Aufsatz 
Abhandlung über die Methode bei dem gesamten Unterrichte in der Elementarklasse einer Gelehrtenschule
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

II. Die Sprachbildung in der zweiten Hinſicht begreift die Bildung im Ausdruere vder der Sprachfaͤhigkeit und Bildung in der Behandlung der Sprachzeichen..

3 Die Kenntniß der Sprachzeichen, Leſen und Schreiben, ſoll zwar der Lehr⸗ ling in das Gymnaſium mitbringen, allein da er dieſe Sprachzeichen wohl oͤf⸗ ters nach einer mechaniſchen Methode gefaßt hat; ſo waͤre es vielleicht zweckmaͤßig, wenn der Lehrer dieſe Fertigkeiten mit den Anfaͤngern in einem Curſus von einigen Wochen von neuem entwickelte. Denn je tiefer die Ele⸗ mentarbildung in die erſten geiſtigen Operationen eingreift, deſto mehr gewinnt der Geiſt des Lehrlings. Die Bildung der Sprachfaͤhigkeit ſoll zwar bei allen Gegenſtaͤnden in allen Klaſſen eines Gymnaſiums der Natur der Sache nach fortlaufen; allein ſie fordert in der unterſten Klaſſe in Art und Richtung, Umfang und Zeit eine beſondere Sorgfalt, indem ſie die Grundbildung iſt, auf welche alle andere ſich ſtuͤtzen muß, ohne welche alle andere nur Gedaͤcht⸗ nißanfuͤllung iſt. Die Anleitung zzur richtigen Sprachentwicklung findet der Lehrer in dem natuͤrlichen Gang, den die Entfaltung der Sprachkraft bei dem Kinde nimmt. Die Natur leitet das Kind, zuerſt durch einzelne Namen ſeine Anſchauungen und Begriffe zu bezeichnen; es ſucht hier immer zuerſt die Stammwoͤrter. Bei fortgehender Entwicklung ſtrebt es, ſeinen Vorrath von Namen zu erweitern und die einfachen Vorſtellungen in einfachen Saͤtzen auszuſprechen, und erſt ſpaͤt gelingt es ihm, die einfachen Saͤtze in eine Periode zu vereinigen. Dieſen natuͤrlichen Gang in der Entfaltung des Sprachvermoͤ⸗ gens erhebt der Lehrer zur geſetzlichen Bildungsweiſe des Ausdrucks und vermittelſt deſſelben zur Deutlichkeit im Anſchauen und Denken. Wie weit die Schuͤler in dieſe Bildungsweiſe nach ihrem bisherigen Unterrichte paſ⸗

in ſeinem Werke de institutione oratoria, das ſchon Luther ſehr empfahl mit der richtigen Bemerkung, daß es nicht nur durch den Vortrag, ſondern auch durch die Sachen unterrichte, Vorzuͤglich leſenswerth iſt das 10. Buch und die Charakteriſtik des äͤchten Lehrers im 2. Buch 2. Cap. sumat ante omnia parentis erga discipulos suos animum ac succedere se in eorum locum, a quibus sibi liberi tradantur, existimet. etc. Und wie ſchoͤn ſpricht dieſer Mann, da er nach dem Verluſte ſeiner Gattin und ſeiner zwei Soͤhne, fuͤr die er ſeine Inſtitutionen eigentlich ſchrieb, ſich wieder ermannt hatte, in der ruͤhrenden Vorrede zum 6. Buche des Vaters Hoffnung und des Vaters Gram aus! Wie ſchön das wünſchenswerthe Verhaͤltniß der Schuͤler zum Lehrer im 9. Cap. des 2. Buches: Plura de oſficiis docentium locutus, discipulos id unum interim monco, ut praeceptores suos non minus, quam ipsa studia ament, et parentes esse non quidem corporum, sed mentium credant. etc. Auch gibt Plinius in ſeinen Briefen, beſonders im 2. B. im 18, 3. B. 3, und ganz vorzuͤglich im 4. B. 13. Brief treffliche Winke. Endlich iſt Juvenal's 7. Satyre, 150 bis Ende, Muͤhe und Undank, oft des Schulmanns Loos und Lohn, und die 14. 1- 125. 224 255, die ein Gemaͤlde der damaligen ſchlechten Erziehung darbietet, in pädagogiſcher Hinſicht leſenswerth. Wer ſolche und aͤhnliche Kernſpruͤche der griechiſchen und röͤmiſchen Weiſen, die der Natur, und nicht der Kuͤnſtelei folgten, erfaßt, wird gewiß in v. Hormayer's treffendes Urtheil uͤber die Alten einſtimmen:Der Schatz ihres Wiſſens war klein, aber der ihrer Weisheit unermeßlich groß.