ſo ſchuf er im Jahre 1810 den Prinzen von Homburg, das hohe Lied auf Preußens und ſeines Herrſcherhauſes Größe. Seiner Ehrfurcht und Liebe zum Königshauſe gab er auch in zwei kleineren lyriſchen Gedichten Ausdruck, die wieder unbedingt in den Kreis der Schullektüre hineingezogen werden müſſen:„An Friedrich Wilhelm III.“ und„An die Königin Luiſe“. Das erſte dieſer Lieder iſt zur Feier der Rückkehr des Königs von Oſtpreußen nach Berlin im Dezember 1809 gedichtet worden, aber erſt im Oktober 1810, da das Imprimatur in Berlin ver⸗ ſagt wurde, veröffentlicht worden. Es ſind hochgemute Verſe, durch die die herzergreifende Rückkehr des Königspaares nach der Hauptſtadt ver⸗ ewigt worden iſt. Dem König, der ſchweigend und gerührt durch ein Portal einzieht, ruft der Dichter zu:
Blick auf, o Herr! Du kehrſt als Sieger wieder,
Wie hoch auch jener Cäſar triumphiert!(Str. 1).
Kein Friedensopfer habe er geſcheut, und nur ſeine große Wahr⸗ haftigkeit habe ihn mit dem Kriegsglücke entzweit(Str. 2). Zum Schluß tröſtet er ob der Opfer des Krieges und gibt dem kühnen Glau⸗ ben, der ihn nie verließ, Ausdruck, daß für das heilige Recht auch der Hauptſtadt Türme geopfert werden müßten.
Sie ſind gebaut. o Herr, wie hell ſie blinken, Für beſſere Güter in den Staub zu ſinken.
Die Perle der Lyrik Kleiſts iſt das Sonett an die Königin Luiſe, das ebenfalls für die Schullektüre in Anſpruch genommen wird und bei der Durchnahme der Freiheitsdichtung mit andern Gedichten auf die Königin Luiſe zuſammengeſtellt werden muß. Es kann nicht Aufgabe der Schule ſein, an dem Streit über die drei Faſſungen des Luiſen⸗ gedichtes teilzunehmen(cf. Kleiſts Werke. Bd. 4, S. 39 ff., R. Steig, Neue Kunde. S. 70 ff. B. Schulze, Neue Studien. S. 7 ff); jeden⸗ falls iſt das Sonett die prägnanteſte und vollendetſte Faſſung, und des⸗ halb muß ihm in der Schule der Vorzug vor den beiden andern Ge⸗ dichten gegeben werden.
Es iſt angemeſſen, um die Schüler auf das Gedicht vorzubereiten, ihnen die nahen Beziehungen mitzuteilen, in denen Kleiſt zur Königin ſtand. Während die Welt ringsumher den Dichter verkannte, nahm ſich die Königin Luiſe ſeiner an. Sie ſetzte ihm aus ihrer Privatſchatulle ein Jahresgehalt aus,„zur Begründung einer unabhängigen Exiſtenz und zur Aufmunterung in ſeinen literariſchen Arbeiten“. Kleiſt ſeiner⸗ ſeits erkannte ihres Weſens Wert und hing mit Liebe und Bewunderung an ihr. Schon im Dezember des Jahres 1806 ſchrieb er von Königs⸗ berg aus an ſeine Schweſter Ulrike(Kleiſts Werke Bd. 5, S. 331):„An unſre Königin kann ich gar nicht ohne Rührung denken. In dieſem unglücklichen Kriege macht ſie einen größeren Gewinn, als ſie in einem ganzen Leben voll Frieden und Freuden gemacht haben würde. Man


