Aufsatz 
Heimatkunde von Friedberg und der Wetterau und ihre Verwertung im Geschichtsunterricht
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akkordiert, durch den Bankerott des Unternehmers blieb wenigstens die Ruine erhalten, die Cisterzienserabtei Engeltal(Fallis Angelorum) wurde in der Lotterie verspielt, und die Johanniterkirche zu Nieder-Weisel diente als Kuhstall.

In den leitenden Kreisen der Nation war unterdessen schon die Aufklärung überwunden und die historische Richtung zu sieghaftem Durchbruch gelangt, unter Führung von Herder, Novalis und den Roman- tikern, der Brüder Grimm, von Savigny und von Görres, von Freiherrn von Stein, Pertz, Roscher, W. Arnold u. a. wurden in Litteratur, Sprache, Gesellschafts- und Rechtswissenschaft und Geschichte überall die zahl- losen Fäden wieder aufgedeckt, die die Gegenwart mit der Vergangen- heit verbanden.

Auch diese Strömung drang nach und nach in die breiteren Volks- kreise, und aus den Reihen des Bürgertums heraus erheben sich die Männer, die in eigener Umgebung wieder das Verständnis der Volks- genossen für die Vergangenheit erschließen. Gerade in den Städten, die im Mittelalter die Träger des geschichtlichen Lebens in den großen Städtebünden gewesen waren, erwacht das Interesse für die Geschichte der eigenen Stadt. In Mainz schreibt Schaab die Geschichte oder doch wenigstens eine historische Topographie seiner Vaterstadt, in Frankfurt Kriegk die Geschichte Frankfurts a. M. 1868, und der Frankfurter Bürger- zwiste und Zustände im Mittelalter 1862, und in Friedberg Philipp Dieffenbach die Geschichte der Stadt und Burg Friedberg, 1857, und die Urgeschichte der Wetterau, 1843.

Und diese Männer fanden gelehrige Schüler, die ihr Wissen weiter- trugen und im Dienst der Vaterstadt verwerteten, es genügt in Friedberg hin- zuweisen auf den Kenner der Geschichte seiner Vaterstadt, Stadtrat Gg. Falck.

Durch diese Männer wurde jene geschichtliche Gesinnung geweckt, die uns heute so selbstverständlich vorkommt; die Abtragung des Katharinenbrunnens wäre heute undenkbar. Diese Gesinnung führte zur Wiederherstellung des Adolfsturmes, der Johanniterkirche in Nieder- Weisel und der Burg Münzenberg; sogar die alten Römerkastelle Kapers- burg und Saalburg erheben sich aus ihren Trümmern, den schönsten Triumph aber feierte diese pietätvolle Erneuerung der Denkmale der Vorzeit in der kunstsinnigen Wiederherstellung der Friedberger Stadtkirche!

Am längsten hielt sich die mechanische Gleichheitsidee der Auf- klärungszeit im Bau des Wohnhauses und der Straßenanlagen. Wie mancher kunstvolle Erker fiel in der ersten Hälfte des verflossenen Jahr- hunderts in den Städten verständnisloser Polizeiverordnung zum Opfer, und gegenwärtig kann kaum ein Haus gebaut werden ohne Erker oder Veranda; und wie man in der Gegenwart das Wohnhaus wieder