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Die Szenen 6—11 geben den Abſchluß, die künſtleriſche Run⸗ dung. In feierlichen, ſich ſteigernden Worten erklärt der Prinz, er wolle das heilige Geſetz des Krieges, das er verletzt im Angeſicht des Heeres, durch einen freien Tod verherrlichen. Er ſpricht ſich ſelbſt frei, indem er das Geſetz gegenüber dem Individuum mit ſeinem„Uebermut“ als das Höhere anerkennt. Als letzte Gnade erbittet er das Verſprechen, daß der Kurfürſt mit der Hand ſeiner Nichte nicht den Frieden von den Schweden erkaufe.
Aber noch einmal wird die Begnadigung hinausgeſchoben. Der Kurfürſt läßt den Prinzen nochmals abführen. Wie das Kriegsgericht, nicht er, das Urteil geſprochen hat, ſo ſchiebt er auch dieſe Entſcheidung ſcheinbar von ſich ab, indem er die Offiziere fragt, ob ſie,„die Schule dieſer Tage durchgegangen“, es nochmals mit dem Prinzen verſuchen wollten. In heller Begeiſterung jauchzen ſie ihm zu, und der Kurfürſt zerreißt vor ihren Augen das Todesurteil.
Wenn ſich nun die Freilaſſung des Prinzen in derſelben Um⸗ gebung vollzieht, wie die Eingangsſzene des Dramas ſie darbietet, in⸗ dem der Prinz, wieder zur Nachtzeit im Garten ſitzend, die Binde vor den Augen verliert und nun wirklich von Natalie gekränzt wird: ſo iſt damit eine wahrhaft künſtleriſche— man ſage nicht opernhafte— Ab⸗ rundung gegeben. Zugleich wollte offenbar der Dichter den Gedanken ausdrücken, daß der Traum(vgl. I, 1, 77) der erſten Szene ſich dennoch verwirklicht habe.
Dieſer Gang der Handlung, wie ich ihn im Aufriß namentlich mit Rückſicht auf die für die Schulbehandlung wichtigen Szenen und Motive darzulegen verſucht habe, muß den Schülern zu völliger Klar⸗ heit und Durchſichtigkeit gelangen. Wenn man eine zu vorheriger Prä⸗ paration geſtellte Szenengruppe durchnimmt, ſo ſind die Schüler zu der klaren Erkenntnis hinzuleiten, wie in den einzelnen Szenen die Hand⸗ lung vorwärts ſchreitet, wie ſie mit dem Vorhergehenden verbunden ſind, und nach welchem Ziele ſie hinweiſen. Schließlich muß der ganze Pracht⸗ bau in ſeiner inneren Verzahnung und ſeinem herrlichen äußeren Em⸗ porſtreben, in ſeinen Stockwerken und Einzelgemächern den Schülern genau bekannt ſein.
Da die Behandlung des Prinzen von Homburg eine ſtatariſche ſein ſoll und die Schüler mit dem Kunſtwerke bis in ſeine Einzelheiten hinein vertraut werden ſollen, ſo wird man öfters Gelegenheit nehmen müſſen, Kleiſts Sprache, Stil und Kunſtmittel zu betrachten.(G. Minde⸗ Pouet, H. v. Kl. Seine Sprache u. ſ. Stil). Kleiſts Sprache beſitzt einen anmutenden Reiz und eine zwingende Gewalt. Die hervor⸗ ſtechendſten Eigenſchaften ſeiner Sprache ſind Anſchaulichkeit und Leb⸗ haftigkeit, er gibt für die jeweilige Stimmung, das Gefühl oder den Gedanken den prägnanteſten und friſcheſten Ausdruck. Natürlich und


