Aufsatz 
Heimatkunde von Friedberg und der Wetterau und ihre Verwertung im Geschichtsunterricht
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Reichsfreiherrn Wilhelm Christoph Diede zum Fürstenstein. 1) Dieser wollte Schloß und Park Ziegenberg nach Rousseau'schen Ideen gestalten, vor allem sollte der Park durch Hütten, Tempelchen und Denkmäler belebt werden. ²)

Die Umgestaltung begann 1776 zu derselben Zeit, wo auch Goethe durch seinen Garten und sein Gartenhäuschen in ähnliche Interessen- richtung geriet. In Weimar wurde von Diede mit Goethe bekannt und machte ihn auch mit seinen Parkplänen vertraut. Seiner Schwester Sophie, vermählten Freifrau Löw von Steinfurth, zu Ehren nannte Herr von Diede eine schön hergerichtete Stelle im Wald Sophienplatz und errichtete dort einen Altar mit dem Profil seiner Gemahlin. Auch ein Denkmal sollte seine Schwester Sophie erhalten, und Diede erbat sich von Goethe eine Inschrift hierfür. Auch wegen eines dritten Denkmals wandte er sich an Goethe, und bei einer Zusammenkunft mit Goethe in Gotha, März 1782, und in Weimar, 19. 29. April 1782, wurde die Denk- malsangelegenheit weitererörtert und zum Abschluß gebracht.Das Monument wurde in Weimar unter der Aufsicht des Herrn Goethe ver- fertigt, berichtet von Diede selbst; es ist jetzt noch erhalten und steht im Eingang zum Park. Wolken tragen die Kugel der Fortuna, die durch Rosenguirlanden nach den drei Seiten des Postamentes gefesselt ist. Die Inschrift besagt: Dem dreifach gefesselten Glücke, Widmet dankbar der Gatte, Widmet der Bruder den Stein.

Auch für eine Inschrift, die hinter dem Altar der Frau von Diede an einer Eiche angebracht werden sollte, teilt Goethe, 15. Juli 1782, einen Entwurf mit:

Was die gute Natur weislich nur vielen verteilet

Gab sie mit reichlicher Hand alles der einzigen ihr, Und die so herrlich begabte, die von so vielen begehrte Gab ein liebend Geschick günstig dem Glücklichen mir.

In veränderter Fassung findet sich diese Inschrift in Goethes Werken, 8. Band, 1780, S. 222.

Die Beziehungen mit Diede und den Löw zu Steinfurth dauerten bis zum Tode des Dichters. Am 3. Januar 1780 scheint Goethe per- sönlich Ziegenberg einen Besuch abgestattet zu haben. Von Schloß Ziegenberg und seinem Park hat Goethe wohl manches in die Schilderung des Schauplatzes derWahlverwandtschaften hineinverarbeitet, wenn man auch nicht Zug für Zug das Bild von Ziegenberg darin suchen darf.

h Dr. Valentin Veit: Goethe's Beziehungen zu Wilhelm von Diede. Nit sechs ungedruckten Briefen Goethes; in der Festschrift zu Goethes 150. Geburtstagsfeier dargebracht vom Freien Deutschen Hochstift, Frankfart 1899, 8. 1 48.

²) Zur Geschichte der schönen Gartenkunst mit besonderer Rücksicht auf Hessen von Dr. Wilhelm Frank. Quartalblätter 1874, Nr. 2 und 3, insbesondere S. 23.