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riſchen Ausdruck findet. Und von dieſer herrlichen Proſaliteratur ſollte unſere Jugend nichts kennen lernen? Oder will man ſie mit der Geſamtliteratur der nachgoethiſchen Zeit als Epigonenliteratur abtun? (ef. Goldſcheider a. a. O. S. 171.) Nein! A. Matthias hat Recht, wenn er urteilt: Wollten wir unſere Schüler in die nachgoethiſche Proſa nicht einführen, ſo möchten wir wohl mit Recht den Vorwurf verdienen, daß die Schule von heute zum Leben der Gegenwart in keiner rechten Be⸗ ziehung ſtehe.“(A. Matthias, Aus Schule, Unterricht und Erziehung. Geſammelte Anfſätze. S. 72.)
Durch dieſe Aufnahme von Proſalektüre in den Lehrſtoff der oberen Klaſſen würde durchaus keine Mehrbelaſtung der Schüler entſtehen. Jeder, der die Jugend kennt, weiß, welcher Leſehunger ihr im allge⸗ meinen innewohnt. Es iſt ſtatiſtiſch nachgewieſen, daß der Schüler im Durchſchnitt 8— 10„Geſchichtenbücher“ im Jahre lieſt, es gilt alſo nur, den Leſetrieb zu gewinnen und zu erziehen. Sollte es für unſere Jugend nicht wertvoller ſein, wenn ihr Leſebedürfnis für die Schule ausgenutzt würde, in dem es zu unſerer modernen klaſſiſchen Proſaliteratur hin⸗ gelenkt würde, als daß es blinder oder falſcher Leitung überlaſſen bleibt? Natürlicher Weiſe darf man ein Proſabuch nicht in der Schule leſen laſſen, ſondern die eigentliche Lektüre iſt der Hausarbeit zu überlaſſen; dagegen hat in der Klaſſe eine gründliche, wohlvorzubereitende, ziel⸗ ſichere Beſprechung zu erfolgen, durch die den Schülern klar werden muß, wie ſolche Kunſtſchöpfungen aufzunehmen ſind.
Und ſollte doch eine Mehrbelaſtung drohen, ſo könnte ſie dadurch verhindert werden, daß die poetiſche Lektüre enger umgrenzt wird. Es iſt dies eine alte Forderung, die um der Poeſie ſelber willen ſchon oft erhoben worden iſt(cf. Weimarer Kunſterziehungstag von 1903. Seite 27 ff.) Eine geſunde, kräftige, friſche Proſa tut unſeren Schülern der oberen Klaſſen bitter not, daher muß die Proſa gleichwertig und eben⸗ bürtig neben die Poeſie treten, und großer Nutzen wird ſich aus einer methodiſchen und liebevollen Behandlung ſolcher Proſalektüre ergeben ſowohl für den Wortſchatz, den Stil und die ſprachliche Gewandtheit der Schüler als auch für ihre äſthetiſche und ethiſche Bildung. Ich wenig⸗ ſtens kann mir keine anregendere und dankbarere Aufgabe denken, als etwa Raabes„Schwarze Galcere“ oder Gottfried Kellers„Fähnlein der ſieben Aufrechten“ oder Freytags„Soll und Haben“ oder Heyſes„Kin⸗ der der Welt“ nach Aufbau der Handlung, Ideengehalt und Sprache mit jugendfriſchen und begeiſterungsfähigen Schülern zu behandeln.
Ein vortreffliches Beiſpiel für die Schulbehandlung ſolcher Proſa⸗ werke bietet Kleiſts bedeutendſte Erzählung„Michael Kohlhaas“. An dieſer Meiſternovelle die Jugend zu lehren, wie ſolche Kunſtwerke zu genießen ſind, iſt eine ſchöne und dankbare Aufgabe des deutſchen Unter⸗ richts. Meines Erachtens gehört die Lektüre des„Michael Kohlhaas“


