Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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in Leſen und Literatur beſtimmten wöchentlichen Lehrſtunden wird nicht gegeben eine Theorie über den Leſeunterricht, den die Schüler des Seminars in Zukunft als Lehrer ertheilen ſollen; ebenſo wenig findet in dieſen 2 Stunden ſtatt eine praktiſche Einführung in die Kunſt des Unterrichtens im Leſen. Hiermit ſoll ſelbſtverſtändlich nicht geſagt ſein, daß der in den genannten Stunden ertheilte Unterricht die Schüler überhaupt nicht auf ihren zukünftigen Beruf vorbereite, daß er gar keine Beziehung zu der künftigen Berufsthätigkeit derſelben habe. Eine ſolche Behauptung wäre ja ganz widerſinnig. Der Unterricht im Leſen und Literatur ſoll natürlich wie jeder im Seminar betriebene Unterricht im allgemeinen vorbildlich ſein, er ſoll ſelbſtverſtändlich wie jeder andere Seminarunterricht den Seminariſten diejenige Ausrüſtung im allgemeinen Wiſſen, Ver⸗ ſtehen und Können geben, welche es ihnen möglich macht, in der Zukunft ſelbſt einen gedeihlichen Unterricht zu geben. Eine ſolche mittelbare Vorbereitung auf die zukünftige Berufsthätigkeit iſt ja ganz unvermeidbar und findet ſelbſtverſtändlich auch ſtatt. Aber einen directen Bezug auf die künftige Lehrthätigkeit der Seminariſten nimmt der im Seminar eetheilte Leſeunterricht nicht, unmittelbar bereitet er darauf nicht vor. Man wende nicht ein, daß für die Semina⸗ riſten außer der eigenen Uebung im Unterrichten auch noch eine Theorie über den Unterricht im Leſen, ein praktiſches Vormachen und Exemplificiren an Leſeſtücken von Seiten des Lehrers abſolut nothwendig iſt. An dieſer Nothwendigkeit wird durchaus nicht gezweifelt. Eine theoretiſche und praktiſche Einführung in die Kunſt des Leſenlehrens muß allerdings ſtattfinden und findet auch thatſächlich ſtatt. Dieſe Aufgabe wird von demjenigen Lehrer, welcher in der erſten Klaſſe die Uebungen im Leſeunterricht leitet, mit den Schülern dieſer Klaſſe in beſonderen Stunden bewältigt. Aber dieſe Arbeit iſt getrennt und muß getrennt ſein von der Arbeit, welche in den Leſe⸗ und Literaturſtunden betrieben wird. Wenn man dieſe Stunden dazu verwenden will, daß die Schüler des Seminars vor allem in denſelben lernen ſollen, wie ſie künftig ſelbſt lehren ſollen, ſo treten ganz unleidliche Zuſtände ein. Wie geſtaltet ſich in dieſem Fall der Leſeunterricht? Eine Theorie über den Unterricht im Leſen kann doch erſt in der ſpäteren Zeit des Seminaraufenthalts gegeben werden und nimmt doch auch nur eine verhältnißmäßig beſchränkte Zahl von Stunden in Anſpruch. Was ſoll denn nun in den übrigen Stunden getrieben werden? Man muß diejenigen Leſeſtücke oder ähnliche Leſeſtücke durchgehen, wie ſie in der Volksſchule vorkommen. Man muß dieſelben in eben derjenigen Weiſe durchnehmen, wie das in der Volksſchule geſchieht. Die jungen Leute, welche das Seminar beſuchen, werden in ſolchem Falle factiſch von ihrem 16. bis zu ihrem 19. Lebensjahre weſentlich ebenſo unterrichtet wie die Schüler einer Volksſchule. Sie haben vor dieſen nur den Vorzug voraus, daran denken zu können, daß ſie dereinſt auch einmal ſo unterrichten dürfen, wie ſie gegenwärtig unterrichtet werden. Es leuchtet aber wohl jedem Kundigen von ſelbſt ein, daß man auf dieſe Weiſer Jünglinge im Alter von 1619 Jahren zu einer tödtlichen Lange⸗ weile verurtheilt und dadurch nach und nach abſtumpft. Nun wird man außerdem aber auch fragen müſſen: Sollen die Zöglinge des Seminars wirklich nicht mehr lernen als das, was ſie künftighin ſelbſt lehren werden? Man wird ſchwerlich um eine Antwort auf dieſe Frage verlegen ſein. Man wird entſchieden verlangen, daß die jungen Leute etwas für ſich ſelbſt lernen ſollen, etwas, was ihnen die Volksſchule nicht geben konnte und was ſie in der Volksſchule auch künftig⸗ hin nicht lehren werden. Wenn man aber dieſe Forderung ſtellt, ſo darf man nicht verlangen, daß neben dieſem Zweck in den für Leſen und Literatur beſtimmten Stunden auch noch ein anderer Zweck verfolgt werde, nämlich die directe Einführung der Seminariſten in die Kunſt des Unter⸗ richtens. Will man beide Ziele zugleich erreichen, ſo bringt man die Schüler in eine ganz un⸗ natürliche Lage. Sie müſſen dann zu derſelben Zeit für ſich lernen und darauf reflectiren, wie ſie das Gelernte wieder lehren ſollen. Sie müſſen zur ſelben Stunde ſich fühlen als Schüler und auch wieder als Lehrer. Sie müſſen ſich vorkommen halb als Wiſſende und halb als Nicht⸗ wiſſende. Lieber laſſe man ſie doch aufrichtig und ehrlich lernen wie andere junge Leute deſſelben Alters. Man laſſe ſie das, was ihnen gegeben wird, aufnehmen in Stille und Einfalt; man laſſe ſie ſich deſſelben bemächtigen mit jugendlicher Unmittelbarkeit und mit friſcher Energie. Weil ſonach der Unterricht in Leſen und Literatur in directer Beziehung zu dem künf⸗ tigen Unterrichten der Seminariſten nicht ſteht, ſo iſt in den nachfolgenden Ausführungen eine Bezugnahme auf die ſpätere Berufsthätigkeit der Schüler ganz unterlaſſen. Was die Schüler des Seminars für ihr eigenes künftiges Schulhalten brauchen, iſt, um Verwirrung zu vermeiden, gar