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iſt ſchon ſeit langer Zeit und eigentlich auch noch bis in die jüngſte Zeit der Beckeriſche Leitfaden eingeführt. Freilich wird im Seminar ſchon ſeit Jahren nicht mehr ganz nach demſelben unter⸗ richtet. Bei der Vorbereitung der Präparanden wird er aber noch viel gebraucht, oder wo man nicht damit zurecht kommt, die Wurſtſche Bearbeitung der Beckeriſchen Grammatik.
Der Leitfaden für den erſten Unterricht in der deutſchen Sprachlehre von Becker ſteht aller⸗ dings in naher Beziehung grade zu unſerer Anſtalt, denn die erſte Auflage desſelben wurde auf Wunſch des erſten Seminardirectors Roth zu Friedberg von dem Verfaſſer im Jahre 1833 ausgearbeitet.
Die Ideen Beckers fanden grade unter den Schulmännern die begeiſtertſte Aufnahme; denn durch ihn glaubte man das Mittel erhalten zu haben, nicht bloß Grammatik, ſondern zugleich auch Logik in der Schule zu lehren. Becker hatte ſich nämlich die Aufgabe geſtellt,„die geiſtige Noth⸗ wendigkeit zu zeigen, mit welcher die Redeformen unſerer Sprache unmittelbar aus den Denkformen hervorgehen; und er wollte ſo das Studium der Grammatik zu einer praktiſchen Logik machen“. „In dem Schüler ſelbſt ſoll das Verſtändniß der Sprache dadurch entwickelt werden, daß ihm ſein eigenes Denken zum Bewußtſein gebracht wird,“ ſagt er in der Vorrede zu genanntem Leitfaden.
Es ſoll hier nicht auf die wiſſenſchaftliche Bedeutung Beckers eingegangen und unterſucht werden, ob die oben bezeichnete Aufgabe, die ſich Becker geſtellt, überhaupt lösbar iſt oder nicht. Hier muß nur das nachdrücklich hervorgehoben werden, daß die ſprachlichen Unterſuchungen Beckers ſich, wenn auch noch ſo elementar bearbeitet, nicht für die Schule eignen. Dieſelben liegen weit über dem geiſtigen Horizonte eines Elementarſchuͤlers und, wie die Erfahrung gelehrt hat, auch der Präparanden. Ein vollſtändiges theoretiſches Verſtändniß der Sprache oder gar eine klare Einſicht in das eigne Denken und in den Zuſammenhang zwiſchen erſterer und letzterem kann gewiß nicht zur Aufgabe der Schule gemacht werden. Doch könnte man dies für die Elementar⸗ ſchule und auch für den Präparandenunterricht zugeben, aber von dem Seminar verlangen, daß es den künftigen Lehrer im Sinne Beckers in das Verſtändniß der Sprache einführe. Man könnte hierauf einfach erwidern, daß dies auch für das Seminar eine zu ſchwere Aufgabe ſei; aber es ſpricht noch etwas Anderes, weit Wichtigeres dagegen..
Ich ſagte oben, es ſei von der größten Wichtigkeit, daß der künftige Lehrer durch den grammatiſchen Unterricht im Seminar eine richtige Vorſtellung von der Sprache erhalte; die Grammatik aber, einſeitig nach der logiſchen Methode betrieben, führt leicht zu einer falſchen Vorſtellung von der Sprache.
Wenn man von der Anſicht ausgeht, Sprache und Logik deckten ſich, und wenn man beim Unterricht überall bemüht iſt, die logiſche Nothwendigkeit der ſprachlichen Erſcheinungen darzulegen, ſo wird in dem Schüler leicht der Gedanke hervorgerufen, die vorliegenden Sprachformen ſeien die allein möglichen, die allein richtigen. Beſonders leicht muß derjenige zu einem ſolchen Gedanken kommen, der keine fremde Sprache kennt. Auf der anderen Seite entſteht auch leicht der Glaube, man könne ſelbſt an der Sprache nach den aufgefundenen Denkgeſetzen etwas geſtalten, oder man vermöge überall durch bloßes eigenes Nachdenken herauszufinden, daß und warum etwas ſo oder ſo heißen müſſe; während doch meiſtens Einſicht in die ſprachliche Entwickelung nöthig iſt, um mit Sicherheit über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit einer ſprachlichen Form urtheilen zu können. Einſeitig nach der logiſchen Methode betrieben, erſcheint die Sprache leicht als etwas, das ſich a priori conſtruieren laſſe, während es ſich in der Grammatik doch hauptſächlich darum handelt, die Sprache, ähnlich wie einen Gegenſtand der Naturwiſſenſchaft, in ihrer vorhandenen Eigen⸗ thümlichkeit, wovon ſich nichts ab- und zuthun läßt, aufzufaſſen und darzuſtellen und die darin waltenden Geſetze zur Anſchauung zu bringen..
Um noch weiter zu zeigen, daß die Beckeriſche Weiſe, die Sprache zu behandeln, für die Schule nicht geeignet iſt, will ich im Folgenden noch einiges Einzelne aus der Beckeriſchen Grammatik anfuͤhren, was die Begriffe eines Schülers verwirren muß, und was unendliche Mühe koſtet, ihm einigermaßen einleuchtend zu machen.
Die Eigenſchaftswörter ſind nach Becker bekanntlich auch Thätigkeitswörter, und zwar ſollen ſie an den Dingen haftende Thätigkeiten ausdrücken. In dem oben angeführten Leitfaden heißt es Seite 2:„Man unterſcheidet daher 2 Arten von Begriffen: 1. Begriffe von Dingen, wie Hund, Baum, 2. Begriffe von Thätigkeiten, wie bellen, blühen und bitter, ſchön.“ Bitter und


