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wie ſie bei dem Unterricht angewandt wird, zur Anſchaunng zu bringen. Das über den Versbau und über die Art des poetiſchen Erzählens Geſagte dürfte zur Exempliſication hinreichen. Im allgemeinen ſoll bei den Erläuterungen dieß geleiſtet werden, daß der Lehrer alles, was den Charakter einer Dichtung bildet, was die eigenthümliche Schönheit derſelben ausmacht, ſofern es⸗ nicht dem ungeübten Schüler von ſelbſt ins Auge leuchtet, aufweiſt und den Schülern zum Be⸗ wußtſein bringt.— Es crübrigt nun noch die Angabe der Grundſätze, vach welchen bei dem Durchgehen des Geleſenen verfahren wird. 1 taffin 1r69 Als oberſte Regel gilt, daß alles Durchſprechen nur eine dienende Beſtimmung hat. Was von dem Lehrer zur Erklärung des Geleſenen mitgetheilt wird, iſt nichts an ſich ſchon Werthvolles, was um ſeiner ſelbſt willen verdiente, in das Gedächtniß aufgenommen zu werden.⸗ Vielmehr hat es zunächſt nur den Zweck, in das Verſtändniß des Schriftſtellers einzuführen. Der Erklärer redet darum nur ſo lange, bis das Wort des Schriftſtellers vollſtändig gehört worden iſt. Die Erläuterung iſt nichts weiter als der Fingerzeig, den man wieder wegwiſchen kann, wenn das Auge des Schülers auf den entſcheidenden Punkt hingerichtet iſt. Darum darf bei dem Erklären nur ſo viel gegeben werden, als zum Verſtändniß von Form und Inhalt des betreffenden Schriftſtücks ſchlechterdings unentbehrlich iſt. Das Hauptgeſetz, das bei allem Durch⸗ gehen von Dichtungen zu walten hat, iſt alſo das Geſetz der Sparſamkeit. Aber noch mehr! Es finden auch alle derartigen Mittheilungen immer nur an dem beſtimmten Onte ſtatt, an welchem ſie grade nöthig ſind. Nirgends tritt vorerſt eine ſyſtematiſche Darſtellung ein, ſondern immer nur eine gelegentliche Mittheilung. Erſt ſpäter, wenn derartige Mittheilungen im einzelnen zahlveich gemacht worden ſind, erfolgt, wofern überhaupt ein zuſammenhängendes Wiſſen als noth⸗ wendig erſcheint, eine überſichtliche Juſammenfaſſung.
Iſt ein Verſtändniß der geleſenen Stücke erzielt, ſo genügt das bei vielen derſelben noch nicht. Die werthvolleren Leſeſtücke, insbeſondere die Gedichte, ſollen ja den Schülern nicht bloß verſtändlich, ſie ſollen ihnen bekannt, vertraut und lieb werden, ſie ſollen auf die Schüler eine kräftige Wirkung ausüben. Das aber kann durch ein einmaliges Leſen und Erklären nicht erzielt werden. Es bedarf darum bei vielen Leſeſtücken, namentlich bei vielen Gedichten, eines mehrmaligen Leſens, einer öfteren Wiederholung zu verſchiedenen Zeiten. Indeſſen reicht auch das bei manchen Gedichten noch nicht hin. Dieſe müſſen vielmehr vollkommen in das Gedächtniß aufgenommen, vollkommen zum frei verfügbaren Eigenthum der Schüler gemacht werden. Freilich gehört der Leſeunterricht nicht zu denjenigen Disciplinen, welche vorzugsweiſe das Gedächtniß in Anſpruch nehmen, wie die Geographie, die Geſchichte z. B. das thun. Vielmehr ergibt ſich aus den vor⸗ ſtehenden Erörterungen, wie durch den Leſeunterricht ganz andere Seelenkräfte entwickelt werden ſollen. Die ſpäteren Ausführungen werden zeigen, welch geringer Werth auf bloß gedächtniß⸗ mäßiges Wiſſen zu legen iſt, an einer Stelle des Unterrichts in der Literatur, wo ſehr haͤufig grade das Gedächtniß in Anſpruch genommen zu werden pſlegt. Hier aber an dem Punkt, an welchem jetzt die Beſprechung angelangt iſt, hier muß entſchieden die Forderung geſtellt werden, daß das Gedächtniß in den Dienſt des Unterrichts genommen werde. Und zwar muß dieß aus zweifachem Grunde gefordert werden. Einmal kann ohne Zuhilfenahme des Gedächtniſſes der Zweck des Unterrichts nicht vollkommen erreicht werden, und ſodann iſt hier Gelegenheit geboten, durch Auf⸗ nahme von Gedichten in das Gedächtniß dieſes mit dem edelſten Inhalt zu erfüllen. Beginnen wir mit dem zuletzt Genannten zuerſt: das Gedächtniß ſoll mit dem edelſten Inhalt erfüllt werden. Schwerlich kann darüber ein Zweifel obwalten, daß es ein höchſt werthvoller Beſitz iſt, wenn man eine Anzahl von elaſſiſchen Gedichten ſtets präſent hat, alſo daß nur ein Grundton angeſchlagen zu werden braucht, um ſofort den ganzen Accord erklingen zu laſſen, alſo daß nur eine Weiſe der Melodie intoniert zu werden braucht, um ſofort den ganzen Gang der Melodie hören zu laſſen, alſo daß eine leiſe Andeutung, ein bloßes Stichwort genügt, um eine ganze Gedankenreihe in Bewegung zu ſetzen— das ſichere Merkmal, an dem man einen literariſch Geſchulten erkennt. Schwerlich kann geleugnet werden, daß es etwas überaus Schönes iſt, eine Auswahl des Beſten und Claſſiſchſten, was in deutſcher Junge gedichtet worden iſt, gleicham immer vor Augen zu haben, die Phantaſie, das Nachdenken damit zu beſchäftigen, das Herz daran zu erfreuen, zu rechter Stunde ohne Buch den claſſiſchen Ausdruck für einen Gedanken zu finden. Nicht vieles Andere verdient ſo ſehr in das Gedächtniß aufgenommen zu werden, nicht vieles Andere bildet einen ſo
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