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stroms und der Länge der Inductionsrolle ab. Häufig schaltet man in den Schliessungsbogen des Inductionsstroms eine Leydener Flasche ein, wodurch die Spannung des Inductionsfunkens erheb- lich gesteigert wird. Weitere Unterschiede der Spectralreaction hängen davon ab, ob eine ge- schmolzene Salzperle, oder eine Auflösung eines Salzes im Inductionsfunken verflüchtigt wird. So- bald die Bedingungen andere sind, ist auch die Anzahl, der Charakter, die Intensität und die Empfindlichkeit der einzelnen Linien eine andere.
Eine schr bequeme Methode zur Beobachtung der Funkenspectra ist in neuerer Zeit(1874) von Lecoq de Boisbaudran angegeben worden, die im Wesentlichen darin besteht, dass die Salzlösung im Inductionsfunken ohne Einschaltung einer Leydener Flasche verflüchtigt wird.
Bunsen bediente sich zur Untersuchung der Funkenspectra der leichten Metalle(Pogg. Ann. Bd. 155, 1875) eines Inductionsfunkens, den er zwischen Kohlenspitzen überspringen liess, welche mit der Lösung des zu untersuchenden Salzes imprägnirt waren. Zur Erzeugung des In- ductionsfunkens diente eine Chromsäuretauchbatterie von vier Elementen, ein Ruhmkorff'scher Inductionsapparat von 0,2 Meter Durchmesser und 0,5 Meter Länge, dessen Funkenlänge zwischen stumpfen Platinspitzen 1—2 Centimeter betrug. Der Inductionsstrom war durch Einschaltung einer Leydener Flasche verstärkt.
Zur Beobachtung der Funkenspectra nach der Lecoq'schen Methode bedient man sich mit Vortheil einer von Vogel angegebenen Vorrichtung. Die Salzlösung befindet sich in einem kleinen Glashütchen, welches man durch Zuschmelzen und Abschneiden einer Glasröhre von 5 bis 6 Mil- limeter Durchmesser herstellt. Durch den Boden dieses Glashütchens dringt ein Platindraht, des- sen oberes Ende etwas tiefer steht, als der Rand des Hütchens, während das untere Ende in geeigneter Weise mit dem negativen Pol des Funkeninductors in Verbindung steht. Der positive Pol endigt ebenfalls in einem Platindraht, dessen Ende dem negativen Poldraht gegenübersteht und demselben bis zu einem beliebigen Grade genähert werden kann. Um das Emporsteigen der Flüssigkeit an dem Platindraht im Glashütchen zu bewirken, ist dieser letztere durch ein feines Capillarröhrchen umgeben, welches durch Ausziehen und Abschneiden eines Glasrohrs hergestellt wird.(Man vergleiche über das Nähere dieser Vorrichtung Vogel: Die praktische Spectral- analyse, Nördlingen 1877. Seite 136). Der wesentliche Unterschied dieser Einrichtung von der Bunsen'schen besteht in dem Mangel der Kohlenpole und der in den Inductionsstrom eingeschal- teten Leydener Flasche..
Den Hauptwerth verleiht dieser Methode der Spectraluntersuchung natürlich der Umstand, dass sie die Spectra derjenigen Metalle zu beobachten gestattet, deren Spectra nicht durch die Flamme hervorgerufen werden können. Doch ist auch die Beobachtung der Funkenspectra der- jenigen Metalle von Interesse, deren Spectra durch die Hitze der nichtleuchtenden Flamme eines Bunsen'’schen Brenners erzeugt werden können.
In Folgendem sind die Ergebnisse einer solchen Untersuchung zusammengestellt, welche sich auf diejenigen zehn Metalle beschränkt, welche eine vollkommene Flammenreaction geben, nemlich Kalium, Natrium, Lithium, Cäsium, Rubidium, Strontium, Calcium, Barium, Thallium und Indium.
Die Beobachtung der Spectra geschah mit einem aus der Werkstatt von E. Leybold's Nachfolger in Cöln hervorgegangenen, gewöhnlichen Bunsen'schen Spectralapparat, dessen Scala so eingestellt war, dass die Natriumlinie mit dem Theilstrich 70 derselben zusammenfiel. Zur Erzeugung des Funkens diente eine Chromsäuretauchbatterie von vier Elementen und ein Funken- inductor(No. 6) von Keiser und Schmidt in Berlin, dessen Funkenlänge 4 bis 5 Centimeter betrug.
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