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Teutoburger Walde wie zur Vernichtung der in Cheruska zurückbleiben⸗ den Römerkohorten werden getroffen(IV, 7—8). Und ſchließlich wer⸗ den auch Thusnelda die Augen geöffnet über die wahre Natur des Römerjünglings, für den ihr argloſes Herz Zuneigung und menſch⸗ liches Empfinden gehegt, und auch ſie ſchwört furchtbare Rache(IV, 9 und 10). Der fünfte Akt bringt die Kataſtrophe, die Entſcheidung durch die Schlacht. Die beiden erſten Szenen bilden die Einleitung dazu: In dunkler Nacht unter Donner und Blitz finden wir Varus mit ſeinen Scharen in einem feuchten„Mordgrunde“, er iſt durch Hermanns Liſt irregeführt. Die Alraune⸗Szene(3—5) läßt uns den Ausgang der Schlacht vorahnen. Marbrod ſteht kampfbereit vor der Front des Römerheeres(Szene 6, 7) und Hermann ſchlagfertig in ſeinem Rücken (Szene 8). Die deutſchen Fürſten in Varus Heere, von Hermann auf⸗ gefordert, fallen von den Römern ab(Szene 9). Mit flammender Be⸗ geiſterung erwarten die Cherusker den anbrechenden Morgen des Schlachttages(Szene 10 und 11). Die Barden ſingen das ergreifende Schlachtlied, und ein Hörnertuſch aus der Ferne gibt Zeichen von Mar⸗ bods Angriff(Szene 14). Die Szenen 15—419 führen uns die ſchauer⸗ liche Rache der Thusnelda an Ventidius vor, Szenen 20— 22 bringen den Sieg und Untergang des Varus zur Darſtellung, und die Szenen 23 und 24 gelten dem Neubau des deutſchen Vaterlandes und ſeiner Einigung unter einem Oberherrn und weiſen hin auf den Vernichtungs⸗ kampf gegen das römiſche Raubneſt.
Dieſer Bau der Handlung, wie er hier in kurzen Umriſſen ge⸗ geben iſt, muß bei der Schulbehandlung klar vor den geiſtigen Augen der Schüler erſtehen. Aber er darf ihnen nicht etwa in einer ſchema⸗ tiſchen Dispoſition mit Zahlen und Buchſtaben gegeben werden,— die Zeit der„Aufbauarchitekten“ iſt vorbei— ſondern in Frage und Ant⸗ wort muß der Fortſchritt der Handlung von den Schülern ſelbſt gefun⸗ den werden. Man muß bei jedem größeren Abſchnitt der Handlung feſtſtellen laſſen, wie ſie fortgeführt wird, und nach welchem Ziele ſie ſtrebt, und am Schluſſe muß der Gang der Handlung in zuſammen⸗ hängender Rede dargelegt werden können. Dabei iſt eine angemeſſene Kritik ſehr wohl erlaubt. Wir wiſſen, mit welcher Eile Kleiſt das Drama hergeſtellt hat; wir können es alſo erklären, wie in den letzten⸗ Szenen des Dramas ein ſtraffer Plan fehlt. Wir dürfen es auch als mißlungen bezeichnen, wie der Dichter z. B. Hermann und Fuſt um das Vorrecht kämpfen läßt, den Varus zu töten. Aber das Auge muß als⸗ bald wieder auf die großen Züge der Handlung gelenkt werden, und neben dem Bau der Handlung dürfen auch die vielen andern Fragen der dramatiſchen Kompoſition nicht vernachläſſigt werden.
Zunächſt die Charakteriſtik! Im Laufe der Beſprechung müſſen an paſſenden Stellen die Charakterzüge der handelnden Perſonen,


