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Irrthum kommen ſie in Gefahr, ſich um die Freiheit und Ungezwungenheit des Ausdrucks zu bringen und ſich ſelbſt zu einem immerwährenden Spielen einer fremden Rolle zu verdammen.— (Siehe hierzu A. Schleicher die deutſche Sprache Seite 112.)
Sehen wir nun zunächſt, nach welcher Methode bei dem grammatiſchen Unterricht im Seminar verfahren wird. In der Vorrede zur Grammatik der neuhochdeutſchen Sprache für höhere Bil⸗ dungsanſtalten und Lehrerſeminare von A. Engelien heißt es:„Es verſteht ſich jetzt ſchon von ſelbſt, daß ein methodiſcher elementarer Unterricht nicht ein vordocierender, ſondern ein aus den einzelnen Erſcheinungen Geſetz und Regel entwickelnder iſt, daß aber in den oberen Klaſſen höherer Bildungsanſtalten und in Lehrerſeminaren der Gang des Unterrichts ein anderer, nemlich ein zuſammenfaſſender, ein von dem allgemeinen zum beſonderen und einzelſten fortſchreitender und dadurch ein zum Nachforſchen und Nachſpüren der verſchiedenſten Erſcheinungen anleitender ſein muß.“ Daß unſere Schüler, namentlich bei ihrer Aufnahme(im 16. Jahre) nicht auf dem Standpunkte ſtehen, der hier von den Zöglingen eines Schullehrerſeminars vorausgeſetzt iſt, geht wohl zur Genüge aus dem im Eingange Entwickelten hervor. Einmal ſind wir in der Lage, daß wir noch einen guten Theil von der Arbeit, die eigentlich die Elementarſchule und der dem Seminar vorausgegangene Präparandenunterricht hätten thun ſollen, nachholen müſſen; und dann iſt die geiſtige Ausbildung unſerer Schüler der Art, daß an eigentliche wiſſenſchaftliche Betreibung irgend eines Faches gar nicht zu denken iſt, ſondern die Lehrweiſe muß auch im Seminar weſentlich eine elementare ſein, eine aus den einzelnen Erſcheinungen Geſetz und Regel entwickelnde. Es muß dies ohne Rückhalt ausgeſprochen werden gegenüber den weitgehenden verkehrten Forderungen, die ſo vielfach an unſer Seminar geſtellt werden, und die meiſt aus einer Nichtkenntniß der vor⸗ liegenden Verhältniſſe hervorgehen.—
Doch iſt die elementariſche Behandlung der Fächer nicht ſo zu verſtehen, als ſollten die Seminariſten, wie ſich Harniſch einmal ausdrückt, im Seminar noch einmal„durchgekindert“ werden. Gleicht der Unterricht im Seminar auch in jener Beziehung dem Unterricht in der Elementarſchule, ſo unterſcheidet er ſich doch von ſelbſt wieder dadurch von dieſem, daß in dem erſteren bei weitem tiefer und eingehender in den betreffenden Gegenſtand eingegangen wird, daß alſo ganz andere, für das Kindesalter gar nicht paſſende Stoffe zur Behandlung kommen. Ferner wird bei dem Unterricht im Seminar darnach geſtrebt, etwas Vollſtändiges, Ganzes zu geben, und ſchließlich den Schüler dahin zu führen, daß er den betreffenden Unterrichtsſtoff in der Aus⸗ dehnung, in welcher er mit ihm durchgearbeitet worden, auch als Ganzes überſehe und beherrſche. Die elementariſche, anſchauliche, entwickelnde Behandlungsweiſe der verſchiedenen Lehrgegenſtände im Seminar iſt gewiß aber auch deshalb von großer Wichtigkeit, weil ſie ja ſelbſt mit den Gegen⸗ ſtänden in Fleiſch und Blut übergehen ſoll. Iſt das Letztere nicht geſchehen, ſo werden alle pädagogiſche und methodiſche Belehrungen nicht viel helfen.
Was aber für alle Fächer im Seminar gilt, das gilt vielleicht noch in erhöhtem Maße von der deutſchen Grammatik. Am allerwenigſten dürfte der grammatiſche Unterricht von der Art ſein, daß ein gegebener, vollſtändig fertiger Stoff vorgetragen und dem Gedächtniß eingeprägt wird, ſondern er ſoll weſentlich in einem Bewußtmachen der meiſtens ſchon bekannten und oft ange⸗ wandten Formen der Mutterſprache beſtehen. Geſetz und Regel ſoll in den mannigfaltigen Erſcheinungen mit den Schülern ſelbſt aufgeſucht werden. Erſt dann ſollen die Regeln formuliert und die Namen hinzugefügt werden. Zu tieferem Verſtändniß der gegenwärtigen ſprachlichen Erſcheinungen kann dann die geſchichtliche Entwickelung derſelben herbeigezogen werden.
Was nun den Umfang betrifft, in welchem die Grammatik in dem Schullehrerſeminar betrieben wird, ſo verſteht es ſich nach dem früher Ausgeführten von ſelbſt, daß der zu behandelnde Stoff mit Vorſicht ausgewählt werden muß, nicht nur damit nichts über das Verſtändniß der Seminariſten Hinausgehendes gebracht werde, ſondern auch damit der ganze Unterrichtsgegenſtand im Verhältniß zu den anderen Gegenſtänden nicht eine zu große Ausdehnung erlange. Außerdem muß bei der Auswahl des geſchichtlichen Stoffes und bei dem Hereinziehen der mundartlichen Formen darauf geſehen werden, daß es nur ſolches iſt, was dem oben angedeuteten Zwecke dient.
Die deutſche Grammatik in der Ausdehnung zu betreiben, wie ſie das oben angeführte Werk von Engelien behandelt, war bis jetzt nicht möglich; wohl iſt aber vorzugsweiſe dieſes Buch zu einer angemeſſenen Auswahl des Stoffes benutzt worden. Als Leitfaden iſt den Seminariſten


