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drei Mal verheiratet war. Aber im Volksbewußtſein lebt nicht der ge⸗ ſchichtliche Prinz von Homburg, ſondern der poetiſche, wie ihn Kleiſts ſchwärmende Dichterphantaſie geſchaffen! Man kann erwähnen, daß der ganze Verlauf der Schlacht und auch der Opfertod Frobens un⸗ hiſtoriſch iſt, letzterer überhaupt ins Reich der Legende zu verweiſen iſt. Aber Einzelunterſuchungen über das Verhältnis unſeres Dramas zur Geſchichte anzuſtellen liegt nicht im Zwecke der Schulbehandlung. Un⸗ wichtig für ſie iſt auch die Frage nach der Abfaſſungszeit(1809 und An⸗ fang 1810 cf. B. Schulz a. a. O. S. 71 ff.) ſowie die tragiſche Geſchichte des Kunſtwerkes(cf. E. Schmidt, Kleiſts Werke Bd. 3. S. 18 ff.) Wich⸗ tiger ſchon, weil mit dem Zwecke der Schullektüre zuſammenhängend, iſt die Frage der Beziehungen der bedeutſamſten Motive des Dramas (Todesfurcht, Geſetz und Freiheit, Vaterlandsliebe) zu Kleiſts Lebens⸗ anſchauung, eines Zuſammenhanges, dem Wukadinowic ſcharfſinnig nachgeforſcht hat. Darauf bei paſſender Gelegenheit einzugehen, iſt ohne Zweifel lohnend, und die Abhandlung des genannten Forſchers wird dem Lehrer gute Dienſte tun.
Der Zweck der Schullektüre iſt, daß die Schüler das Kunſtwerk als Ganzes verſtehen und genießen lernen, und für dieſen Zweck kommt es vor allem auf die genannten drei Fragen an: Aufbau der Handlung, Durchführung der Charakteriſtik und Entwicklung der Idee. Deshalb muß der Lehrer bei jeder Szenengruppe, die zur Beſprechung vorliegt, zielſicher die Fragen im Auge haben: Wie ſchreitet die Handlung fort? Wie prägen ſich die Charaktere aus? Wie wird die Idee entwickelt? Um dieſe Hauptfragen gruppieren ſich die vielen Einzelfragen nach der Sprache, den Kunſtmitteln, den Nebenmotiven, dem Aufbau der ein⸗ zelnen Szenen uſw. So wird ſchließlich, Akt für Akt vorwärtsſchreitend, das ganze großartige Gebäude der Handlung aufgeführt, die Charaktere ſtehen lebendig vor den Augen der Schüler, und als reife Frucht bietet ſich ihnen die herrliche Lehre dar, daß in einem Staate Ordnung und Manneszucht herrſchen muß, daß es aber im Grunde doch ein Ausgleich gibt zwiſchen bindendem Geſetz und perſönlicher Freiheit. Wo im Staate Geſetz und Disziplin ſo ſtreng und doch ſo hochherzig und menſchlich gewahrt wird wie von dem großen Kurfürſten in unſerm Drama, da lebt im Herzen des Volkes die Vaterlandsliebe als ein mächtiges Ge⸗ fühl. So wird denn„der Prinz von Homburg“, während die„Her⸗ mannsſchlacht“ ein Kampfes⸗ und Haſſesdrama iſt, zum hohen Liede der Liebe zum Vaterlande und zum Herrſcherhauſe und der ſtolzen Hoffnung auf Preußens Glanz und Größe.
Das Vaterland, das du uns gründeteſt,
Steht, eine feſte Burg, mein edler Ohm:
Das wird ganz andre Stürme noch ertragen,
Fürwahr, als dieſen unberufnen Sieg,


