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baum iſt, ſoviel ſich aus der kurzen Angabe entnehmen läßt, ein Gerichts⸗ oder Grenz⸗, alſo ein Hollenbaum. Vrgl. über dieſe Mannhardt, germaniſche Mythen 670. Celtes ſagt von unſerem Felſen: Voxque repercussis specubus reboabit ab altis, Fertur silvicolas quos habitasse deos; Freher, man habe das Echo durch lascive Zurufe geweckt, und Merian, der Berg heiße ſeit Alters Lurlenberg. Menzel, Odhin a. a. O.; Kaufmann a. a. O.
Letzteres mag wenigſtens das Alter der Form mitbeweiſen; Freher's Notiz ſcheint zu zeigen, daß man die Elbe habe necken wollen; ¹) wenn aber Celtes die silvicolas deos als vor Alters dort wohnend bezeichnet, ſo ſtimmt das mit dem noch lebendigen Volksglauben von den dort hauſenden Hanſelmännern. Dieſe ſind aber bekanntlich die Elbe, ihre Königin Frau Holda. (Ueber ihre Beziehung zum(Wolken⸗) Walde ſ. Mannhardt, Germ. Myth. 177, 203, 273, 321, 424, 668).— Im Rheingau heißt die Zeit von Weihnachten bis Dreikönigstag Lauerzeit; man kann aus dem Wetter dieſer zwölf einzelnen Tage dasſelbe für das ganze Jahr prophezeien, indem jedem Tage ein Monat in derſelben Reihenfolge entſpricht.
Bekanntlich ſind allgemein dieſe„Zwölften“ die heilige Umzugszeit der Götter, beſonders Holda's, weil ſie die Zeit des wider aufſteigenden Sonnenlichtes ſind, in Indien hatte man ſchon dieſelben Vorſtellungen, auch über das Vorausſagen(Mannhardt, die Götter der deutſchen und nordiſchen Völker I, 58; Kuhn, Zeitſchr. f. vergl. Sprachf. IV, 81) und wenn dieſe Zeit grade in dieſer Beziehung Lauerzeit heißt, ſo folgt, meine ich, ſchon daraus, daß Lora gleich iſt Holda.
Und zwar findet ſich dieſer Name der Göttin von Tirol durch Schwaben und Franken bis zur Grenze von Niederſachſen, alſo etwa, ſoweit der Name Holda vorkommt.
Aus Tirol.
Bei Laueregg in der Nähe von Waſſereit war vor Zeiten ein reiches Bergwerk. Noch blühen dort Schätze. Ein Mann fand dort einmal einen unbekannten ſchönen Baum. Er hieb deßhalb einen Aſt davon ab und trug ihn mit ſich. Als er nach Hauſe kam, fand er ſtatt desſelben eine ſchwere Goldſtange. Ein ander Mal wollte ein Mann, der nicht weit davon arbeitete, Waßer holen. Er fand bei Laueregg ein gar klares Brünnlein und füllte ſich den Krug. Als er an den Arbeitsplatz zurückkam, fand er im Krug eitel Gold. Alſogleich eilte er zurück und wollte das Krüglein nochmals füllen, doch da war der Born nicht mehr zu fenden Wolf, Zeitſchr. f. deutſche Myth. IV, 38.
Es iſt wohl kaum nöthig zu erinnern, daß hier der zu Laueregg erſcheinende ſeltene Baum, deſſen Aeſte, der Brunnen, deſſen Waſſer zu Gold wird, und der ſofort verſchwindet, ſich deutlich als Laura's oder Holda's nur zeitweiſe erſcheinender Gewitterwolkenbaum(der ſonſt goldne Hesperidenäpfel trägt), als der Wolkenbrunnen, deſſen Waßer, wie oben geſagt, das Gold der Nibelungen iſt, und der im Regen fließt, zu erkennen geben.
¹) Ich ſehe erſt jetzt, daß er beſtimmt von„Panen, Waldleuten und Bergnymphen der alten Zeit“ redet. 2*


