Schülern noch fremden Werke an. Werden die Lebensgeſchicke des Dichters beſchrieben, ſo fällt ein Licht auf die ſchon geleſenen Dichtungen desſelben, es wird ein Schlüſſel gegeben zum Verſtändniß der noch nicht geleſenen. Die Schüler lernen, wie die einzelnen Werke entſtanden ſind, welchen Stoff der Dichter benutzte, wie er ihn bearbeitete, wie die Zeitereigniſſe und Zeitſtrömungen ebenſowohl wie die perſönlichen Erlebniſſe und Stimmungen auf das poetiſche Schaffen und die poetiſchen Gebilde Einfluß geübt haben. Es wird ihnen klar, wie in den Dichtungen ſich der Entwickelungsgang des Dichters abſpiegelt, wie die Dichtungen in ihrem Werthe wachſen mit dem Dichter ſelbſt. Soll das alles wirklich zum Bewußtſein gebracht werden, ſo braucht man zum Durchgehen der Schiller'ſchen Biographie allerdings eine ganze Reihe von Stunden. Ich habe aber auch gar keine Bedenken dabei gehabt, auf die Geſchichte dieſes einen Mannes ſo viel Zeit zu verwenden. Schiller ſteht in dieſem Falle nicht für ſich allein da; er iſt Repräſentant der ganzen Dichterwelt. Wer das Dulden, Ringen, Streben und Schaffen dieſes Mannes kennen lernt, der lernt eben das Kämpfen des Dichtergenius mit der gemeinen Wirklichkeit, das poetiſche Streben und Schaffen überhaupt kennen. Indem die Seminariſten auf dieſe Weiſe mit der Biographie Schillers bekannt gemacht werden, ſollen ſie zugleich lernen, wie ſie das Leben eines Dichters in Verbindung mit deſſen ſchriftſtelleriſchen Leiſtungen ſtudiren können und müſſen. In ähnlicher Weiſe wie die Biographie Schillers wurde die Biographie von Klopſtock, Leſſing, Herder, Göthe, Arndt und Uhland durch⸗ gegangen. In ähnlicher Weiſe, aber durchaus nicht in gleicher Weiſe. Je weniger von einem Dichter geleſen worden iſt, um ſo weniger eignet er ſich auch zu einer gründlichen bio⸗ graphiſchen Behandlung. Bei einigen der genannten 6 Dichter kann man es nicht viel weiter als bis zur Darſtellung der äußeven Lebensſchickſale bringen, weil von den Dichtungen derſelben den Seminariſten zu wenig bekannt iſt. Wenn trotzdem das Leben gerade dieſer Dichter zur bio⸗