Aufsatz 
Spectroskopische Untersuchungen / G. Siebert
Entstehung
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Es handelte sich bei dieser Untersuchung im Wesentlichen darum, den Charakter des Funken- spectrums, wenn es ohne Anwendung einer als Condensator wirkenden Leydener Flasche beobachtet wird, einerseits mit dem nach der Bunsen'schen Methode erzeugten Funkenspectrum, andererseits mit dem Flammenspectrum zu vergleichen. Es zeigte sich alsbald, dass die Empfindlichkeit der Funkenreaction in den meisten Fällen der Empfindlichkeit der Flammenreaction bei Weitem nach- steht. Daher wurde von einer genauen Bestimmung der Empfindlichkeitsgrenze abgesehen, da eine solche von nur untergeordnetem Werth ist.

Ueber die Empfindlichkeit der Funkenreaction mag noch folgende allgemeine Bemerkung vorausgeschickt werden. Zur Beobachtung des Spectrums muss der Strom so geschlossen werden, dass sich der negative Pol in der Flüssigkeit, der positive in der Luft befindet, da im entgegen- gesetzten Fall das am negativen Pol auftretende Luftspectrum die Beobachtung des Metallspectrums sehr beeinträchtigt. Wenn nun die Salzlösung einigermasseu concentrirt ist(etwa 36 bis zu im Durchschnitt), so treten die Linien des Metallspectrums deutlich auf und bleiben auch ziemlich constant. Ist dagegen die Lösung stärker verdünnt, so erscheinen im Allgemeinen zwar die Linien im Augenblick des Schliessens deutlich, bleiben aber nur kurze Zeit sichtbar. Bleibt der Strom geschlossen, so plitzen die Linien zuweilen noch momentan auf. Fast regelmässig erscheinen aber in diesem Falle die Linien wieder sehr deutlich, wenn man den Strom einige Zeit umgekehrt schliesst, d. h. so, dass sich der positive Pol in der Flüssigkeit befindet, und dann plötzlich ver- mittelst des am Inductor befindlichen Commutators die Richtung des Stromes umkehrt.

Die Verbindungen, deren Spectra in der angegebenen Weise untersucht wurden, sind, wo nichts Anderes ausdrücklich bemerkt ist, die Chloride, Sulfate, Nitrate und Carbonate, voraus- gesetzt, dass dieselben nicht unlöslich sind.

III.

Spectrum der Kaliumsalze. Das Flammenspectrum des Kaliums besteht aus einer intensiven rothen Linie«(41 42), einer blauen(156 157), sowie einem schwachen rothen Streifen pei 50. Bei Anwendung einer Bunsen'schen Flamme ist die blaue Linie bedeutend schwächer, als die rothe, der Streifen 50 erscheint nicht pei allen Salzen. Deutlich tritt derselbe z. B. beim Nitrat hervor, wenn eine Salzperle in der Flamme erhitzt wird.

Unter Anwendung der Lecoq'schen Beobachtungsmethode geben die Kaliumsalze keine Spectralreaction, selbst concentrirte Lösungen(0) nicht. Bunsen beobachtete nach der an- gegebenen Methode, d. h. unter Anwendung einer Leydener Flasche und von Kohlenpolen, das Verhalten des Kaliumchlorids und fand, dass auch unter diesen Bedingungen das genannte Salz keine Spectrallinien zeigt. Cappel dagegen(Pogg. Ann. Bd. 139, 1870) beobachtete das Fun- kenspectrum der Kaliumsalze, indem er die Salzlösung zwischen den Polen eines kleinen Stöhrer- schen Funkeninductors verflüchtigte, dessen secundäre Rolle eine Höhe von 20 und einen Durch- messer von 9 Centimeter hatte und bei Erregung durch drei bis vier Grove'sche Becher einen Funken von 1 ½ Centimeter Länge lieferte. Allerdings war die Reactionsfähigkeit im Inductions- funken bedeutend geringer, als in der Gasflamme. Cappel fand das Verhältniss beider gleich 1:7. Das Ergebniss seiner Untersuchungen fasst Cappel in einigen Sätzen zusammen, deren erster der folgende ist:Mit steigender Temperatur nimmt die Empfindlichkeit der Spectralreactionen und die Zahl der Spectrallinien bis zu einem gewissen Temperaturgrade zu; wird die Temperatur über