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ſialbildung mag ſie mehr in die akroamatiſche Form uͤbergehen, ohne jedoch natuͤrlich den Geiſt der bildenden Methode im Geringſten zu verlaͤugnen.
Daher endlich die zwei Grundregeln dieſer Methode:
1. Der Unterricht entwickle mit vorzuͤglicher Sorgfalt an jedem Lehrge⸗ genſtande den Punct, in welchem die Kraft zu ſelbſtthaͤtiger Fortbildung dc am Meiſten entfaltet.
2. Überall fuͤhre der Unterricht den Zoͤgling zur Darſtellung des Aufge⸗ faßten und Eingeſehenen. Es liegt in dem Weſen dieſer Methode, die man eben wegen ihres Verhaͤltniſſes zu dem menſchlichen Geiſte ſo treffend die bil⸗ dende genannt hat, daß ohne ſie eine Cultur zur Humantitaͤt nicht erzielt wer⸗ den koͤnne, daß durch ſie mithin der ganze Gymnaſialunterricht beſtimmt und geordnet werden muͤſſe. Wenn auch bis jetzt noch nicht alle Lehr egenſtaͤnde nach ihren Grundſaͤtzen bearbeitet ſind; wenn auch in den gewoͤhnlichen Schul⸗ buͤchern mehrerer wichtiger Unterrichtszweige der Stoff nur nach der Natur der Wiſſenſchaft und nicht methodiſch nach ſeiner Entwicklung in dem Geiſte des Lehrlings angeordnet iſt: ſo wird doch ein Lehrer, welcher das Weſen die⸗ ſer Methode durchdrungen hat, ſie auch da mit Gluͤck anwenden koͤnnen, wo ihm füoch wenig oder gar nicht durch aͤcht methodiſche Lehrgaͤnge vorgearbei⸗ tet iſt..
Ich werde nun, nach dieſen Betrachtungen uͤber eine bildende Lehrart uͤberhaupt, einige allgemeine Andeutungen fuͤr den Unterricht in der unterſten Klaſſe eines Gymnaſiums beifuͤgen, und zwar nur ſolche, die in der Regel zu wenig beachtet werden, und ſodann naͤher auf den Uuterricht in genannter Klaſſe ſelbſt eingehen.
1. Der Lehrer verweile mit unermuͤdeter Sorgfalt bei den erſten Anfangs⸗ puncten eines jeden Lehrgegenſtandes, wo der Lehrling mehr aufnehmend, der Lehrer mehr gebend erſcheint, als in dem weitern Fortgange des Unterrichts.
2. Der Lehrer ziehe durch fortgeſetzte, mit dem Aufnehmen gleichlaufende Ubungen die Aufmerkſamkeit der Phantaſite in das Intereſſe und mache daher den erſten Unterricht moͤglichſt leicht und angenehm, wie ſchon Quintilian be⸗ merkt.»Auch fuͤr das Gedaͤchtniß,« ſagt Jean Paul ſehr richtig,» gibt es einen Talismann, naͤmlich den Reiz des Gegenſtandes...
3. Die Deutlichkeit der Anſchauungen*),— die Anfangspuncte alles Ele⸗ mentarunterrichts— entwickle der Lehrer in den Schuͤlern vorzuͤglich durch
*) Id imprimis eavere oportebit, ne studia, qui amare nondum potest, oderit et amari-
4 tudinem semel pracceptam, etiam ultra rudes annos reformidet.
**) Auf den Grundſatz, Alles moͤglichſt zu verſinnlichen und unter die Augen zu bringen, da das Kind mehr durch das Auge, als durch das Ohr lernt, machte vorzuglich Peſtallozzi aufmerkſam und uͤbte ihn aus. Dadurch bewirkte er nicht nur Aufſehen, ſondern wirklich Gutes und Großes.


