Aufsatz 
Heinrich von Kleist im deutschen Unterricht der höheren Lehranstalten / von Karl Sieke
Entstehung
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Napoleonhaſſes vor den Befreiungskriegen und ſo recht der dichteriſche Vertreter jener bedrängten Tage.

Aus dieſem Vergleiche ergibt ſich ſchon die Notwendigkeit, daß Kleiſts vaterländiſche Lyrik in den Rahmen der Schullektüre hinein⸗ gezogen werden muß, und zwar muß ſie in Unterſekunda im Zuſammen⸗ hang mit der Dichtung der Freiheitskriege behandelt werden. Unſere Jugend würde nur ein unvollſtändiges Bild von der gewaltigen Frei⸗ heitsdichtung im Anfang des 19. Jahrhunderts erhalten, wenn ſie nur die Lieder aus den Freiheitskriegen ſelbſt kennen lernte. Kleiſts poli⸗ tiſche Lyrik bildet zu dieſer Dichtung eine notwendige Ergänzung und paſſende Einleitung.

Die Behandlung der Freiheitsdichtung erfolgt am beſten, indem man die Lieder, nach inhaltlichen Geſichtspunkten(einzelne Helden, ein⸗ zelne Großtaten, Freiheitsidee, Vaterlandsgedanke, Kaiſeridee) grup⸗ piert zur Beſprechung bringt. Wie paſſend iſt es da, wenn man zur Einführung in dieſe Gedankenkreiſe auseinanderſetzt, welch tiefer Groll und Haß gegen die fremde Unterjochung und Gewalttat ſich in den Herzen der Patrioten geſammelt hatte! Man belege dies durch treffende Beiſpiele und vergeſſe auch nicht von Kleiſts eignen raſtloſen patrio⸗ tiſchen Bemühungen zu erzählen. Alsdann folgt die Leſung und Be⸗ ſprechung der Gedichte nach Inhalt, Gedankenaufbau und Grundſtim⸗ mung. Letztere muß vor allem zum Ausdruck kommen. Denn es iſt des Dichters, muß alſo auch des Interpreten letztes Ziel ſein, das Ge⸗ fühl des grimmigen Grolles zur Wirkung zu bringen. Man kann dieſe Wirkung noch verſtärken, wenn man die Schüler mit einer Anzahl bedeutender Stellen aus Kleiſts Flugſchriften vom Jahre 1809 bekannt macht. Dieſe hatte der Dichter für die Zeitſchrift Germania verfaßt, die er mit Dahlmann herauszugeben beabſichtigte, und dieder erſte Atemzug der deutſchen Freiheit ſein und, hoch auf den Gipfel der Felſen geſtellt, den Schlachtgeſang herabdonnern ſollte ins Tal. Außer der Vorrede zu der durch die Ungunſt der Zeitlage leider nicht zuſtande gekommenen Zeitſchrift müßten vor allem zwei Aufſätze herangezogen werden:Katechismus der Deutſchen undWas gilt es in dieſem Kriege? In der erſten dieſer Schriften nennt er Napoleoneinen Sünder, den anzuklagen die Sprache der Menſchen nicht hinreiche und den Engeln einſt am jüngſten Tage der Odem vergehen werde,einen der Hölle entſtiegenen Vatermördergeiſt, der herumſchleicht im Tempel der Natur und an allen Säulen rüttelt, auf denen er erbaut iſt. Na⸗ poleon zu bewundern wäre ebenſo feig, als ob ich die Geſchicklichkeit, die einem Menſchen im Ringen beiwohnte, in dem Augenblicke bewundern wollte, da er mich in den Kot wirft und mein Antlitz mit Füßen tritt. Welche Wirkung wird dieſe mächtige, leidenſchaftliche Sprache auf die Gemüter der Jugend ausüben! Man wende nicht ein, daß dadurch