tiſche Periode in Kleiſts Leben beginnt in Königsberg(i. J. 1806), wo er den Fall Preußens erlebte, ſpielt ſich, von der Zeit der Gefangen⸗ ſchaft und mehreren Reiſen abgeſehen, in Dresden und Berlin ab und reicht bis zu ſeinem jähen und tragiſchen Ende am 21. November 1811. Von den Werken, die in dieſer Zeit entſtanden ſind, nehme ich außer dem in den Lehrplänen vorgeſchriebenen„Prinzen von Homburg“,„Die Hermannſchlacht“ und eine Anzahl kleinere lyriſche Gedichte für die Schullektüre in Anſpruch.
Was zunächſt die lyriſchen Gedichte betrifft, ſo ſtelle ich an die Spitze die beiden Lieder„Germania an ihre Kinder“ und„Kriegslied der Deutſchen“(Zottelbär und Pantertier). Beide ſind ſie entſtanden in dem hoffnungsvollen Frühjahr 1809, als Oeſtreich ſich zum begeiſter⸗ ten Kampf gegen Napoleon erhob und die Patrioten auf den Anſchluß Preußens hofften. In dem erſten der Gedichte, das offenbar Rythmus und Chor von Schillers Lied an die Freude übernommen hat, läßt der Dichter Germania alle ihre Kinder, jeden Stammes(Str. 1), jeden Berufes(Str. 3) zum geſchloſſenen und wilden Todeskampf(Str. 2 und 4) gegen den ruchloſen Räuber der Freiheit(Str. 5 und 6) ent⸗ bieten. In brauſenden Chören erwidert das Volk:
Zu den Waffen! Zu den Waffen! Was die Hände blindlings raffen! Mit dem Spieße, mit dem Stab Strömt ins Tal der Schlacht hinab! Eine Luſtjagd, wie wenn Schützen Auf der Spur dem Wolfe ſitzen! Schlagt ihn tot! Das Weltgericht Fragt euch nach den Gründen nicht!
Das zweite Gedicht, das als volkstümliches Marſchlied gedacht iſt, führt einen draſtiſchen Vergleich des Feindes mit der Raubtierbrut, Wolf, Fuchs, Geier und Schlange, durch. Sie alle ſind vertilgt,
Nur der Franzmann zeigt ſich noch In dem deutſchen Reiche; Brüder, nehmt die Keule doch, Daß er gleichfalls weiche.
Beiden Liedern iſt als Grundſtimmung gemeinſam ein furcht⸗ barer Ingrimm und dämoniſcher Haß.
In dieſer Grundſtimmung liegt der Weſensunterſchied der Frei⸗ heitslieder Kleiſts von denen eines Arndt, Körner und Schenkendorf. Dies ſind helle, begeiſterte Lieder, die der offene Kampf geboren, jenes leidenſchaftliche, düſtere Klänge des Haſſes und der Wut, die die ſchwere Zeit der napoleoniſchen Unterdrückung und die Schwüle vor dem Kriege erzeugt haben. Jene Männer ſind die Sänger des friſchen, befreienden Kampfes der Jahre 1813/15, Kleiſt iſt der Herold des ingrimmigen


