22—
ſturm die Feinde aufreiben könnte, wozu doch die Reiterei des Prinzen nach dem Plane des oberſten Kriegsherrn beſtimmt iſt. Bezeichnend für den Charakter des Helden iſt die Art, wie er dem alten, wackern Kott⸗ witz antwortet, als dieſer ihn daran erinnert, daß ſie auf Ordre warten ſollten:
Auf Ordr'? Ei, Kottwitz reiteſt du ſo langſam?
Haſt du ſie noch vom Herzen nicht empfangen?
Ja, der Träumer der Eingangsſzenen iſt hier zum kecken Drauf⸗ gänger geworden, der der Empfindung des Herzens folgt, wie ſie der Augenblick gebiert.
Eine ſchwere Schuld hat der Held auf ſich geladen, er verdiente es, geſchlagen zu werden. Aber durch ſeine und ſeiner Reiter helden⸗ mütige Tapferkeit erringt er den Sieg; doch iſt es nicht der Sieg, den der Kriegsherr gewollt hat, er iſt blutiger und unvollſtändiger.
Ein feierliches Zwiſchenſtück(Szene 3—8) bilden die Berichte Mörners über den angeblichen Tod des Kurfürſten und Sparrens über ſeine Rettung durch den Stallmeiſter Froben. In höchſt geſchickter Weiſe iſt hier die bekannte Sage vom Opfertod Frobens in die Hand⸗ lung des Dramas hineingewoben und für ſie fruchtbar gemacht. Die Berichte dienen dazu, daß ſie dem Prinzen die Gelegenheit bieten, der Natalie ſeine Liebe zu geſtehen und das Geſtändnis ihrer Gegenliebe zu empfangen. Damit erklimmt er den Gipfel des Glückes:
O Cäſar Divus, Die Leiter ſetz' ich an an deinen Stern!
Der zweite Teil des Aktes(Szene 9 und 10) bringt den Um⸗ ſchlag, den Zuſammenbruch der ſtolzen Hoffnungen des Prinzen. Der Kurfürſt verkündigt, freilich zunächſt in der Annahme, daß der Prinz die Reiterei nicht geführt, wer immer an der Spitze der Reiterei ge⸗ ſtanden und eigenmächtig damit in die Schlacht eingegriffen, ſei des Todes ſchuldig und vor ein Kriegsgericht zu ſtellen.
Mehr Schlachten noch als die hab' ich zu kämpfen Und will, daß dem Geſetz Gehorſam ſei.
Der Prinz erſcheint, und es zeigt ſich, daß er der Schuldige iſt. Anfangs von dieſer Tatſache betroffen, verliert der Kurfürſt ſeine Geiſtesgegenwart nicht. Er gibt den gemeſſenen Befehl: Nehmt ihm den Degen ab, er iſt gefangen! Es iſt müßig, darüber nachzudenken, ob der Kurfürſt das Urteil auch ausgeſprochen hätte, wenn er von vorn⸗ herein gewußt hätte, daß der Prinz die Reiterattacke geführt hatte, ebenſo darüber, ob er von Anfang an das Urteil vollſtrecken wollte und vollſtreckt hätte, wenn der Prinz nicht ſeine Gerechtigkeit anerkannt hätte. Für ihn beſteht immer nur das eine Ziel, dem Geſetze und der Manneszucht Geltung zu verſchaffen.


