Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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wdie kleine deutſche Schulgrammatik für Seminarien u. ſ. w. von Joſeph Kehrein empfohlen worden.

In welcher Ausdehnung nun die Grammatik im Seminar betrieben wird, wie weit namentlich die früheren Perioden der deutſchen Sprache und die Mundarten Berückſichtigung finden, das läßt ſich nicht wohl durch Vorführung des ganzen Lehrſtoffes darſtellen. Ich wähle deshalb lieber ein einzelnes Beiſpiel, nämlich die Deklination des Dingworts, und will hieran zu veran⸗ ſchaulichen ſuchen, welcher Stoff nach und nach zur Behandlung kommt.

Von der Heklination des Dingwortes(Beiſpiel).

Die Einheit und Mehrheit drücken wir jetzt durch zwei Zahlformen aus, durch den Singu⸗ laris und den Pluralis. Einen Dualis, d. h. eine beſondere Bezeichnung der Zweizahl, wie ihn das Griechiſche hat, haben wir jetzt im Hochdeutſchen nicht mehr. Das gothiſche Verbum und das gothiſche perſönliche Fürwort hatte noch einen Dual, und in Dialecten, wie z. B. in Baiern und Oeſterreich kommen noch bis heute Dualformen von dem perſönlichen Fürwort vor(is, enker, enk oder ös, önger, öng). Zur Bezeichnung der Beziehungen, in welchen das Nomen in der Sprache gefaßt wird, hat das Deutſche in jeder der beiden Zahlformen 4 Fälle oder Caſus, den Nominativ, Genitiv, Dativ, Accuſativ, die auf die Fragen wer?(was?) weſſen? wem? wen? ſtehen, wonach ſie auch Werfall, Weſſenfall u. ſ. w. genannt werden. Die Anzahl der Caſus iſt nicht in allen Sprachen dieſelbe. So hat z. B. das Lateiniſche noch einen Vokativ und einen Ablativ. Im Gothiſchen beſtand auch noch eine beſondere Form der Anrede, die jetzt mit dem Nominativ zu⸗ ſammengefallen iſt. Ein dem lateiniſchen Ablativ entſprechender Fall findet ſich noch im Althoch⸗ deutſchen, der Inſtrumentalis, auf die Frage wodurch? womit? Ein und dieſelbe Beziehung wird in den verſchiedenen Sprachen durch verſchiedene Fälle ausgedrückt. Die neueren Sprachen neigen ſehr dazu, die Beziehungen ſtatt durch die bloßen Fallformen durch Präpoſitionen auszudrücken. So hat z. B. das Franzöſiſche gar keine eigentliche Fallbiegung mehr. Im Deutſchen ſetzen wir z. B. ſchon ſehr häufig zu einem Dingwort, das im Genitiv ſtehen ſollte, die Präpoſitionvon.

Eigentlich gibt es nur Eine Deklination.

Die verſchiedenen Beziehungen wurden urſprünglich durch nachgeſetzte beſondere Beſtandtheile (Worte?) ausgedrückt. Nach und nach verſchmolzen dieſelben mit dem betreffenden Worte; und jene Beſtandtheile wurden ſo Caſusendungen. Da nun die Stammesauslaute der Nomina ver⸗ ſchieden ſind, ſo gab es auch verſchiedene Verbindungen dieſer Stammesauslaute mit den Caſus⸗ elerienten. So kam es, daß bei verſchiedenen Wörtern dieſelben Caſus verſchieden lauten. Seit Grimm nennt man die Deklination der Wörter mit vokaliſch auslautenden Stämmen ſtarke und der conſonantiſchen Stämme oder der nStämme die ſchwache Deklination.

Die ſtarke Deklination unterſchied ſich früher wieder in 3 Klaſſen, je nachdem ſich der Stamm auf ein a oder ein i oder ein u endigte.(Beiſpiele aus dem Gothiſchen und Althoch⸗ deutſchen). Heut zu Tage iſt dieſer Unterſchied nicht mehr zu erkennen; wir können jetzt nur noch 2 Arten der ſtarken Deklination unterſcheiden, die umlautende und die nicht umlautende(die frühere i⸗ und a⸗Deklination). Die ſchwache Form hat jetzt in allen Caſus außer dem Nominativ Sing. n(en)(Beiſpiele der ſchwachen Form aus dem Gothiſchen und Althochdeutſchen).

Die Vergleichung der jetzigen Deklinationsformen mit den früheren zeigt, daß eine große Veränderung ſtattgefunden hat. Während im Gothiſchen noch 40 verſchiedene Endungen mit allen Vokalen vorkommen, hat das Althochdeutſche nur noch 25, das Neuhochdeutſche gar nur noch 6, worin als Vokal nur das tonloſe e erſcheint. Unſere Sprache hat alſo bedeutend an Klangfülle und Formenreichthum verloren. Im Neuhochdeutſchen haben ferner auch vielfache Vermengungen der ſchwachen und ſtarken Form ſtattgefunden. Das e in der ſtarken Deklination fällt noch häufig aus, ſo bei den Wörtern, die ſich auf el. em, en und er, auf chen und lein endigen. Im 16. und 17. Jahrhundert findet man noch Formen wie Engele, Richtere. Das e des Genitivs und des Dativs laſſen wir beſonders in Suͤddeutſchland meiſtens auch bei den Wörtern aus, die es urſprünglich haben. In Norddeutſchland fehlt dieſes e ſelten.

Die weiblichen Dingwörter werden jetzt in der Einzahl gar nicht mehr verändert. Doch kommt noch der ſchwache Genitiv und Dativ im poetiſchen Sprachgebrauch vor, z. B. Feſtgemauert in der