Aufsatz 
Die Lorelei / von Adolf Seyberth
Entstehung
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Aus Thüringen.

Zwiſchen Harz und Eichsfeld, an der Wipper, im Kreis Erfurt liegt die Herrſchaft und Burg Lohra. Ihre zahlreichen Sagen, die alle auf Lora weiſen, nennen zum Theil gradezu Lora, die Göttin der Liebe, da dieſe Bezeichnung aber Zuthat der Verfaßer der Sagenbücher ſein könnte, ſo will ich mich nicht darauf berufen, vielmehr mag das ſonſt von mir Beigebrachte, ſo wie der Inhalt der Sagen, der ſich in der Hauptſache als durchaus ächt zu erkennen gibt, darthun, daß die Gelehrten, wenn ſie den Ausdruck ſelbſt Zuerſt gebraucht, den Sinn der Sage getroffen haben. Auch auf die Stelle in den Zuſätzen zu Olhlon. vita Bonifacii:Eodem tempore alia confregit idola sanctus, Lohram et Jecham, a quibus hodie arx Lohra in Haynensibus montanis et Jecheburgum ſoll kein Gewicht gelegt werden, obgleich ſie Mann⸗ hardt(die Götter der deutſchen Völker, p. 85) gewiß zu kurz abfertigt. Denn es bedarf nur geringer Ueberlegung, um zu ſehen, daß es ſich hier mitLohra anders verhält, als mit den übrigen da vorkommenden, offenbar aus Ortsnamen erſonnenen Namen von Göttinnen. Daß Lohra ein Perſonnenname ſein könne, hätte der Verfaßer aus dem bloßen Ortsnamen, da ſie nicht ſo häufig grade zuſammenfallen, ſchwerlich geſchloßen, wenn er nicht Volksſagen von Lora gekannt hätte; kannte er ſie aber, ſo lag es ſchon näher, ſie mit Beſtimmtheit in die Zeit des Bonifazius zu verſetzen und dann die andern Ortsnamen, die deutlich aus Perſonenuamen ent⸗ ſtanden ſind, auf ſolche von Göttinnen zurück zu führen.

Es wird von einer untergegangnen Stadt erzählt, in deren Mitte das Schloß des Herrn von Lora, welches man den Schirmer nannte. Menzel, Odhin a. a. O.

Man vergleiche oben über das untergegangne Lorenz.

Eine Tochter des Hauſes bringt Köhlern im Walde Geſchenke, wird von Räubern erſchlagen, und der Ort heißt ſteinerne Jungfrau von einem ſteinernen Bilde, das ihr Andenken erhält. Menzel a. a. O.

Das heißt natürlich, die ſteinerne Jungfrau iſt die verwandelte Lora, die hier zu Stein wird, wie ſonſt ein Stein ihre¹) Spindel, ſie im Stein(d. h. bekanntlich der Wolke) einge⸗ ſchloßen iſt, darin wohnt, darauf ſchläft. Ihre Geſchenke ſind der Himmelsſegen der Holda, und ſie wird, nachdem ſie ſie vertheilt, von dem Räuber(dem Dämon) erſchlagen und in Stein ver⸗ wandelt, d. h. die lichte Wolke von dem ſchwarzen Gewitterhimmel verhüllt.

Die Hand der Erbtochter Adelheid von Lohra konnte nur der gewinnen, der auf dem oberen Rande der Burgmauer um die Burg reiten konnte. Alle ſtürzten herab außer einem Grafen Klettenberg, der ſie gewann. Menzel a. a. O.

Hier hat ſchon Menzel den Ritt Sigurds durch die Waberlohe in die Schildburg ver⸗ glichen.

Einem treuen Liebhaber zeigt Lora ihren unterirdiſchen Garten voll köſtlicher Blumen und Früchte und läßt ihn nach Belieben mitnehmen. Es wird Alles zu Gold und er ſo reich, daß er ſeine Geliebte heirathen kann. Der habgierige Bruder will ſich auch Gold holen, wird aber hinausgejagt, vor Schrecken krank und verliert auch ſein altes Gut. Thüringen u. d. Harz, VIII, 23.

¹¹) oder die der Göttin, für die ich Lora halte.