Aufsatz 
Spectroskopische Untersuchungen / G. Siebert
Entstehung
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Roth nach Violett mit, 5, y,, so lässt sich der Charakter des Lithiumspectrums bei ver- schiedenen Temperaturgraden in der folgenden Weise bezeichnen: 1. Flamme:«α sehr intensiv, h schwach, und d unsichtbar. 2. Schwacher Funke(Lecod):« intensiv, sehr deutlich, deutlich, d unsichtbar. 3. Stärkerer Funke(Bunsen):« schwach, intensiv, deutlich, unsichtbar. 4. Flammenbogen: α und 5 unsichtbar, intensiv, 6 schwach. 5. Sonne: α und β unsichtbar, schwach, 6 intensiv.

Was die theoretische Erklärung dieses Vorgangs betrifft, so besteht derselbe darin, dass man annimmt, mit der Temperatur steige auch der Grad der Dissociation. Die durch ihre Schwing- ungen das Licht erzeugenden Massentheilchen werden bei steigender Temperatur immer einfacher, schwingen schneller und mit geringerer Amplitude, d. h. das durch die Schwingungen erzeugte Licht nähert sich immer mehr dem violetten Ende des continuirlichen Spectrums, ähnlich wie ein durch einen schwingenden elustischen Körper erzeugter Ton immer höher wird, je grösser die Anzahl der Schwingungen und je kleiner die Länge der durch die Schwingungen erzeugten Wellen wird. Der Unterschied zwischen einem violetten und einem rothen Lichtstrahl ist nemlich kein anderer, als der zwischen einem tiefen und einem hohen Ton. Bei einem violetten Strahl ist die Wellenlänge kurz und die Schwingungszahl gross, bei einem rothen Strahl dagegen die Wellen- länge gross und die Schwingungszahl klein.

Bemerkenswerth ist, dass die im Funkenspectrum sichtbare blaue Linie des Lithiums mit einer Strontiumlinie genau zusammenfällt, ein Umstand, der für die Frage der Dissociation der sogenannten chemischen Elemente vielleicht von Bedeutung werden kann.

VI.

Spectrum der Cäsium- und Rubidiumsalze. Zur Untersuchung des Verhaltens der Cäsium- und Rubidiumsalze dienten ausschliesslich die beiden Chloride. Das Cäsiumchlorid war das käufliche chemisch reine Salz, während das Rubidiumchlorid in der folgenden Weise aus Ru- bidiumalaun dargestellt wurde. Zu einer Lösung dieses Salzes wurde soviel Barytwasser hinzu- gefügt, dass die Flüssigkeit basisch reagirte. Nachdem das ausgeschiedene Bariumsulfat und Alu- miniumhydroxyd abfiltrirt war, wurde durch Einleiten von Kohlensäureanhydrid das überschüssige Bariumbydroxyd ausgefällt und gleichzeitig das Rubidiumhydroxyd in das Carbonat verwandelt. Nach Abscheidung des Bariumcarbonats wurde das Rubidiumcarbonat in das Chlorid verwandelt. Das Cäsiumsalz war durch Rubidium, das Rubidiumsalz durch Kalium und Barium verunreinigt.

Als Resultat ergab sich, wie bei déer grossen Uebereinstimmung dieser beiden Metalle mit dem Kalium zu erwarten war, dass dieselben in dem Funken nach der Lecoq'schen Methode keine Spectralreaction geben. Bunsen fand nach seinem Verfahren, dass die charakteristischen blauen Linien des Cäsiums gar nicht, die des Rubidiums nur ganz schwach erscheinen. Von andern Linien wurden Andeutungen der hellsten rothen, zweier gelber und zweier an der Grenze von Grün und Blau liegenden Linien des Cäsiums, sowie zweier rother Linien des Rubidiums beobachtet.

Cappel fand für Cäsium und Rubidium ähnliche Resultate, wie für das Kalium. Is gilt auch hier die für das Kalium gemachte Bemerkung. Das Vorhandensein der beiden Metalle in der umkehrenden Schicht der Sonnenatmosphäre ist wahrscheinlich.