Aufsatz 
Heinrich von Kleist im deutschen Unterricht der höheren Lehranstalten / von Karl Sieke
Entstehung
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Das wird ſich ausbaun herrlich in der Zukunft, Erweitern unter Enkels Hand, verſchönern,

Mit Zinnen üppig, feenhaft, zur Wonne

Der Freunde und zum Schrecken aller Feinde.(IV, 1)

Es erliege

Der Fremdling, der uns unterjochen will,

Und frei auf mütterlichem Grunde behaupte

Der Brandenburger ſich; denn ſein iſt er,

Und ſeiner Fluren Pracht nur ihm erbaut!(V, 7)

In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!(V, II).

Den Abſchluß der Beſprechung der einzelnen Teile bildet ein gutes, ſinngemäßes Leſen der bedeutendſten und ſchönſten Szenen. Denn das äſthetiſch Schöne ſoll auch lautlich vom Schüler empfunden und zum Ausdruck gebracht werden.

Naturgemäß wird die Geſamtwirkung einer guten Schulbehand⸗ lung bei dieſem wie bei allen dramatiſchen Kunſtwerken erhöht, wenn der Schüler Gelegenheit hat, das erarbeitete Stück, womöglich unter dem friſchen Eindrucke der Beſprechung in der Klaſſe, auf einer guten Bühne dargeſtellt zu ſehen.

IIliciael Kohlhaas.

In unſeren Lehrplänen wird der proſaiſchen Lektüre gegenüber der poetiſchen viel zu wenig Wert beigemeſſen. Für die Oberklaſſen werden außer geeigneten Abſchnitten aus Leſſings, Schillers und Goe⸗ thes Proſa nur Aufſätze allgemein⸗, kultur⸗ und literaturgeſchichtlichen ſowie philoſophiſchen Inhalts aus einem Leſebuche für die oberen Klaſ⸗ ſen empfohlen. Als Zweck der Proſalektüre wird in den methodiſchen Bemerkungen nur hervorgehoben, daß ſie den Gedanken⸗ und Geſichts⸗ kreis der Schüler zu erweitern und den Stoff für Erörterung wichtiger allgemeiner Begriffe zu bieten habe. Von den großen Proſaikern der neueren Zeit wird kein Wort geſagt.

Unſere Proſaliteratur iſt aber erſt in der nachgoethiſchen Zeit zu voller männlicher Blüte und Ausgeſtaltung gelangt. Es iſt dies eine wiſſenſchaftlich feſtſtehende Tatſache, und ich brauche zum Beweiſe nur einige berühmte Namen zu nennen: Scheffel, Freytag, Riehl, Fontane, G. Keller, K. F. Meyer, Reuter, Storm, Raabe, Roſegger, um von Ge⸗ lehrten, die zugleich große Stiliſten waren, zu ſchweigen(Ranke, Treitſchke, Mommſen, Dubois Reymond, Helmholtz). In der Novellen⸗ und Romanliteratur, deren bedeutendſte Vertreter ich eben nannte, be⸗ ſitzen wir eine Literaturgattung, in der die lebendige Sprache der Gegenwart und der Geiſt unſeres Zeitalters einen künſtle⸗