10
VII.
Spectrum der Strontiumsalze. Das Flammenspectrum der Strontiumsalze besteht aus einer Gruppe rother Linien(52— 63), in welcher bei der Dispersion eines gewöhnlichen Bun- sen'schen Spectralapparates deutlich fünf streifenartige Linien zu unterscheiden sind, von denen die zweite die breiteste ist. Uumittelbar an diese rothen Linien schliesst sich ein heller, breiter, rothgelber Streifen an(65— 67) und ausserdem zeigt das Spectrum eine isolirte scharfe blaue Linie(115— 116).
Das Funkenspectrum, welches man erhält, wenn man die Salzlösung nach der Lecoq'schen Methode im Inductionsfunken verdampft, steht zu dem Flammenspectrum etwa in demselben Ver- hältniss, in welchem das Funkenspectrum des Lithiums zu dem Flammenspectrum dieses Metalls steht, d. h. es zeigt alle Linien des Flammenspectrums, namentlich auch die rothen Linien scharf getrennt und mit unveränderter Intensität, ausserdem aber zwei neue Linien, welche im Violett liegen(142 und 153). Dagegen ist die Empfindlichkeit der Funkenreaction bei dem Strontium relativy bedeutender, als bei dem Lithium, indem sie der Empfindlichkeit des Flammenspectrums ziemlich gleichkommt, während die Empfindlichkeit des Funkenspectrums der Lithiumsalze von der des Flammenspectrums bedeutend übertroffen wird. Verdampft man an einem feinen Platin- draht ein Tröpfchen Wasser, welches 5 Strontiumchlorid gelöst enthält, in der Bunsen'schen Flamme, so beobachtet man deutlich, wenn auch natürlich nur momentan, das Strontiumspectrum, namentlich die gelbe und die plaue Linie. Im Funkenspectrum sind bei einigermassen bedeuten- dem Concentrationsgrad(bis 20) alle Linien constant, mit Ausnahme der beiden violetten, die bereits bei etwa 5 Verdünnung aufhören, constant zu sein und nur beim Schliessen und Um- kehren des Stromes auftreten. Selbst bei einer Verdünnung von 13,3 treten die rothen Linien, ebenso die gelben und die plauen, noch sehr deutlich auf, allerdings nicht mehr constant. Da- gegen erscheinen sie regelmässig beim Stromwenden. Die rothen Linien treten sogar in stärker verdünnten Lösungen häufig deutlicher auf, als im Flammenspectrum. Allerdings tritt die Structur derselben nicht mehr so deutlich hervor, als bei höherem Concentrationsgrad, vielmehr erscheinen sie als ein einziger verschwommener Streifen.
Das Funkenspectrum nach der Bunsen'schen Methode beobachtet, unterscheidet sich von dem nach der Lecoq'schen Methode beobachteten durch ein relatives Zurücktreten der rothen Linien und das Auftreten einer grösseren Anzahl von Linien in dem Zwischenraum zwischen der gelben und der blauen Linie, ausserdem durch erhöhte Intensität der beiden violetten Linien. Es rückt also, wie beim Lithium, so auch beim Strontium bei erhöhter Spannung des Funkens das Maximum der Intensität und Empfindlichkeit von dem rothen Ende nach dem violetten hin.
Im electrischen Flammenbogen zeigt das Strontiumspectrum noch eine Linie, die dem vio- letten Ende noch näher liegt, als die im Funkenspectrum sichtbaren violetten Linien. Im Sonnen- spectrum sind vier Linien des Strontinms, die blaue und die drei violetten, nachgewiesen.
VIII.
Spectrum der Calciumsalze.— Das Flammenspectrum der Calciumverbindungen hat grosse Aehnlichkeit mit dem Strontiumspectrum. Es besteht, wie jenes, aus einem mehr banden- artigen Spectrum in dem weniger brechbaren Theil des Spectrums sowie einer isolirten, scharf.


