Ein dichteriſches Meiſterſtück, dieſe Szene der Paroleausgabe. Wie trefflich ſind die beiden Gruppen der ſich zur Abreiſe rüſtenden fürſtlichen Familie und der den Schlachtplan empfangenden Generale gegen einander abgegrenzt und mit einander verflochten! Das Weſent⸗ liche aber ſiſt— und darin liegt das ſog. erregende Moment— die Zer⸗ ſtreutheit des Prinzen, die, durch die Traumſzene vorbereitet und die Beobachtung Nataliens und des Handſchuhes motiviert, meiſterlich durch das leiſe, in den offiziellen Dialog hineingewobene Sondergeſpräch mit Hohenzollern gekennzeichnet iſt. Nur der Schlußbefehl, Fanfare blaſen zu laſſen, der ſo ſehr ſeinem heißblütigen Temperamente und liebes⸗ ſeligen Hochgefühle entſpricht, tönt nach in ſeinen Ohren, und dadurch wird die innerliche Verbindung mit der Hauptſzene des zweiten Aktes, der Schlachtſzene, hergeſtellt.
Wie herrlich, in wie kühnen Bildern kommt dann in dem kurzen Schlußmonologe des erſten Aktes das ſtolze Glücksgefühl des Prinzen zum Ausdruck und die begeiſterte Hoffnung, den Sieg und damit die Hand ſeiner Geliebten zu erwerben! Dies eine Gefühl beherrſcht ihn völlig, und wenig verſchlägt ihm des Kurfürſten ernſte Mahnung, die dieſem der Dichter mit wohlberechneter Abſicht unmittelbar vor Auf⸗ bruch zur Schlacht in den Mund legt:
Herr Prinz von Homburg, dir empfehl' ich Ruhe! Du haſt am Ufer, weißt du, mir des Rheins
Zwei Siege jüngſt verſcherzt; regier' dich wohl Und laß mich heut den dritten nicht entbehren, Der mindres nicht als Thron und Reich mir gilt.
Der zweite Akt bringt uns die erſte Stufe der ſteigenden Hand⸗ lung; ſie beſteht darin, daß der Prinz tatſächlich die Schuld, die wir ahnend vorausſehen, begeht.
Die Schlacht beginnt. Den Schlachtplan zu entwickeln iſt hier überflüſſig. Er iſt frei erfunden, aber ſo klar und durchſichtig,— man erkennt in dem Dichter den geweſenen Offizier— daß er leicht mit einigen Strichen den Schülern gezeichnet werden kann. Das Wichtigſte in der Szene in Bezug auf Fortſchritt der Handlung und Entwicklung der Idee iſt die Tat des Prinzen. Ihm iſt nach dem Schlachtplan der Auftrag zugefallen, mit der Reiterei den letzten entſcheidenden Schlag zu führen. Mit ſeinem Gefolge beobachtet er von einem Hügel aus (Teichoskopie) den Gang der Schlacht. Aber ein Rätſel ſind ihm die Bewegungen der Truppen, hat er doch von den Intentionen des Schlacht⸗ planes keine Ahnung. Als er nun die Schweden weichen ſieht, fürchtet er, er könne zum Siege nichts beitragen. Wie ſollen ſich da die ſtolzen Hoffnungen erfüllen, die ſein Herz an den Sieg knüpft? Von jäher Hitze getrieben, befiehlt er Fanfare zu blaſen und eilt in die Schlacht, gegen die Inſtruktion und viel zu früh, als daß er mit ſeinem An⸗


