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In dem weltlichen Besitz des römischen Stuhls, welchen man von der angeblichen Schenkung Konstantins herzuleiten pflegte, sah Walther die Ursache der Übergriffe der geistlichen Macht und den Beginn ihres Verfalls(Pf. 85. Si. 5. Wi. 51, 196):
Zur Zeit, da König Konstantin
Dem Stuhl zu Rom so viel verliehn,
Speer, Kreuz und Krone, dass er Macht erlangte, Da rief ein Engel laut:„O weh,
Und aber weh, zum dritten weh!
Die Christenheit, die einst so herrlich prangte, Der ist ein Gift herabgefallen,
Ihr Honig wandelt sich zu Gallen;
Einst steht die Welt darob verzagt.“
Alle Fürsten leben nun mit Ehren,
Indes der Höchste Schmach erduldet.
Das hat der Pfaffen Wahl ¹) verschuldet,
Das sei dir, süsser Gott, geklagt!
Die Pfaffen wollen Laienrecht verkehren,
Der Engel hat uns wahr gesagt.
Wie lange unser Dichter in Philipps Nähe geblieben ist, wissen wir nicht. Längere Zeit hat er in Eisenach an dem sangesfrohen Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen geweilt. Dieser, in der Politik zwar ein wankelmütiger Fürst, welcher sich bald der Partei Philipps, bald der Ottos anschloss, je nachdem er hier oder da seinen Vorteil zu erkennen glaubte, war doch ein Freund und Beschützer der Dichtkunst. Durch seine hochgepriesene Freigebigkeit machte er Eisenach und die Wartburg zum Sammelpunkt der berühmtesten Dichter, denen er ähnlich wie Karl August 600 Jahre später in dem benachbarten Weimar ein unabhängiges Dasein und die notwendige Musse für dichterisches Schaffen gewährte. Die Erinnerung an das Zusammnenströmen von fahrenden Sängern und Rittern hat sich in der Sage von dem Sängerkrieg auf der Wartburg erhalten. Eine heitere Schilderung von dem hier herrschenden lustigen Leben und dem unruhigen Gedränge, wie eine Schar aus-, die andere einfährt, entwirft uns Walther in einem Spruch(Pf. 99, Si. 23), in welchem er scheinbar halb unmutig, dass ihm dadurch der Zutritt erschwert werde, jedem der nicht gesunde Ohren hat, den Rat erteilt diesen Hof zu meiden, weil man sonst von dem Lärm ganz taub werde und um den Verstand komme. Doch Walther hat Zutritt gefunden, und hier kam er auch mit manchem andern Sänger in Berührung, namentlich mit Wolfram von Eschenbach, welcher Walthers Urteil bestätigt ²) und dessen Anwesenheit voraussetzt.
In der vaterländischen Dichtung Walthers findet sich hier eine Lücke. Gewiss hat er das Recht des Hohenstaufen auch in den folgenden Jahren weiter verfochten. Philipps Waffen waren siegreich und gaben ihm ein immer grösseres Uebergewicht über seinen Nebenbuhler, dessen An-
¹) Mit Simrock ist unter der Pfaffen Wahl an Otto IV. zu denken, nicht mit Pfeiffer, der den Spruch in die
Zeit 1212— 15 setzt, an Friedrich II.
2) Parz. VI,526(297,16): von Düringen fürste Herman, etslich din ingesinde ich maz, daz uũzgesinde hieze baz. dir weære och eines Keien nôt, sit wäriu milte dir gebôt sô manecvalten anehanc, etswà smæhlich gedranc unt etswà werdez dringen. des muoz her Walther singen:„guoten tac, boes' unde guot.“ Vgl. Wilh. 417, 26.


