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Erden. In der Mehrzahl lauten die weiblichen Dingwörter entweder um und haben die Endungen der ſtarken Deklination, oder ſie lauten nicht um und haben dann in allen ſde en, aus⸗ genommen die auf niss und sal. Die weibliche unumlautende ſtarke Form iſt daher jetzt von der ſchwachen weiblichen Form nicht mehr zu unterſcheiden.
Die urſprünglich nur neutrale Endung er iſt jetzt auch auf viele männliche Wörter über⸗ gegangen. In der Volksſprache wird dieſe Mehrzahlendung noch öfter angewandt als in der Schriftſprache z. B. Reſter, Geſchmäcker.—
In derſelben Ausdehnung ungefähr, in welcher hier die Deklination des Dingworts behan⸗ delt iſt, wird der ganze grammatiſche Stoff durchgearbeitet, jedoch ſo, daß in den verſchiedenen Gebieten bei dem erſten Durchgehen vieles Schwierigere vor der Hand bei Seite gelaſſen und erſt bei dem 2. Male hinzugefügt wird. Dies geſchieht namentlich mit den Bemerkungen aus der Geſchichte der deutſchen Sprache und über den mundartlichen Gebrauch. Beſonders wird in der höheren Klaſſe das Penſum der vorhergehenden immer mehr zu vertiefen geſucht. Dazu kommt in der oberſten Klaſſe noch ein Ueberblick über den ganzen Stoff, ſoweit er vorgekommen iſt, und ein Einblick in die wiſſenſchaftliche Anordnung der Grammaell Ferner werden hier beſon⸗ ders die ſprachgeſchichtlichen Bemerkungen und einiges Allgemeine zu einem leicht überſehbaren Ganzen zuſammengefaßt. Dies letztere will ich im Folgenden kurz andeuten, etwas eingehender werde ich nur das, was über die Entwickelung unſerer heutigen Schriftſprache mitgetheilt wird, angeben, damit man zugleich ſehe, in welcher Form dies geſchieht. 2
Sprachgeſchichtliche Bemerkungen, beſonders über unſere deutſche Schriftſprache(Beiſpiel).
1 Die Sprache iſt das Vermögen des Menſchen, ſeine Gevanken durch Worte auszudrücken. Dieſelbe iſt nicht etwa die Erfindung eines einzelnen Menſchen, ſondern wo ſich Menſchen ent⸗ wickelten, da entwickelte ſich auch Sprache, als etwas zu ihrem Weſen Gehöriges.
Es gibt nicht bloß eine, allen Menſchen gemeinſame Sprache, ſondern viele verſchiedene Sprachen, die ſich bei den einzelnen Völkern nach ihren leiblichen und geiſtigen Naturanlagen und unter klimatiſchen und geographiſchen Einflüſſen ausbildeten.
Die Sprache unſeres Vaterlandes nennen wir unſere Mutterſprache, die Sprachen der anderen Länder ſind für uns fremde.
Die Sprache, welche noch der Geſammtheit eines Volkes zum Gedankenausdrucke dient, iſt eine lebendige, diejenige, welche nur noch in ſchriftlichen Erzeugniſſen vorliegt, nennt man eine todte.
Die Sprachenvergleichung hat dargethan, daß ein großer Theil der europäiſchen Sprachen mit einander verwandt ſind und mit einem noch heute in Aſien wurzelnden Sprachgeſchlechte die ſog. indogermaniſche Sprachfamilie bilden.
Die aſiatiſchen Glieder dieſer Sprachfamilie ſind die indiſche Sprache(Sanserit und die neueren indiſchen Sprachen) und die iraniſche oder perſiſche Sprache. In Europa gehören dazu die griechiſche und die lateiniſche Sprache(mit ihren Töchtern, den romaniſchen Sprachen); die ſlaviſchen Sprachen(ruſſiſch, ſerbiſch, ſloweniſch, bulgariſch, polniſch u. ſ. w.); die altpreußiſche Sprache mit der lithauiſchen und lettiſchen(in Kurland und Livland); die keltiſche Sprache(in Irland, Hochſchottland, Wales, Bretagne) und endlich die germaniſchen Sprachen.
Ddie Verwandtſchaft dieſer Sprachen darf man ſich nicht ſo denken, als ſei eine aus der anderen hervorgegangen, wie z. B. die romaniſchen Sprachen aus der lateiniſchen; ſondern ihre Verwandtſchaft beruht auf der gemeinſamen Abkunft. Jede derſelben hat ſich nach Lostrennung von der gemeinſamen Urquelle ſelbſtſtändig entwickelt. Ihre Verwandtſchaft zeigt ſich aber in der übereinſtimmenden Weiſe der Flexion und der Wortbildung, fowie darin, daß ſie viele Wurzeln gemeinſam haben. 3
Die alterthümlichſte, form⸗ und klangreichſte der germaniſchen Sprachen iſt das Gothiſche, das wir aus der Bibelüberſetzung des Biſchofs Ulfilas(388) kennen.
Aus Handſchriften des 13. Jahrhunderts kennen wir das Altnordiſche, woraus ſich das Däniſche und Schwediſche entwickelt, und das ſich im Isländiſchen am treuſten erhalten hat.


