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es wäre dies gradezu eine Anleitung zu eitelem Schwätzen und Urtheilen über unverſtandene Dinge, eine förmliche Erziehung zu Dünkel und Aufgeblaſenheit.
Die künftigen Lehrer zu befähigen, daß ſie ſich mündlich wie ſchriftlich correet, ſchön und gewandt auszudrücken vermögen, daß ſie im Stande ſind, einen planmäßigen, erfolgreichen Unter⸗ richt in der hochdeutſchen Sprache zu ertheilen, das bringt in keinem Falle der ſprachliche Unterricht für ſich allein fertig. Das ganze Seminarleben muß darauf berechnet ſein, jede Unterrichtsſtunde muß dazu mitwirken. Denn ſprachliche Gewandtheit und Sicherheit oder gar Schönheit, Kraft und Fülle im ſchriftlichen wie im mündlichen Ausdruck ſind nicht bloß das Reſultat von ſprach⸗ lichen Uebungen, vom Erlernen und Einüben ſprachlicher Regeln, ſondern ſie ſind das Reſultat der geſammten Entwickelung eines Menſchen. Deshalb heißt es Unmögliches verlangen, wenn man von dem Sprachlehrer erwartet, daß er etwas Fertiges leiſte mit Schülern, die in allem Anderen, in ihrem ganzen Sein noch ganz unfertig ſind. Wenn es dem ganzen Seminarunterricht, der vereinigten Anſtrengung aller Kräfte nicht gelingt, den künftigen Lehrer aus ſeiner Dürftigkeit herauszuheben, ihn in ſeinem ganzen Geiſtesleben zu erhöhen, ſo werden es die Lehrer der Sprache auch nicht ſehr weit bringen.
Wenn aber auch die ſprachliche Sicherheit und Gewandtheit eigentlich nur das Reſultat des geſammten Unterrichts, ja der ganzen Erziehung im Seminar ſein kann, und wenn auch der Erfolg in dieſer Beziehung weſentlich von der Weiſe abhängt, wie das ganze Seminar ſein Ziel ins Auge faßt und zu erreichen bemüht iſt, ſo fällt doch den eigentlichen Sprachſtunden jedenfalls ein ſehr wichtiger Theil der Aufgabe zu, und es iſt daher von der größten Bedeutung, daß hier vor allen Dingen die Sache in der richtigen Weiſe angegriffen wird.
In den folgenden Zeilen habe ich es zunächſt nur mit dem grammatiſchen Unterricht im Seminar zu thun, mit der Darlegung der Grundſätze, die bei demſelben befolgt, der Methode, nach welcher in demſelben verfahren, des Umfangs, in welchem die Grammatik betrieben, des Zieles, welches dabei angeſtrebt wird. Leſen, Vortrag(Literatur) und Styl wird von anderer Seite beſprochen werden.
2. Die deutſche Grammatik in dem Seminar.
Der deutſchen Grammatik muß gerade auf einem Schullehrerſeminar eine beſondere Bedeutung beigelegt werden, und beſonders viel hängt davon ab, ob dieſelbe hier in der rechten Weiſe betrieben wird.
Die geiſtige Gymnaſtik, die auf anderen Lehranſtalten die Beſchäftigung mit der Grammatik fremder Sprachen bietet, muß hier an der Grammatik des Hochdeutſchen geſucht werden. Doch würde dies allein die deutſche Sprachlehre für das Seminar vielleicht nicht unentbehrlich machen. Unentbehrlich iſt ſie aber deshalb, weil ohne dieſelbe wirkliche Sicherheit im Gebrauch des Hoch⸗ deutſchen nicht zu erreichen iſt, namentlich kann ſie der nicht entbehren, der von Jugend auf gewohnt iſt, ſich eines von dem Hochdeutſchen mehr oder weniger abweichenden Dialectes zu bedienen. Gründliche grammatiſche Kenntniſſe ſind aber ferner für den, welcher ſelbſt das Hochdeutſche lehren ſoll, ganz unerläßlich, nicht bloß deshalb, weil er ja dabei ſelbſt wieder in den Elementen der Grammatik unterrichten muß, ſondern ganz beſonders darum, weil er nur durch jene Kenntniſſe auf den höheren Standpunkt verſetzt wird, den er über ſeinen Elementarſchülern einnehmen ſoll, weil er nur dadurch in den Stand geſetzt wird, die ſprachlichen Uebungen ſeiner Schüler über⸗ haupt mit Sicherheit zu leiten.
Soll aber der grammatiſche Unterricht in dem Seminar ſein Ziel erreichen, ſo muß er vor allem ſo beſchaffen ſein, daß er die künftigen Lehrer zu einer richtigen Vorſtellung von der deutſchen Sprache führt, er muß verhüten, daß die Lehrer mit verkehrten Anſichten über dieſelbe in die Schule treten und ſich an unſerer ſchönen Mutterſprache ſowie an unſerer heran⸗ wachſenden Jugend verſündigen.
Es fragt ſich alſo nun, wie der Unterricht in der deutſchen Grammatik auf dem Seminar beſchaffen ſein ſoll.
Ein großer Theil der Lehrer in unſerem Lande iſt nach Becker gebildet und hängt auch der von dieſem und anderen Männern(Wurſt) ausgebildeten Methode an. In dem Seminar ſelbſt


