Aufsatz 
Die Lorelei / von Adolf Seyberth
Entstehung
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D. Disciplin.

Das ſittliche Verhalten der Schüler gab im Allgemeinen zu erheblichen Klagen keine Ver⸗ anlaſſung und nur in ſehr ſeltenen Fällen mußten ſchwerere Schulſtrafen zur Anwendung gebracht werden. Diejenigen auswärtigen Schüler, welche nicht bei ſolchen Verwandten, deren Verhältniß zu ihnen faſt dem der Eltern gleichſteht, untergebracht ſind, wurden von ihren Ordinarien häufig beſucht, und die Anſtalt wird es auch fernerhin als eine ihrer wichtigſten Pflichten betrachten, auswärtigen Schülern der bezeichneten Art in Verbindung mit den Hauswirthen die eifrigſte Für⸗ ſorge zu widmen. Zur Herbeiführung eines anſtändigen und geſitteten Verhaltens innerhalb der Schulräume und zur Beſeitigung des Lärmens vor dem Beginne der Lehrſtunden und während der Unterrichtspauſen wurden durchgreifende Maßregeln genommen, welche auch ein günſtiges Er⸗ gebniß herbeigeführt haben. Das Gymnaſialgebäude wird erſt zehn Minuten vor dem Glocken⸗ ſchlage geöffnet und dann ſofort, ſowohl auf dem oberen als auf dem unteren Gange von einem der Lehrer, bis zum Beginne des Unterrichts, die Aufſicht geführt; die größeren Unterrichtspauſen müſſen die Schüler im Freien zubringen und in Abweſenheit der Lehrer die Claſſenaufſeher für ein ruhiges Verhalten der Schüler Sorge tragen.

E. Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler.

Der Geſundheitszuſtand der Lehrer war im Allgemeinen befriedigend und wenn auch mehrere derſelben durch Unwohlſein auf kürzere oder längere Zeit zur Ausſetzung ihrer Lehrſtunden ge⸗ nöthigt wurden, ſo iſt doch durch dieſe Verhinderungen, bei welchen übrigens die betreffenden Lehrer von ihren Amtsgenoſſen aufs bereitwilligſte vertreten wurden, das Gymnaſium nicht weſentlich benachtheiligt und die Erreichung des vorgeſteckten Lehrzieles nicht erheblich beeinträchtigt worden. Auch der Geſundheitszuſtand der Schüler war im Ganzen nicht unbefriedigend, doch blieb auch unſere Anſtalt von der Scharlachfieber⸗Epidemie, welche längere Zeit in unſerer Stadt herrſchte und manche Opfer forderte, nicht völlig verſchont und wir hatten den Tod zweier lieber Schüler, des Sextaners Albert Chelius, der am 22. September, und des Quintaners Moritz

Frickhöfer, der am 21. December ſtarb, zu beklagen.

II. Chronik des Gymnaſiums.

Zunächſt iſt das Ergebniß der am Schluſſe des Schuljahrs 1861-62 mit 6 Primanern vor⸗ genommenen Maturitätsprüfung hier nachzutragen. Nachdem der mündliche Theil der Prüfung unter der Leitung der Herren Regierungscommiſſare am 28. und 29. März ſtattgefunden hatte, erhielten die ſämmtlichen Abiturienten das Zeugniß der Reife für die akademiſchen Studien. Es ſind Edmund Jäger aus Wiesbaden, Wilhelm Gieße aus Montabaur, Ferdinand Haas aus Wiesbaden, Franz Keck aus Wiesbaden, Wendelin Lembach aus Hochheim und Heinrich Pfeiffer aus Wiesbaden.

Das neue Schuljahr wurde am 8. Mai in herkömmlicher Weiſe feierlich eröffnet. Die Zahl der angemeldeten Schüler betrug 35, von welchen 1 in II. a., 4 in IV., 2 in V., 2 in VI., 26 in VII. aufgenommen wurden.

Die Pfingſtferien dauerten vom 7. bis 15. Juni. 5*