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ungezwungen iſt ſeine Rede, wenn die Perſonen in ruhiger Unterhaltung begriffen ſind; wo Leidenhaft herrſcht, da zeigt ſie ſich in heftiger, unruhiger Rede(II, 2. III, 5. a. a. O.). Sehr reich iſt ſeine Sprache an rhetoriſchen Figuren und Tropen, beſonders an Metaphern, Bildern und Gleichniſſen(z. B. Chiasmus: V, 5, 1700 f. Klimax: II, 1, 391. Polyſyndeton: IV, 4, 1386 ff. Perſonifikation: I, 4, 120 ff. u. a.) Der Metapher und dem Bilde hat Kleiſt beſondere Aufmerkſamkeit gewid⸗ met;(vgl. Brief 26. Werke V. S. 157). Zu bewundern iſt, wie Kleiſt im Bilde zu verharren und es durchzuführen ſich beſtrebt(I, 3: Zikade — zirpen— Weizenfeld. II, 6: Die den Stamm umrankende Rebe). Den Monolog liebt Kleiſt im allgemeinen nicht, im Prinzen von Hom⸗ burg finden ſich fünf, ganz knapp gehaltene Selbſtgeſpräche; das reflek⸗ tierende Moment in Schillers Monologen fehlt ihnen völlig, ſie geben nur Tatſachen oder fertige Entſchlüſſe. Seine ganze Kraft entfaltet Kleiſt im Dialoge. Hier iſt er Meiſter. Natürlich und lebhaft fließt er dahin, oft, wo es der Gegenſtand erfordert, rauſcht er in gewaltiger Be⸗ wegung vorbei. Eigentümlich, aber meiſterhaft iſt in unſerem Drama mehrmals der ſog. polyphone Dialog geführt. Verſchiedene Perſonen verfolgen in ihren Gedanken ihre eigene Richtung, und ihre Reden laufen ſelbſtändig neben einander her. So gehen in der Paroleſzene drei ver⸗ ſchiedene Motive neben einander her: der Aufbruch der fürſtlichen Fa⸗ milie, das Diktat des Schlachtplanes und die Liebesgedanken des Prin⸗ zen(Ähnlich II, 10, 751 ff.). Ein ſolches Durcheinanderſprechen ver⸗ ſchiedener Perſonen mit verſchiedenen Gedankengängen iſt von höchſter dramatiſcher Lebhaftigkeit.
Bei Behandlung der Sprache und des Stiles iſt eine beſcheidene Kritik an manchen Stellen durchaus erlaubt. Wenn wir einem geſuchten Bilde begegnen(wie II, 6, 568 f. I, 4, 122), oder zu ſtarke, übertriebene Ausdrücke(III, 5, 991) oder Satzverſchränkungen (I, 1 ff.) finden, da ſollen wir das ruhig zugeben, aber ohne Naſen⸗ rümpfen. Denn auch in Sprache und Stil gilt E. Schmidts Wort: „Alles, was er geſchaffen, ſagt uns ſofort:„Ich bin Kleiſtiſch.“
Dies Wort gilt auch im guten Sinne von der Detailſchilderung und den Nebenmotiven, die der Dichter oft in den großen Zug der Handlung einfügt, um irgend einen Gedanken, eine Stimmung oder einen Charakterzug anſchaulich zu machen. Grade in dieſer Richtung ſind in unſerem Drama oft herrliche Schönheiten vorhanden.
Ein paar Beiſpiele!
Kottwitz ſteigt einen Hügel empor, um von dort aus den Gang der beginnenden Schlacht zu beobachten. Oben angelangt, begrüßt er den herrlich aufſteigenden Tag(II, 1):
Ein ſchöner Tag, ſo wahr ich Leben atme! Ein Tag, von Gott, dem hohen Herrn der Welt,


