dessen Hexentum heute noch die Erinnerung an die schrecklichen Hexen- prozesse von 1631— 33, 1650— 53 und 1661— 64 lebendig erhält. Hier war ein Oberschultheiß Geiß Organisator und Leiter der Hexenver- folgungen.
In Friedberg hat sich 1618 den 14. Mai, am Tage der Himmelfahrt Christi, die Hertzegin, eines Steindeckers Witwe im Gefängnis erhängt, „war eine Hexin, hat Mann- und Weibspersonen, auch Vieh mit Gift getödtet.......(Dieffenbach S. 209.)
In Bingenheim leitete ein hessischer Amtmann Michael Caspari von 1653— 59 die Hexenprozesse, denen 56 Personen, meist aus Echzell, zum Opfer fielen. Sie wurden meist durch Schwert zu Bingenheim unter der Linde hingerichtet, die Leichen wurden gewöhnlich auf dem Löhbusche zu Asche verbrannt ¹) Einige Mägdelein„weil sie kinder, und wegen ihrer kleinheit zur Uebelthat verleitet worden“ wurden nach der Hinrichtung in Särgen an der Kirchenmauer zu Bingenheim be- graben.(Archiv VIII 421— 22,)
Im Vergleich zu anderen Gegenden ſielen übrigens in der Wetterau dem Hexenwahn nur wenig Leute zum Opfer, wenigstens nach dem uns vorliegenden Material.
Daß der in der deutschen Literaturgeschichte durch seine Gedichte „Trutz-Nachtigall“ bekannte Jesuit Friedrich v. Spee, einer der ersten war, die mit Erfolg gegen die Hexenprozesse auftraten, ist bekannt. Sein Buch Cautio criminalis seu de Processibus contra Sagas Liber erschien zu Rinteln 1631, aber anonym. Denn sagt er: es erschreckt mich das Bei- spiel des frommen Gottesgelehrten Tanner, der mit seinem so überaus wahren und klugen Commentar(gegen die Hexenverfolgungen) nicht wenige gegen sich aufgebracht hat.“ Pater Adam Tanner war durch sein Auftreten gegen die Hexenprozesse selbst in den Verdacht der Hexerei geraten.
Mit dem 30 jährigen Kriege trat in der Kulturentwicklung des deutschen Volkes ein völliger Bruch ein. Das Volk war verarmt und verelendet.„Armut schändet nicht“, sagt mit Recht ein deutsches Sprichwort, fügt aber sehr verständig hinzu:„aber ein leerer Sack steht nicht gut aufrecht.“ Mit der Not des alltäglichen Daseins ringend, ver- lor unser Volk jeden weiteren Ausblick.„In engem Kreis verengert sich der Sinn.“ Die Weißheit des städtischen Regiments erschöpft sich, sparsam und ängstlich, in Kleider-, Hochzeits- und Kindtaufordnungen. Der einst so weitschauende Reichsbürger wird zum engherzigen Spießer.
¹) Das archivalische Material hierüber hat der lange in Bingenheim tätige Rent- amtmann Gg. Schäfer zu einer hübschen Volkserzählung gestaltet: Die Hexe von Bingenheim. Lauterbach(Oberhessen), Verlag von H. May Nachfolger, 1898. 1


