Aufsatz 
Abhandlung über die Methode bei dem gesamten Unterrichte in der Elementarklasse einer Gelehrtenschule
Entstehung
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trachtung des Elementarunterrichts und zwar in derjenigen Geſtalt, wie er fuͤr Kinder von dem 6. bis zum 9. oder 10. Jahre etwa eingerichtet ſeyn moͤchte.

Er beginnt mit der Zeit des vorherrſchenden Anſchauungsvermoͤgens, und nach dieſem Geſichtspunkte werden daher die Urelemente alles menſchlichen Wiſſens geſetzlich entwickelt. Wie aber an der Anſchauung die Gedaͤchtniß⸗ und Einbildungskraft und mit ihrer Hilfe der combinirende Verſtand ſich mehr und mehr entfaltet; ſo hat der Lehrer die Aufgabe, dieſe erwachten Seelen⸗ kraͤfte ſtaͤrker anzuregen und ſtufenweiſe zur weitern Entwicklung der Urele⸗ mente hinzuleiten. Der Elementarunterricht hat alſo

I. Das alle andere innere und aͤußere Bildung und alle geiſtige Wirkſam⸗ keit des Lehrers vermittelnde und bedingende Sprachvermoöͤgen zu cultivi⸗ ren; die Elemente des geſetzlichen Ausdrucks fuͤr deutliche Vorſtellung uͤbend, hiermit das Verſtaͤndniß der Zeichen durch Leſenlehren verbindend, ausgehend aber von der regelmaͤßigen Bildung der Organe. Mit dem Fortgange dieſer Übungen entwickelt er aus dem Sprachvorrathe die erſten Regeln der Sprach⸗ lehre, vereint mit der erſten Anleitung im ſchriftlichen Ausdrucke.

II. Die Anfangsgruͤnde der Formen⸗ und Zahlenlehre zur Kennt⸗ niß zu bringen, in Formenbildung zu uͤben und aus der letztern die Schrei⸗ bekunſt und die Elemente der Zeichenkunſt abzuleiten; weiterhin aber dieſe Kunſtuͤbungen in ihren getrenuten Gebieten zu entwickeln. Hier ſchließt ſich, in Ruͤckſicht auf die Zeichen, auch die Geſanglehre an, wiewohl ſie, an ſich betrachtet, einen Theil der aͤſthetiſchen Entwicklung ausmacht.

III. Durch eine Anſchauungslehre der Natur(nach den Wahrnehmungen der aͤußern Sinne) in die erſte Kenntniß der Sinnenwelt einzufuͤhren und dann von dieſer Auſchauungslehre zu den Elementen der Naturlehre, Naturbeſchrei⸗ bung und Erdkunde weiter zu ſchreiten.

IV. Durch eine Anſchauungslehre der Menſchenwelt die naͤchſten na⸗ tuͤrlichen Verhaͤltniſſe des Menſchenlebens zu einem deutlichen Bewußtſeyn zu bringen; von dieſer Anſchauungslehre aber zu den Anfaͤngen der Geſchichts⸗ kunde nach ihrer ganzen Individualitaͤt fortzugehen.

V. Die erſten Außerungen eines Strebens nach dem Hoͤheren auf den ſittlich religioͤſen Glauben hinzuleiten, dieſen Glauben mehr und mehr zu einem klaren Bewußtſeyn zu entwickeln und in Erzaͤhlungen aus der bibli⸗ ſchen Geſchichte ihn zu einer lebendigern Anſchauung und einem innigern Ge⸗ fuͤhle zu erheben.

Endlich kann noch die erſte methodiſche Entwicklung der Koͤrperkraͤfte, alſo eine Elementargymnaſtik, hierher gerechnet werden. Da ich aber hier

blos von der geiſtigen Bildung rede, ſo kommt jene hier in keine weitere Betrachtung.

Ddieſe im Allgemeinen entwickelte Idee eines Elementarunterrichtes bezeich⸗ net die Stufe geiſtiger Bildung, auf welche Kinder vom 6. bis zum 9. oder