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Schwalheim und durch das nassauische Amt Reichelsheim mit Reichels- heim und Dorn-Assenheim.
Die Wetterau war wohl das am meisten zerstückelte Gebiet Deutschlands gewesen; von Friedberg bis Butzbach ging man durch fünf Herren Länder. Sie war jetzt geeint und einem größeren Staats- wesen angeschlossen und den geistigen Strömungen die von Alldeutsch- land ausgingen, geöffnet.
16. Kulturströmungen des 19. Jahrhunderts und ihr Wellenschlag in Friedberg.
Das 18. Jahrhundert nennt man das Zeitalter der Aufklärung.
Die Aufklärung hatte ihre gute und ihre weniger gute Seite.
Die weniger gute Seite beruht in der engbegrenzten und ober- flächlichen Fassung des Begriffs des Vernünftigen und Nützlichen. Hieraus entspringt die der Aufklärungszeit eigene Verständnislosigkeit gegenüber dem geschichtlich Gewordenen und ihre prosaische Nüchternheit.
Wenn ich mir hierin die Aufklärung plastisch vergegenwärtigen will, so betrachte ich die Friedberger Burgkirche; das ist die richtige Verkörperung dieser nüchternen Zeit! Aus unserem gegenwärtigen ästhetischen Empfinden heraus möchte man sie mitunter wegwünschen, als getreues Denkmal ihrer Zeit aber— die alte Burgkirche wurde 1783 abgerissen, die neue erst 1808 eingeweiht— verdient sie Beachtung und Erhaltung.
Geistige Strömungen brauchen eine gewisse Zeit, bis sie aus den führenden Kreisen in die breiten Schichten des Volkes dringen, und bis sie unten anlangen, herrscht oben vielleicht wieder eine andere Richtung
In den kleinbürgerlichen Kreisen kam die Aufklärungszeit zu ihrer vollen Auswirkung erst in den ersten drei, ja vier Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. In der pietätlosen Beseitigung der Baudenkmale der Ver- gangenheit tat sie sich besonders Genüge.
Noch standen 1802 die Stadtmauern von Friedberg mit den vier Toren, dem Mainzer-, Fauerbacher-, User- und See-Tor, behütet auf der nördlichen und südlichen Anhöhe von zwei Wachttürmen; sie zerfielen jetzt; abgebrochen wurde der schöne Katharinenbrunnen, die letzte Er- innerung an die Katharinenkapelle, die so lang der Zankapfel war zwischen Stadt und Burg; geschleift die Michaelskapelle(1834) und die Leonhardikirche(1842), und immer mehr zerfiel die Stadtkirche.
Und wie in Friedberg, so in der ganzen Wetterau. Die wunderbar schöne Abteikirche vom Kloster Arnsburg wurde zum Abbruch ver-


