— 13—
fackeltragenden Jungfrau um den alten Thurm gejagt und ſich in den See ſtürzen, wobei man heftiges Donnern hört. Menzel, Odhin a. a. O.
Wenn dieß noch einer Erläuterung bedarf, ſo will ich ſagen, daß das Ganze die Befreiung der Wolkengöttin aus der Gewalt des Gewitter⸗ und Winterdämons darſtellt. Dieſer wird ſeit den indiſchen Veden(wo Vritra ganz gewöhnlich ſo heißt) durch die griechiſche und römiſche Mythologie bis zu den noch lebendigen Märchen unſeres Volkes häufig Räuber der(Wolken⸗) Kühe oder Mädchen genannt; der Sturz in den See erläutert ſich am Beſten durch die in den Veden ganz geläufige Auffaßung des ſtürzenden Regens als des Sturzes des Gewitterdämons (der Schlange, Ahi); die Fackel der Jungfrau iſt der häufig in der Hand Holda's als ſolche vorkommende Blitz, und wenn ſie ſelbſt die bisherigen Verfolger verfolgt, während es gewöhnlich das als guter Geiſt gedachte männliche Gewitterweſen thut, ſo kommt das zwar in der deutſchen Sage nicht ſo oft vor, iſt indeſſen nach allem Geſagten vollkommen klar, und es würde ſich auch nach dieſer Seite die Holda,(wie Brunhild, die Schlachtengöttin) der Athene mit der Blitzlanze gleich ſtellen. Nicht unwichtig iſt der Name Schwanau, denn er erinnert an die Schwanen⸗ jungfrauen, die Vervielfältigungen der Holda oder Wolkenfrauen ſind.
Ein ganzer Sagencyclus(Rochholz, Schweizerſag. I, 110—13) knüpft ſich an eine Localität, wo eine Römerſtadt verſunken ſein ſoll. Es iſt unſchwer, darin, wie in den vielen Sagen von verſunkenen Städten, Schätzen mit Jungfrauen u. ſ. w.(Schwartz, Urſprung d. Myth. 263 ff.) Holda's Wolkenreich zu erkennen; wenn die Stadt aber Lorenz, d. h. das Reich der Lora(wie
das lateiniſche Laurentum das der Lara, ſ. unten bei der Worterklärung) heißt, ſo iſt ohne
Zweifel zu ſchließen, daß Lora gleich iſt Holda. Die Kinder ſingen zum Marienkäfer: Ankethrineli, Ankethrinelie, Wo heſch deine Chüehli?— „Z' Lauerſinge, z' Lauerſinge, Uef am ſelle Flüehli.“— . Rochholz, Alemann. Kinderlied, p. 93. Der Marienkäfer iſt bekanntlich Holda's heiliges Thier(Mannhardt, germ. Myth. 243 f.); faſt alle indogermaniſchen Sprachen bezeichnen ihn im Wort als ſolches, als Kuh, Lamm u. ſ. w. derſelben, denn dieſe Vorſtellung der Wolke iſt ſeit der Vedenzeit ganz geläufig, und wider haben die Käfer eine nahe liegende Beziehung zum Wolkenhimmel. Wenn alſo die Kühe der Holda zu Lauerſingen weiden, ſo iſt Lauerſingen d. h. die Wohnung der Lauer') identiſch mit der der Holda und ſie mit dieſer.—
v
Aus dem Elſaß. Gegen Ende Januar, manchmal früher, oft aber auch erſt im Hornung, kommt unter der katholiſchen Kirche von Buchsweiler eine waßerreiche Quelle, der Lure⸗Jerri genannt, hervor und
4) Denn das s des Genitivs findet ſich nicht ſelten in Ortsnamen auf— ingen, obgleich ſie keine Com⸗ poſita, ſondern Ableitungen ſind. So in Uſingen, welches nicht von dem Bachnamm us, ſondern, wie dieſer ſelbſt, von Uto kommt.


