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10. Jahre gebracht werden koͤnnen. In den letztgenannten Jahren treten Kna⸗ ben gewoͤhnlich in die unterſte Klaſſe eines Gymnaſiums ein.
Kann man nun vorausſetzen, daß ſie bei dieſem Eintritte in das Gym⸗ naſium jene geiſtige Richtung und jenen Unterricht erhalten haben, ſo kann die Aufgabe und die Bedeutung der genannten Klaſſe eines Gymnaſiums keine andere ſeyn, als durch eine fortgeſetzte Elementarbildung, modificirt und geſtal⸗ tet nach dem wiſſenſchaftlichen Bildungszwecke einer ſolchen Anſtalt, die Grund⸗ lage fuͤr alle weitere Cultur zu befeſtigen und dann ſoweit fortzubauen, als die Graͤnzen dieſer Klaſſe erlauben.—
Ich habe bisher nur von dem Stoffe des Unterrichtes und namentlich des Elementarunterrichts geſprochen; ich habe naͤmlich die Elemente der ver⸗ ſchiedenen Lehrgegenſtaͤnde, wie ſie in dem Elementarunterricht vorkom⸗ men, angedeutet und den Gedanken ausgeſprochen, daß der Unterricht ſeiner „Materie nach in innerm Zuſammenhange von den erſten Grundſtoffen ausge⸗ hen moͤge. Nach dieſem Geſichtspunkte habe ich die Bedeutung der unterſten Klaſſe eines Gymnaſiums hinſichtlich der Materie des Unterrichtes be⸗ zeichnet. Allein mit deſſen Stoff iſt ſeine Form eng und innig verbunden, und wird jener in Betrachtung gezogen, ſo kann dieſe einer Pruͤfung nicht ent⸗ gehen, ja dieſe letztere Pruͤfung ſpricht eigentlich das entſcheidende Urtheil uͤber den Unterricht aus, wenn es anders erlaubt iſt, in ſo eng verbundenen Din⸗ gen zum Behufe der Betrachtung eine Scheidung porzunehintn. Wie man äaber oft den Stoff der Elementarbildung uͤberſah, ebenſo und noch meht uͤberſah man die richtige Methode, wodurch der Elementarunterricht ein weſentlicher Theil der erſten Menſchenerziehung wird. Jedoch auch hier hat der Geiſt einer naturgemaͤßern Paͤdagogik eine beſſere Bahn gebrochen.
Ich will daher verſuchen, meine Anſichten uͤber Methode des Unterrichts ſowohl im Allgemeinen, als auch im Beſondern, in Bezug auf die Elementar⸗ klaſſe eines Gymnaſiums auszuſprechen. Der Ünterricht iſt ein Theil, ja der wichtigſte Theil des allgemeinen Erziehungsplanes zur Humanitaͤt, d. h. zur Entwicklung der Menſchheit. Er wird dies, er wird ein Theil der Men⸗ ſchenerziehung, wenn er nicht blos die Materie vor Augen hat, ſondern auch durch die Form, d. h. durch die Methode den Menſchen bildet.»Eine ungluͤckliche Trennung zwiſchen beiden,»ſagt einer unſerer geachteſten Midagee gen, Schwarz, in ſeiner Erziehungslehre,»ſo daß man bei dem Unterrichte nur einen Lehrgegenſtand, aber nicht die eigentliche Bildung des Menſchen im Auge hatte, hinderte bisher die Fortſchritte der Cultur mehr, wie irgend etwas ſonſt; ſonderbar genug, daß man darauf faſt gar nicht geachtet*).« Durch
*) Jean Paul ruft in dieſem Sinne den fuͤr eine bildende Methode nicht begeiſterten Lehrern in ſeinem Titan zu:„Daher gleichen auch eure Eleven den Fußpfaden ſo ſehr, die im Fruͤhling vor allem gruͤnen, ſpaͤter aber ſich gelb und eingetreten durch die blüͤhen⸗ den Welen ziehen.“ Gern moͤchte ich die ganze Stelle aufnehmen, wenn es der Raum erlaubte.


