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diesen Grad hinaus gesteigert, so findet in beiden Beziehungen eine Abnahme statt.“ Es liegt demnach die Temperatur des Inductionsfunkens sowohl bei der Bunsen’schen, als auch bei der Lecod'’schen Methode bereits so hoch über derjenigen Temperatur, welche das Maximum der Em- pfindlichkeit bezeichnet, dass jede Spectralreaction der Kaliumsalze bereits vollkommen erloschen ist. Das Maximum der Empfindlichkeit ist selbstverständlich kein absolutes, sondern nur ein solches, welches für gewisse Temperaturgrenzen gilt, indem das Kalium nicht nur im electrischen Flammenbogen ein deutliches Spèctrum giebt, sondern auch die Anwesenheit desselben in der Son- nenatmosphäre durch spectroskopische Beobachtungen nachgewiesen ist.
Was die Empfindlichkeit der Flammenreaction betrifft, so ist die rothe Linie noch voll- kommen deutlich zu erkennen, wenn man an einem sehr feinen Platindraht ein kleines Tröpfchen einer Lösung verflüchtigt, die S3 Kaliumchlorid enthält. Die übrigen Kaliumsalze liefern die Linie« bis zu einem ähnlichen Grade der Verdünnung.
IV.
Spectrum der Natriumsalze. Die Natriumsalze zeigen ein von den Kaliumsalzen durchaus abweichendes Verhalten, indem hier die Empfindlichkeit der Funkenreaction der bekannt- lich ausserordentlich grossen Empfindlichkeit der Flammenreaction nicht im Geringsten nachstcht. Die einzige gelbe Linie, aus welcher unter gewöhnlichen Umständen das Spectrum der Natrium- verbindungen besteht, ist im Funkenspectrum ebenso unvermeidlich, wie im Flammenspectrum.
Um den Grad der Empfindlichkeit des Funkenspectrums etwas näher zu bestimmen, wurde das Glashütchen durch ein Platinhütchen ersetzt, so dass der Natriumgehalt des Glases nicht zur Verstärkung der Natriumlinie beitragen konnte. Dieses Platinhütchen wurde mit frisch destil- lirtem Wasser gefüllt und zur Abhaltung des Staubes durch ein oben und unten lose verschlos- senes Glasrohr umhüllt. Trotzdem reichten die bei diesen Manipulationen nicht zu vermeidenden Spuren von Natriumsalzen hin, um die gelbe Linie des Natriumspectrums mit voller Deutlichkeit hervortreten zu lassen.
Auch bei Anwendung der Bunsen'schen Beobachtungsmethode, also bei stärkerer Spannung des Funkens, besteht das Natriumspectrum nur aus der einzigen Linie D. Allerdings erscheint diese Linie weniger breit, als im Flammenspectrum. Aus diesem Umstande könnte man unter Berücksichtigung des von Cappel aufgestellten Grundsatzes den Schluss ziehen, dass bei Anwen- dung dieser Beobachtungsmethode die das Maximum der Empfindlichkeit bezeichnende Temperatur bereits überschritten sei. Der Schluss würde indessen nicht richtig sein, wenn eine weitere Stei- gerung der Temperatur das Auftreten neuer Linien zur Folge hätte. In der That treten bei ge- steigerter Temperatur im Natriumspectrum neue Linien, namentlich eine Doppellinie im Roth und eine Doppellinie im Grün auf. Dieselben beobachtete zuerst Roscoe, indem er Natrium in einem weissglühenden eisernen Rohr verflüchtigte. Dieselben Linien wurden durch Lockyer auch durch den electrischen Funken hervorgerufen, der durch einen starken Inductionsapparat, eine Leydener Flasche von 224 Quadratzoll Oberfläche und eine kräftige Batterie von fünf Grove'schen Elemen- ten erzeugt wurde. Die Linien wurden beobachtet, indem in diesem Inductionsfunken die trocke- nen Natriumsalze, namentlich das Chlorid, Bromid, Jodid und Pluorid verflüchtigt wurden. Das Maximum der Anzahl der Spectrallinien liegt also bei den Natriumsalzen bedeutend höher, als bei den Kaliumsalzen.


