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naſien durch gleichen Mechanismus die Geiſter nicht beleben konnte, die, indem ſie von Außen abrichtete und nicht von Innen herausbildete, ewoͤhnliche Men⸗ ſchen nicht zum Bewußtſeyn der hoͤhern Menſchennatur zu fuͤhren vermochte, das ausgezeichnete Talent aber ſeinem gluͤcklichen Genius uͤberließ. Denkende Menſchen, von hohem Intereſſe fuͤr eine tiefere Forſchung in der Erziehungs⸗ kunde beſeelt, haben den menſchlichen Geiſt in ſeiner fruͤheſten Entwicklung be⸗ obachtet und in der Beobachtung der ewigen Geſetze ſeiner allmaͤhligen Ent⸗ faltung die Idee einer wahren Elementarerziehung gefunden, einer Er⸗ ziehung, die, indem ſie den Menſchengeiſt in die Thaͤtigkeit einer organiſchen Produktion verſetzt, jede Geiſteskraft uͤbt, ſtaͤrkt, bildet und zum Selbſtbewußt⸗ ſeyn fuͤhrt. Durch dieſe ſtufenweiſe Erzeugung verwandelt ſie die Elemente alles Wiſſens in Theile des geiſtigen Lebens ſelbſt und erhebt den ganzen Men⸗ ſchen in allem Wiſſen und Handeln zu einer allſeitigern und freiern Kraftent⸗ wicklung; ſo unvollendet auch noch bis jetzt dieſe Idee in manchen einzelnen Theilen ausgefuͤhrt iſt. Die großen Entdeckungen in dieſem Gebiete und die durch ſie hervorgerufene, oben angedeutete bildende Methode muͤßten, ſollte man denken, auch in den Gymnaſialunterricht ein neues, regeres Leben ebracht Haheu Dies iſt auch, zum Gluͤcke der Menſchheit, in vielen Gymna⸗ ſien der Fall.
Die Wichtigkeit dieſes Gegenſtandes veranlaßt mich, zuerſt, ehe ich zu meinem eigentlichen Thema uͤbergehe, den Begriff der geiſtigen Bildung, wie ſie, als Grundlage aller hoͤhern Humanitaͤtsbildung, in dem wahren Elemen⸗ tarunterrichte gewonnen werden ſoll, alſo die Stufe geiſtiger Bildung, auf welcher die Knaben in die unterſte Klaſſe eines Gymnaſiums eintreten ſollen, naͤher zu bezeichnen. Daraus wird ſich die Bedeutung und das Geſchaͤft der genannten Klaſſe ergeben. Die Sache ſelbſt erfordert, mit dieſem pruͤfenden Ruͤckblick auf den Elementarunterricht und mit deſſen Entwicklung, einen all⸗ gemeinen Abriß der Methodk zu verbinden. Wenn Erziehung iſt eine durch die Idee der vollkommenen Menſchheit geleitete(Ideal des Ziels), nach den Geſetzen der natuürlichen Entwicklung der Seelenkraͤfte angeordnete und fortſchreitende(Ideal der Me⸗ thode), Ausbildung des Menſchengeiſtes in ſeinen Beziehungen auf die Welt, auf die Menſchheit in ihrem innern und aͤußern Leben und auf ihre hoͤchſten Bedingungen; ſo hat es die Elemen⸗ tarerziehung mit den erſten Elementen dieſer Ausbildung und, in Bezug auf unſer Thema, das den Unterricht betrifft, mit denjenigen Elementen der menſchlichen Erkenntniſſe und Geſchicklichkeiten und derjenigen Entfaltung der Geiſteskraͤfte zu thun, durch die jedes fernere Fortſchreiten in freier Menſchen⸗ bildung erſt moͤglich wird. Eine ſpezielle Deduction der verſchiedenen Un⸗ terrichtsgegenſtaͤnde aus dieſer Idee der Erziehung oder aus der Idee der Menſchheit liegt außer meiner Abſicht. Denn es iſt hier nicht von der Ab⸗ leitung der einzelnen Lehrobjecte, ſondern von ihrer Anordnung fuͤr die erſte Stufe menſchlicher Bildung die Rede. Ich gehe alſo weiter zur naͤhern Be⸗


