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habe. Seine Sehnſucht nach Rache ſchien ſich in der Tat zu erfüllen. Denn Kleiſt war mit Dahlmann Augenzeuge des großen Sieges der Hſtreicher über Napoleon bei Aspern und zweifelte nun keinen Augenblick mehr, daß auch Preußen und ganz Norddeutſchland los⸗ brechen werde.(Brief 131 Bd. 5, p. 388.) Er ließ ſich in Prag nieder und entfaltete hier eine fieberhafte publiziſtiſche Tätigkeit. Hier ent⸗ ſtand der Plan zu der Wochenſchrift„Germania“, und für ſie wurde hier im Sinne von Arndts„Geiſt der Zeit“ eine ganze Reihe bedeutſamer, in die verſchiedenſten Formen gekleideter patriotiſcher Aufſätze geſchrie⸗ ben, von denen ich eben die beiden wichtigſten und auch für die Schule verwertbaren erwähnt habe. Von Prag aus betrieb er auch energiſch die Drucklegung und Aufführung der„Hermannsſchlacht“. Aber er fand weder Darſteller noch Drucker, ſowenig wie ſeine politiſche Lyrik und ſeine politiſchen Aufſätze„wegen ihrer Beziehung auf die Zeit“(Brief 133. Bd. 5, p. 391) an die Öffentlichkeit gelangten. Nie iſt ein Dichter zu ſchmerzvollerem Schweigen verurteilt worden. Die Hermannsſchlacht iſt bis zum Jahre 1821 im Nachlaſſe Kleiſts verborgen geblieben; in dieſem Jahre hat Tieck des Dichters hinterlaſſene Schriften heraus⸗ gegeben. Die Handſchrift unſeres Dramas trägt auf der erſten Seite das ergreifend entſagende Diſtichon:
Weh, mein Vaterland, Dir! Die Leier zum Ruhm dir zu ſchlagen, Iſt, getreu dir im Schoß, mir, deinem Dichter verwehrt.
Dieſe Hauptdaten der Entſtehungsgeſchichte haben für die Schul⸗ beſprechung den Wert, daß ſie die Schüler in die richtige Stimmung verſetzen und ihr Augenmerk auf das richten, was für die Schulbehand⸗ lung dieſes Dramas das Wichtigſte iſt, und um deſſentwillen es haupt⸗ ſächlich für die Schullektüre in Anſpruch genommen wird: den natio⸗ nalen Gehalt.
Grade der nationale Gehalt aber iſt es, den man der Dichtung oft zum Vorwurf gemacht und auch als Grund angeführt hat, um das Drama für die Schullektüre abzulehnen. Schon Vater Körner hat in einem Briefe an ſeinen Sohn Theodor an unſerer Dichtung getadelt, daß ſie an die wirkliche Welt angeknüpft ſei;„eben um den drückenden Verhältniſſen des Wirklichen zu entgehen, flüchte man ſich ſo gern ins Reich der Poeſie“. Derſelbe Vorwurf iſt es, wenn von Schulmännern das Drama abgelehnt wird, weil es„ein ausgeſprochenes Tendengzſtück ſei, lediglich darauf berechnet, die Deutſchen zum Haß und zum Kampf gegen Napoleon zu entflammen“.(Ortner, Bemerkungen zu H. v. Kleiſts Hermannsſchlacht. Programm des Gymnaſiums zu Regensburg 1894. Vgl. auch Zürn, H. v. Kleiſts Hermannsſchlacht. Leipzig 1888. Dagegen Steffen, Kleiſts Hermannsſchlacht in Lyons Zeitſchrift für den deutſchen Unterricht 1905. S. 5, 45 ff.)


