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nach Oberſekunda oder Unterprima. Anknüpfungspunkte, um das Werk in den Rahmen des Lektüreſtoffes dieſer Klaſſen einzufügen, finden ſich leicht. Es kann z. B. nach Goethes Götz oder Schillers Räubern geleſen werden, mit denen es dem Grundgedanken nach Verwandtſchaft hat. Man ſtellt die Novelle alſo zunächſt zur häuslichen Lektüre(Ausgabe von Velhagen und Klaſing oder Wiesbadener Volksbücher Nr. 36) und reiht daran eine eingehende, zielbewußte Klaſſenbeſprechung. Ohne auf die Quellen Kleiſts einzugehen und das Verhältnis der Dichtung zur Geſchichte zu erörtern,— das wahre Leben in der Erzählung iſt doch Kleiſts alleiniges Eigentum— läßt man ſofort den Bau der Handlung darlegen, die ſich ſo klar, folgerichtig und ſpannend vor unſeren Augen abwickelt. In einer Reihe großer Szenen gruppieren ſich die Ereigniſſe: 1. Die Miſſetat des Junkers von Tronka.(Werke. Bd. 3, S. 140 bis 148), 2. Die Bemühungen Kohlhaaſens beim Gericht und ſeine wiederholte Abweiſung.(S. 148—166), 3. Kohlhaaſens Rache.(S. 167— 179) a. Zerſtörung der Tronkenburg. b. Kohlhaas in Kloſter Erlabrunn. c. Die wiederholten Angriffe auf Wittenberg und die Siege über die gegen ihn geſandten Truppen. 4. Das Eingreifen Luthers.(S. 179—191). 5. Die Wiederaufnahme und zweite Behandlung des Prozeſſes.(S. 191— 219.) 6. Das Eingreifen des Kurfürſten von Brandenburg, Kohlhaaſens
Ueberführung nach Berlin und die Entſcheidung des Prozeſſes.
(S. 219— 248.)
In dieſen Szenen entfaltet ſich ein buntes, friſches Leben. Un⸗ aufhaltſam drängt die Handlung vorwärts, Begebenheit folgt auf Be⸗ gebenheit, Tat auf Tat. Aber alles iſt zuſammengehalten durch ein feſtes Ziel, das der Dichter unverrückbar im Auge behält. Dieſes Ziel iſt beſtimmt durch die Idee, die der Dichtung zu Grunde liegt und aus ihr hervorleuchtet, klar und kräftig herausgearbeitet, nicht durch Raiſonnements, ſondern durch die Handlung ſelbſt.
Das Thema der Novelle iſt die Idee der Gerechtigkeit, und wie Kleiſt ſeine Probleme von Grund aus auszuſchöpfen pflegt, ſo iſt dieſe Idee auch hier bis zu äußerſten Konſequenzen verfolgt.
Kohlhaas iſt ein biederer Roßkamm, ein ehrlicher Geſchäftsmann, ein liebevoller Gatte und treuer Vater. Das, was ſeinem Charakter die Einheit verleiht, iſt ſein überaus feines,„einer Goldwage gleichen⸗ des“ Rechtsgefühl. In ihm wird er durch die rohe Gewalttat, die der Junker von Tronka an ſeinen beiden Rappen und ſeinem Knechte Herſe verübt, aufs tiefſte verletzt und ſucht ſein Recht bei dem Gerichte. Aber infolge der Umtriebe der adeligen Clique derer von Tronka wird der


