Aufsatz 
Die Lorelei / von Adolf Seyberth
Entstehung
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Zu Lauingen¹) wird erzählt: Die ſchöne Gräfin von Schwabeck hatte alle Freier ausge⸗ ſchlagen.Es wird ſchon noch einer kommen, der mir beßer gefällt, pflegte ſie zu ſagen. Dieſer Eine aber kam nicht. Da ſtiftete ſie das Kloſter Sdelſtetten und wurde deſſen Abtiſſin. Aber im Angedenken ihrer frohen Jugend ſchenkte ſie der Stadt Lauingen verſchiedene Ortſchaften und Güter, und dort vor dem Hauſe der Sonnenwirthſchaft ſteht noch der Stein, auf den ſie täglich einen großen Laib Brod und ein Meßer liegen ließ. Jeder Vorübergehende durfte ſich da⸗ von abſchneiden. Mit Eiferſucht hält die Göttin auf die Fortführung dieſes Brauchs. Die Schlüßelbergerin kommt aus ihrem Berge hervor und klirrt mit ihren Schlüßeln den Ortspfarrer aus dem Schlafe, wenn die von ihr gemachte Brodſpende an dem anberaumten Tage vergeßen wird. RNochholz, Schweizerſag. I, 246.

Iſt ſchon von dieſem auf Perahta⸗Holda bezogen.

Aus Rhein⸗ und Mainfranken.

Von der berühmten heſſiſchen Abtei Lorſch(Lauresheim) gibt es eine bedeutſame Sage, die ich zwar nicht im Einzelnen beſprechen kann, weil es zuviel Raum erfordern würde, aber doch mittheilen will, weil ſie von Wolf, Beitrag. 1, 172 richtig auf Holda gedeutet iſt, welche nur hier an dem ihr heiligen Lauresheimer See Laura geheißen haben wird.

Es hat einmal ein Ameiſenregen die Gegend von Lorſch heimgeſucht, wodurch die Felder gänzlich verwüſtet wurden. Der Biſchof von Worms ordnete Gebete und Bittgänge an. Als die Prozeſſion in der Nähe des Lorſcher Sees war, trat ein Einſiedler zu ihr, der ſich erbot für 100 Gulden zum Bau einer Kapelle die Plage von jedem Dorfe zu nehmen. Die Bauern ge⸗ lobten es, er zog eine Pfeife hervor, pfiff und führt die um ihn ſich ſammelnden Ameiſen zum See, deſſen Waßer ſie verſchlang. Als er aber die hundert Gulden forderte, wollten die Bauern ihn verbrennen; da zog er abermals ſein Pfeiſchen, und alle Schweine der Gegend folgten ihm zum See, wo er mit ihnen verſchwand. Im nächſten Jahre folgte ein Grillen⸗ regen, dieſelbe Verwüſtung, dieſelben Bittgänge, dieſelben Verſprechungen, nur von 500 Gulden zum Bau eines Kloſters, dieſelbe Befreiung von der Plage, nur daß dießmal ein Köhler ſtatt des Einſiedels erſchien; aber auch dieſelbe Treuloſigkeit der Bauern. Dießmal folgte der Pfeife des Köhlers alles Wollenvieh, mit dem er im Lorſcher See verſchwand. Das dritte Jahr brachte Heere von Mäuſen über die Gegend; abermalige Buße, worauf ein Bergmännchen erſchien, das ſich erbot, wenn jedes Dorf ihm 1000 Gulden zahle, wolle es die Plage wegnehmen und einen Damm gegen das Gebirg bauen, daß die Gebirgswaßer den Feldern nicht mehr ſchaden könnten. Die Bauern verſprechen gern, das Bergmännchen pfeift, und alle Mäuſe folgten ihm zum Tannenberg, wo ſie verſchwinden. Als dießmal die Bauern nach alter Gewohnheit ſich wider wortbrüchig erwieſen, folgten der Pfeife des Bergmännchens alle Kinder der Gegend zum Tannenberg, der ſich öffnete und hinter ihnen ſchloß. Wolf, Beiträge I, 172.

¹) Da das r nicht wurzelhaft iſt, ſo ziehe ich auch dieß hierher.