Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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ſchön ſollen alſo auch ausdrücken, was die Dinge thun. In Wurſts kleiner Sprachdenklehre ſteht, um dieſes zu veranſchaulichen, das Beiſpiel:die Ziege naſcht oder iſt naſchhaft, als ob das letztere gleichbedeutend mit dem erſten wäre. Die abſtracten Dingwörter ſind nach Becker alle Thätigkeitsnamen, alſo auch die, welche Zuſtände und Eigenſchaften ausdrücken. Müſſen die Schüler nicht falſche Vorſtellungen von unſerer deutſchen Conjugation bekommen, wenn ſie die Formener ſpräche under redete als Formen des Präſens angeführt ſehen, und zwar als Bedingungsformen des Präſens, während das Imperfect des Conjunctivs ganz entbehrt? Wird ſich der Schüler vorſtellen können, daß in dem Satze:Käme er doch zu mir! die Bedingungs⸗ form ſtehe? Oder was wird er denken, wenn er folgenden Satz hört:Wenn das Prädikat des Hauptſatzes in der Mitvergangenheit ſteht, ſo gebraucht man im Nebenſatze meiſtens ſtatt der Möglichkeitsform die Bedingungsform? Objecte heißen nach Becker auch die adverbialen Be⸗ ſtimmungen. Beibleiben und oft auch beiwerden ſteht ein Objekt im Nominativ. Als Beiſpiel, wie in der kleinen praktiſchen Sprachdenklehre für Elementarſchulen von Wurſt die Beckeriſchen Gedanken für den kindlichen Verſtand zurecht gelegt ſind, möge folgender Satz aus derſelben dienen:Das gegenſtändliche Satzverhältniß drückt einen Thätigkeitsbegriff aus und beſteht aus einem Gegenſtande(Objecte) und einem Thätigkeitsbegriffe(Zeitwort oder Eigenſchafts⸗ wort). Der Gegenſtand iſt das Hauptglied und der Thätigkeitsbegriff das Beziehungsglied des gegenſtändlichen Satzverhältniſſes vgl. pag. 59.

Weenn ſich aber bei der vorzugsweiſe logiſchen Behandlung der Grammatik die angedeuteten Gefahren vielleicht auch überwinden ließen, ſo ſcheint es doch, als müßten bei dem grammatiſchen Unterricht im Seminar andere Geſichtspunkte in den Vordergrund treten.

Vor Allem iſt es wohl nothwendig, daß der künftige Lehrer Achtung vor der Sprache, als vor etwas geſchichtlich Gewordenem, woran ſich nach eigenem Gutdünken nichts machen und modeln läßt, bekomme. Denn gerade dem Lehrer iſt mit der Möglichkeit, viel Gutes zu wirken, auch die Möglichkeit gegeben, weitgreifenden Schaden anzurichten. Kein andrer hat begreiflicher Weiſe ſo viel Macht, wohlgemeinten Verſchlechterungen in unſerer Sprache Eingang zu verſchaffen. Wichtig iſt es gewiß, daß dem künftigen Sprachlehrer einiges Verſtändniß von dem Leben der Sprache eröffnet werde; daß er doch einige Kenntniß davon erhalte, wie ſich unſere deutſche Sprache entwickelt, und in welchen Formen ſich dieſelbe ausgeprägt hat; daß er nicht in dem Wahne befangen iſt, das Hochdeutſche, die Bücherſprache wäre das normale Deutſch, alles andere ein im Munde des Volkes verderbtes. Der Volksſchullehrer, der ja beſtändig mit den Mundarten ſeiner Schüler zu thun hat, der ſeinen Unterricht im Hochdeutſchen auf taktvolle Weiſe an dieſelben anknüpfen ſoll, dürfte doch nicht unbekannt ſein mit dem Verhältniß der Mundarten zur Schrift⸗ ſprache und mit der Entwickelung der letzteren. Ein liebevolles Verſtändniß für die erhaltenen alterthümlichen Formen in unſerer Bibelſprache, in unſeren beſten Kirchenliedern, in den Werken unſerer vaterländiſchen Dichter, in den Sprichwörtern ſollte gewiß dem nicht fehlen, der unſere Jugend mit dieſen Gegenſtänden vertraut machen ſoll.

Wenn auch alles dies nicht eingehend und mit wiſſenſchaftlicher Vollſtändigkeit im Seminar betrieben werden kann, wenn man von dem künftigen Elementarlehrer natürlich auch nicht verlangen darf, daß er des Deutſchen der früheren Perioden wirklich mächtig ſei, ſo kann er doch durch eine angemeſſene Berückſichtigung der geſchichtlichen Entwickelung unſerer Sprache jedenfalls vor einer verkehrten Vorſtellung von unſerer Mutterſprache bewahrt und beſonders zu jener beſcheidenen Vorſicht geführt werden, die ihn immer von Neuem Belehrung in geeigneten Werken oder bei wirklich ſachverſtändigen Perſonen ſuchen läßt. Durch einen Blick in das großartige Gebiet der Sprachwiſſenſchaft ſoll er eine Ahnung davon be⸗ kommen, was es heißt eine Sprache wirklich zu verſtehen; er ſoll dadurch behütet werden vor dem Hochmuth, der ſich durch Unwiſſenheit ſo ſicher fühlt. Es wird auch kein gering anzu⸗ ſchlagender Vortheil ſein, wenn die Grammatikſtunde etwas dazu beiträgt, daß die künftigen Lehrer nicht in die widerliche Affectiertheit im Sprechen gerathen, wie dies ſo vielen geſchieht, wenn ſie ſich eine feine Sprache angewöhnen wollen. In dieſe Affectiertheit verfallen aber viele, weil ſie in dem Irrthum befangen ſind, man dürfe einem, der das Hochdeutſche, oder der gebildet ſprechen wolle, nicht anhören, aus welcher Gegend er ſei, oder man müſſe gar die Ausſprache einer anderen Gegend nachahmen(z. B. das ſt duͤrfe nicht wie ſcht ausgeſprochen werden). Durch ſolchen

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