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lands zu dienen, iſt das Werk in einer der ſchwerſten Stunden deutſcher Geſchichte geſchaffen worden. Es iſt ein nationales Drama in doppelter Beziehung, in Beziehung auf den Freiheitskampf gegen die Römer und den gegen Napoleon. Indem der Dichter die Weſensgleichheit der beiden Epochen erkannte, dramatiſierte er den Befreiungskampf gegen die Römer mit ſchärfſter Beziehung auf ſeine Zeit. Er, der als Publiziſt und Agitator mitten im Strom der Zeit ſtand, wollte die Kraft, die der dramatiſchen Kunſt zu Lieb und Haß innewohnt, benutzen, um auf ſeine Zeit zu wirken und die Freiheitsbewegung gegen Napoleon zu ſchüren, er gab ſeinem Drama dasſelbe Amt wie ſeiner Lyrik und ſeinen poli⸗ tiſchen Aufſätzen:„den Schlachtruf zu donnern ins Tal“. Wegen dieſer engſten Beziehung zur Zeitgeſchichte muß bei der Schulbehandlung von vornherein das Nötigſte über die Entſtehungsgeſchichte des Dramas mit⸗ geteilt werden; nur wenn der Schüler dieſe kennt, iſt er für das Ver⸗ ſtändnis des Stückes vorbereitet. Und die Entſtehungsgeſchichte hat auch an ſich hohes Intereſſe. Mit Spannung werden die Schüler hören, daß Kleiſt am eigenen Leibe den Druck der franzöſiſchen Gewaltherrſchaft erfahren hat. Bei ſeiner Reiſe von Königsberg nach Berlin wurde er im Jahre 1807 vor den Toren von Berlin von franzöſiſchen Poliziſten verhaftet und, da er der Spionage verdächtigt wurde, in Kriegs⸗ gefangenſchaft geſchleppt(zuerſt nach Fort Joux bei Beſançon, dann nach Chalons ſur Marne), aus der er erſt im Juli entlaſſen wurde. Zurückgekehrt wandte er ſich nach Dresden, und dort finden wir ihn bald mitten in einem Kreiſe von patriotiſchen Männern, deren Ziel es war, alle Deutſchen zu einer allgemeinen Erhebung gegen das Napoleoniſche Fremdjoch zu ſammeln(cf. Rahmer a. a. O. p. 136 ff.). Von Dresden liefen Fäden der Verſchwörung nach Berlin und Wien, und Kleiſt half geheimen Gedankenaustauſch leiten. Öſtreich ſtand im Frühjahre 1809 zum Waffengange mit Napoleon gerüſtet da, Preußen wollte man zum Anſchluß an Öſtreich drängen, und Kleiſt war vor allen in dieſem Sinne agitatoriſch und publiziſtiſch tätig. Aus dieſer Stimmung her⸗ aus iſt die Hermannsſchlacht geboren, ſie ſoll„den von Öſtreich gerüſte⸗ ten, hoffentlich auch bald von Preußen aufgenommenen Krieg als eine dramatiſche Eroika einweihen“. Mit großer Eile wird das Drama fertiggeſtellt; nachdem es zunächſt den Dresdener Freunden mitgeteilt iſt, wandert eine Handſchrift nach Wien. Alles bot der Dichter auf, um eine unverzügliche Aufführung zu erreichen(cf. Brief 129). Bald hielt es ihn nicht mehr in Dresden; ſobald er in Fr. Chr. Dahlmann, dem ſpäter ſo charaktervollen Hiſtoriker, einen Genoſſen gefunden hatte, eilte er nach öſtreich,„um ſich in die Armee der Begebenheiten zu werfen.“ Unterwegs las er ſeinem Reiſegefährten die flammenden Szenen der Hermannsſchlacht vor und zeitlebens blieb dieſem der herzergreifende Ton im Ohre, mit dem Kleiſt das Rache fordernde Bardenlied vorgeleſen


