Aufsatz 
Heimatkunde von Friedberg und der Wetterau und ihre Verwertung im Geschichtsunterricht
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Die ganze Denkmalsangelegenheit des Ziegenberger Schloßparkes und die Wichtigkeit, womit sie behandelt wurde und wovon obige An- deutungen nur ein schwaches Bild geben, ist übrigens recht charakteristisch für diese tatenlose, sentimentale Zeit, wo der Kultus mit den Gefühlen des zarten Ichs, vielen Lebensaufgabe schien.

Freilich, sollte der Einzelne hinausgehoben werden über die Selbst- bespiegelung, über die engen Grenzen des eignen Heims, dann mußte erst ein öffentliches Leben dasein, an dessen Gestaltung mitzuarbeiten jeder Bürger berufen ward, und ein großes Gemeinwesen, dem anzuge- hören jeder sich freudig bewußst ward.

Die Grundlage hierzu schuf die politische Entwicklung des 19. Jahrhunderts, und so leitet uns dieser Gedanke hinüber zu den territorialen Veränderungen der folgenden beriode.

15. Die Territorialveränderungen von 1803, 1806, 1809/10, 1815/16, und 1866.

Das Gebiet der hessischen Wetterau ist gar mannigfach zusammen- gesetzt, da sind zunächst die althessischen Orte des Oberfürstentums Hessen mit den Erwerbungen von 1584 1741: die Ortschaften der ehe- mals fuldischen Mark: Echzell, Berstadt, Dauernheim, Bingenheim, Bisses Blofeld, Gettenau, Leidhecken, dazu Butzbach, Bodenrod, Fauerbach vor der Höhe, Ostheim, Hoch-Weisel, Langenhain, Maibach, Münster, Pohl- Göns, Ober- und Niederrosbach.

Durch den Reichsdeputations-Hauptschluß vom 25 Februar 1803 kam hinzu zunächst die freie Reichsstadt Friedberg. Schon am 6. Oktober 1802 nahm Landgraf Ludwig X. vorläufig von ihr Besitz. Die Burg, die am 10. Dezember 1803 von hessischen Truppen besetzt wurde, mußte auf Vorstellungen des Burggrafen Bassenheim beim Kaiser wieder geräumt werden. Die Landgrafschaft Hessen erhielt ferner die Mainzer Orte Rockenberg mit der Abtei Marienschloß, Oppershofen, Ober- und Nieder-Mörlen, die Saline Wisselsheim, Ober-Wöllstadt und die Hälfte von Vilbel. ¹)

Als Landgraf Ludwig X, dem Rheinbund beitrat und zum Groß- herzog Ludwig I. erhoben wurde, erhielt er durch die Rheinbund- akte vom 12. Juli 1806 die Souveränität über die Burg Friedberg

¹) Die Cisterzienserabtei Arnsburg kam an die Solmsischen Häuser, die zwei Prämonstratenserklöster zu IIbenstadt kamen an die ältere Linie von Leiningen- Westerburg, die jüngere erhielt das Cisterzienser-Nonnenkloster Engeltal und ver- kaufte es für 450 000 Gulden an Solms-Wildenfels, jetzt im Besitz von Solms-Laubach.