Aufsatz 
Abhandlung über die Methode bei dem gesamten Unterrichte in der Elementarklasse einer Gelehrtenschule
Entstehung
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ſen, wird er bald finden. Aus ihr fließen aber fuͤr jeden Lehrgegenſtand fol⸗ gende Regeln:

a) Der Lehrer. hat ſeine Lehrlinge uͤberall auf die Hauptbenennungen auf⸗ merkſam zu machen, durch Sondern und Hervorheben ſie dieſelben nachſprechen und dem Gedaͤchtniſſe einpraͤgen zn laſſen. Vorzuͤglich muß er die Stamm⸗ woͤrter ausheben und auf ihre Ableitungen hinzeigen.

b) Dieſe Hauptbegriffe laͤßt er dann in einfachen Saͤtzen darſtellen. Bei dieſer Übung,(denn vorzuͤglich durch Übung, nicht durch abſtracte Regeln der Grammatik gedeiht die Sprachbildung, wie ſchon Quintil. ſagt:»Nam in om- nibus fere minus valent praecepta, quam experimenta, consuelzclo certis- sima loquendi magistra.« Instit. lib. I. cap. 6.) hat er vorzuͤglich dahin zu ſehen, daß immer der vollſtaͤndige Satz ausgeſprochen werde. Wo es noͤthig iſt, ſpricht er den Satz vor, laͤßt ihn dann in mehrfachen Formen umbilden und berichtigt die Fehler.

c) So gewoͤhnt er allmaͤhlig an Perioden und ihre Verbindung. Hier werden die Übungen immer vielfacher, und der Lehrer hat mehr Vorſicht anzu⸗ wenden, daß er nicht nur gibt, ſondern auch ſelbſtthaͤtig ſchaffen laͤßt. Gele⸗ genheitlich lenkt er bei dieſen Übungen die Aufmerkſamkeit auf die Veraͤnde⸗ rung der Woͤrter und die Regeln ihrer Formirung, beſonders in Bezug auf die ſchon entwickelten Theile der Grammatik.

Dieſe Übung im Ausdruck und des dadurch bedingten deutlichen Denkens iſt eine der formellen Seiten in der Behandlung eines jeden Gegenſtandes, die mehr oder weniger hervortritt, je nachdem es der Stoff erlaubt. Nur der re⸗ ligioͤſe Unterricht geſtattet dieſe Übungen in einer beſchraͤnkteren Weiſe, weil dadurch die ruhige Gemuͤthsentwicklung zu ſehr geſtoͤrt wuͤrde. Da indeſſen die bezeichnete Entwicklung der Sprachfaͤhigkeit ein ſo wichtiger, ja in gewiſ⸗ ſer Hinſicht der wichtigſte Theil des Elementarunterrichtes iſt, ſo nothwen⸗ dig fuͤr das raſche Vorſchreiten und den richtigen Gang der geſammten Bil⸗ dung: ſo erfordert dieſelbe noch eine beſondere Ruͤckſicht bei einzelnen Gegen⸗ ſtaͤnden. Am natuͤrlichſten eignen ſich dazu der methodiſch richtig betriebene grammatikaliſche Unterricht im engern Sinne und die erſte Anſchauungslehre, die wegen ihres Stoffes alle andere Gegenſtaͤnde an Tauglichkeit in der ange⸗ gebenen Beziehung uͤbertrifft. Daher dieſe beiden Lectionen nach jener Ruͤck⸗ ſicht ihre Anordnung erhalten.

III. Theorie der Sprache Sprachlehre. Der Unterricht des Geſetzli⸗ chen in der Sprache, die Sprachlehre, kann nach den Naturgeſetzen in der gei⸗ ſtigen Entfaltung mit keiner andern Sprache, als mit der Mutterſprache, be⸗ ginnen.»In ihr,« ſagt Schwarz,»in ihr nur allein hat man die urſpruͤng⸗ lichen Anſchauungen, Gefuͤhle und Begriffe und die ganze Lebendigkeit des Ge⸗ muͤthes. Daher iſt immer eine Unvollkommenheit im Erlernen der alten Spra⸗ chen unvermeidlich, und der grammatiſche Unterricht in der Mutterſprache muß