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Prozeß verſchleppt und Kohlhaas ſchließlich als Querulant abgewieſen. Er fühlt ſich aus der Geſellſchaftsordnung ausgeſtoßen und will ſich nun gewaltſam ſein Recht ſelber verſchaffen, ſein Gerechtigkeitsgefühl wird zur Rachſucht. Er ſammelt Scharen um ſich und wird zum Räu⸗ ber und Mörder. Er zerſtört die Tronkenburg und Wittenberg, wohin ſich der Junker geflüchtet hatte, und liefert den gegen ihn geſandten Truppen förmliche Schlachten. So lädt er ſchwere Schuld auf ſich. Als ihm aber durch ein Manifeſt Luthers bekannt wird, daß ſein Landes⸗ herr an der Rechtsverletzung unbeteiligt iſt, tritt er— dazu zwingt ihn wieder ſein Rechtsgefühl— in das Untertanenverhältnis zurück. Der Kurfürſt gewährt ihm, durch Luther veranlaßt, freies Geleit, und Kohlhaas wartet ruhig den Verlauf des wiederaufgenommenen Pro⸗ zeſſes in Dresden ab. Starr bleibt er auf ſeiner Forderung beſtehen: der Junker ſoll ihm die weggenommenen und mißhandelten Rappen dickfüttern, dem mißhandelten Knechte Kleider und Sühnegeld geben. Aber wieder ſiegen die Machenſchaften der Hofjunker. Da reklamiert die brandenburgiſche Juſtiz den Roßhändler als brandenburgiſchen Untertan, und der Prozeß wird nun in Berlin zu Ende geführt. Kohl⸗ haas erhält genau alles das vom Staate ausbezahlt, was er zu fordern hatte: Die beiden wieder glänzend herausgefütterten Rappen, Kleider und Sühnegeld für den Knecht und die Beſtrafung des ſchuldigen Junkers. Dafür gibt er dem Staate, was dieſer fordern muß: ſeinen Kopf. Zum Schluſſe ſpielen noch überſinnliche Motive in die Hand⸗ lung hinein, indem Frau Lisbeth als wahrſagende Zigeunerin ein⸗ geführt wird. Dieſe dunkeln Elemente ſind oft mißbilligt worden, aber man muß zugeben, daß ſie nicht bloß zu anſchaulicher Wirkung heraus⸗ gearbeitet ſind,— man denke an den Beſuch des Zigeunerweibes im Gefängnis des Kohlhaas— ſondern auch zur Durchführung des Themas beitragen. Denn der ſächſiſche Kurfürſt, der an der Rechtsverletzung teil⸗ genommen hat, iſt für das irdiſche Gericht unerreichbar, ſo muß er auf andre Weiſe beſtraft werden: Im letzten Augenblicke vor der Voll⸗ ſtreckung des Todesurteiles verſchluckt Kohlhaas den vom Kurfürſten ſo leidenſchaftlich begehrten Zettel, auf dem das Zigeunerweib das zu⸗ künftige Geſchick ſeines Hauſes verzeichnet hatte. Dann legt er wie befriedigt und verſöhnt ſein Haupt auf den Block.
So iſt die Idee aufs ſchärfſte herausgearbeitet, und ſie zu klarer Erkenntnis und voller Wirkung gelangen zu laſſen, iſt wiederum die Hauptaufgabe der Schulbehandlung. Grade weil die Novelle ein ſo buntbewegtes und ſpannendes äußeres Leben vor unſeren Augen ent⸗ faltet, wird ſie von unſeren Jungen mehr verſchlungen als geleſen und ihr tiefes inneres Leben überſehen; um ſo nötiger iſt es, Verſtändnis auch für den reichen inneren Gehalt zu wecken.
Dieſem Zwecke dient man auch, wenn man an geeigneter Stelle


