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spectrum der Lithiumsalze. Das Flammenspectrum der Lithiumsalze besteht aus einer intensiven rothen Linie(54— 55) und einer schwächeren, mehr streifenartigen rothgelben Linie ⁵½(65). Die letztere tritt nur dann deutlich hervor, wenn man das Flammenspectrum nicht durch einen Tropfen Lösung, sondern durch eine geschmolzene Salzperle erzeugt. Verdampft man einen Tropfen der Lösung eines Lithiumsalzes, so beobachtet man in der Regel nur die Linie a, diese aber ausserordentlich deutlich.
Nach Bunsen unterscheidet sich das Funkenspectrum des Lithiums bei hoher Spannung des Punkens wesentlich durch das Auftreten einer blauen Linie, sowie dadurch, dass nicht die Linie, sondern die Linie β an Helligkeit die andere übertrifft.
Das Funkenspectrum, nach der Lecoq'schen Methode beobachtet, bildet, wie zu erwarten war, eine Uebergangsform zwischen dem Flammenspectrum und dem nach Bunsen's Methode be- obachteten Funkenspectrum. Es stimmt mit dem ersteren insofern überein, als die Linie, wi: in jenem, die hellste ist, nicht die Linie β. Dagegen zeigt es mit dem letzteren insofern Aehn lichkeit, als die blaue Linie(117) deutlich hervortritt, wenigstens wenn die Lösung nicht allz- stark verdünnt ist.
Was die Empfindlichkeit der Funkenreaction betrifft, so ist dieselbe allerdings weit geringer, als die der Flammenreaction. Immerhin ist dieselbe nicht unbedeutend und es könnte die Fun- kenreaction recht gut zum Nachweis der Lithiumverbindungen dienen, wenn nicht die Flammen- reaction ein noch viel empfindlicheres und bequemeres Hilfsmittel böte. Die Linien sind in Lösungen, die 3 Lithiumnitrat enthalten, noch ziemlich constant und blitzen bei noch viel stärkerer Verdünnung beim Stromwenden sehr deutlich auf. Störend für die Beobachtung der Spectralreaction stark verdünnter Lösungen ist der Umstand, dass in der Nähe der rothen Lithium- linie« eine Sauerstofflinie(56— 57) liegt, so dass zum sicheren Unterscheiden derselben die Scala einigermassen beleuchtet sein muss. Die blaue Linie verschwindet früher, als die beiden rothen. Bei einem Verdünnungsgrad von 6 plitzt dieselbe nur noch schwach auf und ist kaum noch mif Sicherheit zu erkennen. Im Flammenspectrum erscheint die rothe Linie in Lösungen, die Sobe Sulfat oder Carbonat enthalten, noch vollkommen deutlich, wenn an einem feinen Platin- draht ein kleines Tröpfchen verflüchtigt wird.
Das Lithiumspectrum bietet ein ausgezeichnetes Beispiel zur Beobachtung der stufenweisen Veränderung des Spectrums, welche dasselbe erleidet, wenn die Temperatur steigt, bei welcher die Verbindung verflüchtigt wird und die Massentheilchen in Schwingung versetzt werden. Diese Veränderung ist bei diesem Metall um so deutlicher zu beobachten, als das Spectrum desselben selbst bei niedriger Temperatur nur aus wenigen, scharf begrenzten Linien, und nicht zum Theil aus breiten streifenförmigen Parthien besteht, ein Umstand, aus dem geschlossen werden kann, dass die Massentheilchen dieser Verbindungen selbst bei dieser niedrigen Temperatur sich bereits in einem verhältnissmässig hohen Grad von Dissociation befinden. Die durch Temperatursteiger-
ung bewirkte Veränderung besteht, wie bereits in der Einleitung bemerkt wurde, im Wesentlichen darin, dass das Spectrum immer mehr nach dem violetten Ende des continuirlichen Spectrums rückt. Ausser den erwähnten drei Linien zeigt das Lithiumspectrum bei höherer Temperatur noch eine violette Linie. Bezeichnet man die vier Linien des Lithiumspectrums der Reihe nach von


